Kleine Notizen.
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wehte und der Himmel theilweise bewölkt war, wurde eine in Bildung be
griffene Wasserhose dwars ab voraus bemerkt. Etwas später näherte sie sich
dem SW anliegenden Schiffe unter einem Winkel von 3 Strich. Während das
Schiff von derselben frei steuerte, rifs sie plötzlich, ungefähr 30 m vom Schiffe,
auseinander. Unmittelbar hierauf passirte der Dampfer den Aufsenrand der
Wasserhose, deren Durchmesser auf ca 60 bis 70 m geschätzt wurde. Beim
Passiren des Aufsenrandes wurde bemerkt, dafs das Innere der Wasserhose
hohl war und sich das Wasser in demselben kreisförmig von W nach 0, also
gegen die Sonne, bewegte. Die an Deck fallenden Wassertropfen waren sehr
salzig und von der Gröfse eines Zwanzig-Cent-Stückes. Während der wenigen
Sekunden, in welchen das Schiff die Wasserhose passirte, betrug die Wind
geschwindigkeit 30 oder 35 Sin pro Stunde, nahm aber nach dem Passiren
wieder bis zu ihrer früheren Stärke, ca 15 Sm pro Stunde ab. Ein Kalmen
centrum im Innern der Wasserhose konnte der Berichterstatter nicht bemerken;
das in derselben emporwirbelnde Wasser hatte Aehnlichkeit mit einer um
gekehrten Fontaine. Das Barometer zeigte nach den flüchtigen Beobachtungen
eine Schwankung von 1 bis 2 Hundertstel - Zoll. Nach dem Passiren der
Wasserhose war sein Stand wieder derselbe wie vorher. Die Wolken in der
Umgebung der Wasserhose waren zerrissen und ähnelten Gewitterwolken; sie
bewegten sich sehr schnell, indem sie sich bald einander näherten, bald wieder
von einander entfernten, sich senkten und wieder emporstiegen. Die in einem
Wirbel stattfindende Bewegung des Wassers war noch mehrere Minuten nach
dem Zerreifsen der Wasserhose eine sehr schnelle und liefs erkennen, dafs
dieselbe durch eine ungeheure Kraft hervorgerufen sein mufs. Eine das Steuer
des Schiffes beeinflussende Strömung wurde nicht bemerkt.
2. Strombeobachtungen im nördlichen Atlantischen Ocean. Nach
der „Pilot Chart of the North Atlantic Ocean“, Washington Oktober 1889, hat
der Führer der amerikanischen Bark „Mary HasbrouckKapt. Wm. Ludwigs,
über die angetroffenen Strömungen vom 12. bis 17. September d. J. Nach
stehendes berichtet:
Datum
1889
N-Br
W-Lg
Strom in 24 Stunden
September 12.
20° 44'
68° 25'
N 83° W 8 Sm
„ 13.
23° 40'
71° 50'
N 32° W 14 Sm
„ 14.
26° 39'
72° 46'
S 73° W 7 Sm
15.
29° 35'
73° 34'
Kein Strom
16.
32° 25'
73° 57'
Nord 18 Sm
. 17-
34° 31'
74° 20-
Nord 10 Sm
Nach einem Bericht vom deutschen Dampfer „Werra“ ist in der Zeit
vom 5. bis 6. September zwischen 48°55'N-Br, 38° 30'W-Lg und 46° 42' N-Br,
47° 45' W-Lg ein nach Süden setzender Strom von 16 Sm in 24 Stunden beob
achtet worden. Ferner wurde nach einem Bericht vom deutschen Dampfer
„Catania“, in der Zeit vom 9. bis 18. September d. J., zwischen 8° N-Br,
45° W-Lg und 37° N-Br, 71° W-Lg eine nordwestliche Strömung angetroffen,
mit Ausnahme am 12. September in 20° N-Br und 53° 33' W-Lg, wo keine
Strom Versetzung stattgefunden hat.
3. Bemerkungen über die Ambrizette - Bucht. Westküste von
Afrika. („Hydrographische Nachricht“ No. 43/341. Pola 1889.) Die folgenden
Bemerkungen über Ambrizette*) sind einem Berichte des Kommandanten des
österreichisch-ungarischen Schiffes „Albatros“, Korv.-Kapt. Gustav von Pott,
entnommen:
Bei dem Mangel eines Detailplanes und der ungenauen Küstenkai’te mufs
das Anlaufen der Rhede von Ambrizette mit Vorsicht und unter häufigem Lothen
ausgeführt werden.
i) „Africa Pilot“, Part II, 1884, pag. 120.