Bemerkungen über die Känguruh-Insel. Süd-Australien.
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nach der Holdfast - Bucht des gegenüberliegenden Festlandes ein, und damit
wurde die Kolonie Süd-Australien gegründet.
Bis zum Jahre 1828, wo der Matrose George Bates sich mit einigen
Kameraden ansiedelte und noch heute im Alter von 88 Jahren dort lebt, war
die Insel von Weiften unbewohnt, und auch Eingeborene wurden nicht ange
troffen. Die Ansiedelung nahm nur langsam zu, bis im Jahre 1877 die süd-
australische Regierung eine Vermessung vornehmen lieft. Die Einwanderung
wuchs nun rascher, Land für Ackerbau und Viehzucht wurde zu hohen Preisen
angekauft und Farmen errichtet. Da der jährliche Regenfall 510 bis 585 mm
beträgt, so zweifelte man an der Ertragsfähigkeit des Bodens nicht weiter. Die
beiden ersten Jahre ergaben, nachdem man das Land vom Gestrüpp gesäubert
hatte, leidliche Ernten. Da gewann das sogenannte Schmalblatt (narrovv leaf),
eine schwer auszurottende und jedes andere Wachsthum zerstörende Wucher
pflanze, eine derartige Ausbreitung, dafs dadurch die Bauern in ihrem Ackerbau
zu Grunde gingen. Sie führen jetzt meist ein trauriges elendes Dasein.
Die einst zahlreichen Känguruhs sowie die vielen Emus sind in den
dre'fsiger Jahren gänzlich ausgestorben, wahrscheinlich infolge einer unter ihnen
ansgebrochenen Krankheit. Auch die Wallabies (halomatnrns) haben sich gegen
früher beträchtlich vermindert. Ihr werthvolles Fell wird gut bezahlt und ihr
Fleisch, dem Lammfleische im Geschmaeke ähnlich, gern gegessen. Das Klima
der Insel ist ein anerkannt vorzügliches, und kein Ort würde sieh zu einem
Sanatorium für Rekonvalescenten besser eignen. Die Luft ist rein, klar, frisch
und belebend, und auf die heifsesten Sommertage folgen immer kühle Nächte.
Die heifsen Nordwinde, welche während des Sommers eine grofte Plage auf
dem jenseitigen australischen Festlande sind, kommen hier mit einer um 4 bis
5° C. niedrigeren Temperatur an.
Der Boden ist an der Küste steinig, landeinwärts aber ein kalter, hungriger
Sandboden, mit Gestrüpp, dessen weitauslaufende Wurzeln die Ausrodung
schwierig machen, bewachsen. Mallee, das sind s trau eilige Eukalypten ver
schiedener Art, Mulga, das ist dorniges Akaziengestfüppe, die wilde Tabak
pflanze und vor Allem das schlimme Schmalblatt herrschen vor. Gutes, kultur
fähiges Land, wie am Oygnet-Flussf} und hier und da an der Küste, ist wenig
vorhanden und dann nur in schmalen Strichen. Versuche mit Weizen schlugen
fehl, dagegen erzielt man von Gerste — in fruchtbaren Jahren 20 bis 25 Büschel
vom Acre — gute Ernten. Viehzucht kann nur in sehr beschränkter Weise
betrieben werden, da es an Gras fehlt. Hier und dort w r erden einige Kühe
gehalten. In der Nähe der Vivonne-Bucht hat man Schafzucht versucht, aber
mit schlechtem Erfolge, wie denn überhaupt die Südküste nichts weniger als
einladend ist. Den Eiern der Hühner stellen die zahlreichen Iguanas gierig
nach. Im Ceutrum der Insel erhebt sich eine Hügelkette, deren Abhänge mit
Stringybark, Eucalyptus obliqua, bewachsen sind.
Gute Landungsplätze sind an der Nordküste Queenscliffe oder Kingscote,
Brownlow, Kingscote und Shoal Bai; an der Südküste nur die Vivonne-Bncht.
Am Kap WiUoughhy an der Ostküste und am Kap Borda an der NW-Küste
befinden sieh Leuchtthürme, sowie auch eine telegraphische Signalstation. In
der Nähe von Kap Borda liegen sehenswerthe Höhlen mit schönen Stalaktit
bildungen. Die Insel steht durch ein Kabel in telegraphischer Verbindung mit
dem Kontinente.
Der Hauptort der Insel ist das an der NW-Seite der iVepeaw-Bucht in
35° 42' S-Br und 137° 44' O-Lg hübsch gelegene Queenscliffe. Es hat eine
Mole, ein Post- und Telegraphen-Büreau, eine Polizeistation, zwei Gasthäuser,
zwei Läden, eine Schule, welche an Sonntagen als Kirche dient, und eine nicht
grofte Anzahl von Privatgebäuden. Andere Orte sind Kingscote, Brownlow und
Christmas Cove.
Am Cygnet, einem in der Winterzeit stattlichen Flusse, welcher 37.2 km
östlich von Queenscliffe in die Nepean-Bucht mündet, sind Sagemühlen angelegt,
die das nutzbare Holz des dort wachsenden Sugar-gum, einer Eukalyptenart, zu
Eisenbahnschwellen etc. verarbeiten. Auch an anderen Flüssen, wie am Stun-
sailboon, 24 km landeinwärts, am Rocky, unweit des Kap Borda, etc. findet sich
dieser werthvolle Baum. Am Mmmcan-Fiusse, welcher ebenfalls in die Nepean-
Bucht mündet, hat sich eine Fish Preserving-Gesellschaft etablirt.“