Bemerkungen über Aberdeen. Ostkiiste von Schottland.
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Ort. Die Haupteinfuhr besteht aus Getreide, Kohlen,, Flachs, Bauholz, Eisen
und Dünger; die Ausfuhr aus Granit, Leinwand, Wollenwaaren, Papier, Hafer,
Gerste, Vieh und Präserven.
Auf den verschiedenen Schiffswerften werden über 1000 Menschen be
schäftigt, und viele der besten Schiffe des ganzen Königreichs werden hier gebaut,
auch werden jede Art von Dampfmaschinen daselbst angefertigt und jede Art
von Reparaturen ausgeführt. Ferner sind mehrere Patentschlipps für Schiffe
von 400 bis 800 t Gröfse und ein Schlipp sogar für Schiffe von 1000 t Gröfse
vorhanden; auch befindet sich ein grofses Trockendock zu Aberdeen. Auf den
Kais befinden sich fünf Krähne für 31 Gewicht, ein Dampfkrahn für 3 t, ein
Krahn für 10 t und ein Dampfkrahn für 10 t Gewicht, und aufserdem noch ein
grofser dreifüfsiger Krahn für Maschinen bis zu 50 t Gewicht.
Am 31. Dezember 1885 gehörten 193 Segelschiffe mit 64 773 t und
91 Dampfer mit 44 128 t Gröfse hicrselbst zu Hause. Aufserdem gehören
85 Fischerfahrzeuge mit 244 Mann nach Aberdeen und 81 Fischerfahrzeuge mit
261 Mann nach dem der Stadt gegenüberliegenden Torry. Während der
Heringsfischerei sind 378 Boote mit 2457 Mann damit beschäftigt. Im Jahre
1885 betrug die Gesammtzahl der eingelaufeuen Schiffe, einschl. der Küsten
fahrzeuge, 2492 mit 662 597 t Raumgehalt und der Einfuhrzoll 183 050 Lstrl.
Im Jahre 1881 war die Einwohnerzahl 105189. Von den meisten fremden
Staaten sind in Aberdeen Vice-Konsulate errichtet.
Durch die Eisenbahn steht Aberdeen in Verbindung mit Edinburg, Glasgow,
Liverpool und London sowie mit Inverness und dem Norden von Schottland,
aufserdem ist Dampfschiffverbindung mit den Orkney- und S/tetZands-Inseln.
Der Hafen von Aberdeen ist der einzige Hafen zwischen dem Moray Firth und
Montrose und kann von Fischerfahrzeugen bei jedem Stande der Gezeit ange
laufen werden. Zwei gute Rettungsboote sind auf der mit Raketenapparat etc.
ausgerüsteten Rettungsstation vorhanden. Ferner hat Aberdeen vier Lootsen-
boote mit der Bezeichnung von No. 1 bis No. 4, jedes derselben hat eine Be
satzung von 6 Mann, von denen 4 officielle Lootsen sind. Das Lootsengeld
beträgt 5 sh. für Schiffe unter 50 t und steigt allmählich bis 3 Lstrl. für das
gröfste Schiff.
Es liegen sowohl bei Tag, wie bei der Nacht Schleppdampfer bereit, und
besteht das Signal für dieselben aus zwei senkrecht unter einander aufgeheifsten
Laternenfeuern. Die Taxe für einen Schleppdampfer beträgt 2‘/2 d. für die Tonne
bei beladenen Schiffen und 2 d. bei Schiffen in Ballast.
Gutes Trinkwasser *) kann man zu jeder Zeit für 1 sh. die Tonne erhalten,
ebenso findet man Proviant aller Art daselbst.
Das letzte Flufsende und die Mündung des Dee bilden den Hafen von
Aberdeen; derselbe ist durch eine Nordmole und einen südlichen Wellenbrecher
vollständig geschützt. Schon im Jahre 1607 begann man eine Südmole zu bauen,
aber man war bis zum Jahre 1775 nicht weit damit gekommen, als sich die
Nothwendigkeit einer Nordmole ergab. Dieses gröfse Bauwerk ist aus Bruch
steinen hergestellt, welches von Niedrigwasser aufwärts mit Quadersteinen belegt
ist. Die Mole erstreckt sich von der Küste im rechten Winkel ca 457 m in
der Richtung OzN, später ist dieselbe noch um 153 m nach See zu verlängert
worden; der Grundstein wurde am 5. September 1874 von Sr. Königl. Hoheit
dem Herzog von Edinburg gelegt.
Ungefähr 366 m S0 3 /<tO von dem äufseren Ende der Nordmole befindet
sich das äufsere Ende des südlichen Wellenbrechers, welcher, aus künstlichen
Steinen erbaut, sich von dem Südufer ca 275 m nach N0V*0 erstreckt. Unge
fähr 366 m innerhalb des Wellenbrechers ist am südlichen Ufer eine ca 91 m
lange Mole, das Ueberbleibsel des südlichen Wellenbrechers, welche mit den
an beiden Seiten entstandenen tiefen Stellen in dem schmälsten Theil des
Fahrwassers, gegenüber der Lootsenstation, dazu dient, den Strom bei auf
landigen Winden zu verringern.
Zahllose Veränderungen und Verbesserungen sind im Hafen von Aberdeen
in letzter Zeit gemacht worden; die gröfste Veränderung besteht in der Ab
lenkung des Stromes nach Süden und der Zurückdräugung in das alte Fahr-
!) „North Sea Pilot“, Part II, Seite 140.