Das Eis und die Strömungsverhältnisse des Beringmeeres etc.
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östlichen Winden entlang kreuzten, worauf drei Tage später die Passage zwischen
Indian point und der tit. Lorenz-Insel durchsegelt und in der darauf folgenden
Nacht bei allmählich südlich holendem Winde ein nördlicher Kurs der Bering-
stra/se entlang gesteuert wurde. Nachdem wir am 23. Juni infolge des Brechens
der Harpune einen Wal verloren hatten, lagen wir am folgenden Tage Nebels
halber in 65,5° N-Br und 170,7° W-Lg auf einer Wassertiefe von 20 Fad. am
nahen Küsteneiso vor Anker. Al3 der Nebel aufklarte, segelten wir in der
Nacht bei schönem Wetter einen östlichen Kurs längs der Südkante des Eises.
Beim Passiren vom Ostkap in der Nacht vom 25. zum 26. Juni und eben nörd
lich von diosem kamen wir durch schweres Treibeis.
Am Nachmittage des 27. Juni setzte der Stimm das Schiff in 67,0° N-Br
und 168,0° W-Lg bei Windstille und Nebel ziemlich rasch nach NO, was durch
das Werfen des Lothes erkannt wurde.
In 68,5° N-Br und 170,6° W-Lg kreuzten wir durch einen Streifen Treib
eis, auf welchem viele Walrosse lagen, und segelten dann bis zum 2. Juli bei
frischer südlicher Briese entlang einer festen, im Westen liegenden Eiskante, bis
wir auf 70,2° N-Br in 170,7° W-Lg das Ende einer tiefen Eisbucht erreichten,
aus der dann wieder herausgekreuzt werden mufstc.
Am 10. Juli sprachen wir die amerikanische Bark „Ontario“, welche
sich aus Furcht vor dem Kaperschiff der Südstaaten „Shenandoah“, das in der
Beringstrafse kurz zuvor eine grofse Anzahl amerikanischer Walfänger durch
Feuer zerstört hatte und jetzt im Polarmcere kreuzte, im westlichen Packeise
versteckt hielt.
Auf diesem Eise erbouteten wir eine ganz ansehnliche Zahl von Wal
rossen. Ich bemerke, dafs diese Beschäftigung nur als eine Gelegenheitsarbeit
betrachtet werden kann, welche ausschliefslich bei Windstille oder Nebel aus
geführt wurde. Zu allen anderen Zeiten wurde fleifsig umhergekreuzt und nach
Walen ausgespäht. Gelegentlich wurde die Einförmigkeit, in der wir lebten,
durch die Erlegung eines Eisbären, entweder indem ein solcher auf dem Eise
durch eine wohlgezieltc Kugel getödtet oder im Wasser schwimmend harpunirt
und gelanzt wurde, welch letztere Art stets eiue grofse Aufregung hervorrief.
Die am 27. Juli mit uns zusammentreffendo und von leg Cape herunter
kommende Brigg „Koliola“ berichtete, daselbst keino Wale gesehen zu haben.
Am 4. August kreuzten wir bei leichtem Ostwinde auf 71,2° N-Br und 174,3° W-Lg
in dem oberen Theile einer tiefen, sich westwärts erstreckenden Einbuchtung des
Packeises, welche nur zwischen den Peilungen mvv. NO und SO offen war, und
in der wir eine nordwestliche Strömung von */» Kn Fahrt beobachteten. Als
wir am 9. August 25 Sm östlich der in Sicht befindlichen Insel Herald standen,
konnten wir eine westliche Stromversetzung wahrnehmen.
Der halbe Ertrag eines Wals an Thran und Fischbein wurde hier an
Bord eines amerikanischen Schiffes gebracht, mit dem wir den Wal gemein
schaftlich erbeutet hatten. Es besteht die Gepflogenheit unter den Walfängern,
dafs, wenn ein Wal auftaucht, während zwei Schiffe sich gegenseitig einen Be
such erstatten, diese gemeinschaftliche Sache machen, um den Wal nicht durch
übereiltes Vorgehen der Boote zu verscheuchen.
Am 12. August, in 71,2° N-Br und 174,4° W-Lg, wurden wir durch die
Strömung bei schönem Wetter und Windstille mit einer Fahrt von 1 Kn in
nordnordöstlicher Richtung an der Kante des westlichen Eises entlang getrieben,
wobei ein Eisbär erlegt wurde.
In einem Abstande bis zu 10 Sm westlich von leg Cape, woselbst wir
uns in der letzten Woche des Monats August aufhielten und mehrere Wale
fingen, war das Meer eisfrei.
Nachdem am 2. Oktober ein auf 69,2° N-Br und 173,2° W-Lg erlegter,
aber leider gesunkener Wal infolge stürmischen Wetters und Schneetreibens bei
einbrechender Nacht aufgegeben werden mufste, wurde am folgenden Tage der
Beschluis gefafst, das Polarmeer zu verlassen.
Unter Ostkap stiefsen wir am 4. Oktober bei mäfsiger bis leichter nörd
licher Briese und schönem Wetter auf schwere Treibeismassen. Wir hielten
deshalb auf die Diomeden zu, woselbst eine eisfreie Passage vorhanden war.
Auch noch südlich vom Ostkap hatten wir unseren Weg zwischen leichten Eis
schollen zu suchen. Durch leichte Winde und Windstillen erlitt die Fahrt durch