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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Das Eis lind die Strömur.gsverhältnisse des Beringmeeres etc. 
Hakodate nach dem Norden fortgesetzt, wo unsere Hauptaufgabe der Jagd des 
Polarwals, des sogenannten Bowheads, galt. 
Unsere erste Reise im Jahre 1860 ging, mit Rücksicht auf die weit vor 
gerückte Jahreszeit, in der wir von Bremen in Honolulu anlangten, direkt nach 
dem Norden. Ende April wurde der letztgenannte Hafen verlassen und ein 
nordwestlicher Kurs gesteuert. — Wie schon gesagt, fehlen mir die genauen 
Daten dieser Reise. — An einem schönen klaren Morgen Mitte Mai sichteten 
wir die steile schneebedeckte Küste von Kamschatka in der Nähe des Peter 
Pa«Zs-Hafens, welche von einem Saume Landeis eingefafst war. Am folgenden 
Tage wurden bei trübem regnerischem Wetter die Inseln Copper und Bering 
passirt und dann die Fahrt auf nordöstlichem Kurse fortgesetzt. In der Nähe 
von Kap Olgaotorsky (Olutorskoi) wurde das erste Eis angetroffen. 
Der Eindruck, den ein Neuling beim Erblicken der Eismassen empfängt, 
ist ein gewaltiger. Die verschiedenen Formen, in denen das Eis von blendend 
weifser Farbe, die manchmal ins Bläuliche, Grünliche und Röthliche schillert, 
auftritt, können die Täuschung hervorrufen, als ob man eine ungeheuere Marmor 
werkstätte vor sich habe. 
Am selben Tage waren wir gegen Abend so unglücklich, bei einer Fahrt 
von etwa 5 Kn auf einen grofsen schweren und harten Eisblock zu stofsen, 
wodurch dem Schiffe im Bug ein Leck beigebracht wurde. In den nächsten 
Tagen versuchten wir, tiefer in den Pack einzudringen, bis wir uns südöstlich 
des Kaps Navarin von mächtigen Eisfoldern fest umschlossen sahen. An einem 
schönen hellen Morgen, bei leichter Briese und den ziemlich sicheren Anzeichen, 
dafs das Eis nicht so bald auseinander gehen würde, und als das Schiff fast so 
ruhig wie in einem Hafen lag, machten wir Anstalten, den Leck im Bug zu 
dichten. Zu diesem Zweck wurden zunächst, um denselben über Wasser zu 
bekommen, die beiden Buganker auf das Eis gefiert, die Ankerketten und eine 
Anzahl gefüllter Wasserfässer auf das Hinterdeck gestaut, wa3 denn auch den 
gewünschten Erfolg hatte. Nunmehr konnte die gebrochene eingedrückte Stelle 
durch ein angepafstes Stück Eichenholz mit einer Unterlage von getheertem 
Segeltuch und einem Beschlag von Kupfer und Plattloth gedichtet werden. In 
der Vorpiek stützten wir die gebrochenen Bugspanten gegen die Zwischendecks 
balken ab. Die so hergerichtete Reparatur erwies sich auf die Dauer als voll 
ständig ausreichend und genügte, ohne irgend welche Besorgnifs aufkommeu 
zu lassen, um die unternommene Fahrt nicht unterbrechen zu brauchen. Noch 
an demselben Abend war die Arbeit beendet und das Schiff wieder in seine 
gewöhnliche Lage gebracht. Der Pack hielt uns noch längere Zeit gefangen, 
und es kostete ziemliche Mühe, denselben zu durchbrechen. Am Kap Bering 
war das Packeis gegen Ende Mai etwa von der Küste abgesetzt. Hier hatten 
wir den ersten Besuch von Tsucksen an Bord, die in ihren grofsen Fellbooten 
vom Lande kamen und Thierfelle, namentlich die des weifsen Fuchses, gegen 
Tabak und Branntwein zum Tausch anboten. Da bald darauf Windstille eiutrat, 
so benutzten wir diese Gelegenheit, um uns von den dicken aus Rennthierfellen 
verfertigten Oberröcken der Eingeborenen zu verschaffen, die später bei der 
im Herbste zu erwartenden Kälte, besonders während des Ausgucks vom Mast- 
head nach Walen, gute Dienste leisten sollten. 
Die Küste bis zur Beringstrafse zeigte sich als ganz eisfrei, aber in den 
Buchten der letzteren hatte sich das Eis noch nicht gelöst; so in der St. Lorenz- 
Bai, woselbst ein dort überwinterndes deutsches Schiff unter hawaiischer Flagge 
noch vom Eise gefangen gehalten wurde. An der Ostseite der Strafse bei 
Kings Island trafen wir ungeheuere Mengen von Treibholz an, grofse Fichten 
bäume, die aus dem Norton Sund herausgetrieben waren. Während das Schiff 
vor Anker lag, trieb so viel Holz nordwärts durch die Strömung an demselben 
vorbei, dafs es uns möglich war, in einigen Stunden ein solches Quantum davon 
an Bord zu nehmen, um unseren ganzen Bedarf an Feuerholz, welcher für einen 
Waler nicht gering ist, damit decken zu können. Die Strömung setzte mit einer 
bedeutenden Geschwindigkeit durch die Strafse nordwärts. In der folgenden 
Nacht trieb das Schiff gegen einen frischen Nordwind, bei dem nur wenige 
Segel geführt und sogar manchmal backgelegt wurde, durch die Enge der Strafse 
hindurch, etwa 30 Sm nach Norden. Nördlich der Diomeden hatte sich das in 
hohen Flöfsen über einander geschichtete Treibholz in solchen Massen an
	        
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