396 Hydrographische Beobachtungen a. d. Reise v. Hongkong n. Hoiliow u. Singapore.
WzS. Die Navigirung durch den Süd-Kanal sowie die innere Passage bot bei
dem klaren sichtigen Wetter und dem geringen Strom keinerlei Schwierigkeiten,
da der Schiffsort durch die auf der Karte angegebenen, sich gut markirenden
und richtig liegenden Peilobjekte jederzeit sich festlegen liefs. — Nach Angabe
des von Hongkong mitgenommenen Lootsen empfiehlt es sich, wie auch die
„China Sea Directory“, Vol. II, pag. 524, angiebt, stets die Nord-Taya-Insel
anzusteuern und nicht Mofou Point, weil man beim Austeuern des letzteren
Punktes durch die häufig sehr stark laufenden Strömungen leicht auf die Süd-
Bänke im Eingänge der Hafwan-Strafse versetzt werden kann.
Auf Hot'Aow-Rhede wurde in den Peilungen Atettc/tw-Pagode SOV2O und
Mandarin- Kap WSW 3 /iW in 12 m Wasser, Grund schwarzer Schlick, geankert.
Während des Aufenthaltes S. M. S. „Sophie“, in Hoihow erwies sich der
gewählte Ankerplatz als ein guter. Auf der Hoihow-Rhede wechselten leichte
nordwest- bis südwestliche Winde mit länger anhaltenden Stillen. Das Wetter
war meist heiter, aber sehr warm. In den Nachmittagsstunden, zwischen l h
und 3 h , stieg die Temperatur bis zu 34° C. im Schatten. Jeden Nachmittag
gegen 4 h bildeten sich über Hainan starke Gewitter, jedoch nur an einem Tage
zog ein solches über die Rhede. Dasselbe setzte mit einer Regenböe aus SE,
Stärke 5, ein und hielt ungefähr eine halbe Stunde an.
Die Beobachtung der Gezeitenströmung während drei Tagen ergab, dafs
die Fluth täglich 8 Stunden aus SW, die Ebbe täglich 16 Stunden aus SE über
Ost bis NE setzte. Die gröfsto beobachtete Stromgeschwindigkeit betrug bei
beiden Gezeiten 1,5 Sm p. h, der gröfste Fluthunterschied 3,0 m, der ge
ringste 2,0 m.
Auf der Reise von Hoihow nach Singapore wurden bis zu 6° N-Br vor
wiegend leichte Süd- und südöstliche Winde angetroffen, begleitet von einzelnen
Regenböen, sonst aber heiterem Wetter. Südlich von 6° N-Br bis zur Singapore-
Strafse setzten leichte südwestliche Winde ein. Das Wetter wurde bewölkt
und Regenböen mit schwachem Wind und starkem Regen häufiger. Am 12. Juni
Mittags setzte Regen ein, welcher bis zum Morgen des 13. Juni anhielt.
Bemerkungen über den Kanton-Flufs. Südküste von China.
Nach einem Berichte des Kommandanten von S. M. Knbt. „Iltis“, Korv.-
Kapt. Ascher, ist die Kursangabe im „China Sea Directory“ Part III, 1884,
Seite 112, betreffs des Western Channel‘) bei der zweiten Barre im Kanton-
Flusse nicht mehr zu benutzen, da solche auf Grund führen würde. Es mufs
auf Seite 112 auf der 14. Zeile von oben heifsen: „The west point of Tiger
island a little open from Grassy Tongue“.
Auf ungefähr 23° 1' 10" N-Br liegt zwischen der Spitze Barlow und
Sai Sheklung in der Peilung „Second Bar Pagoda und Ostecke des dabei be
findlichen Forts in Linie“ eine 1,8 m-Stelle, wo auf der Br. Adm.-Karte 1742
(XI: 18) 3,7 bis 5,2 m Tiefe angegeben sind. Auf dieser Stelle lief im ver
gangenen Jahre das englische Kanonenboot „Cockchafer“ auf. Auf der be
treffenden Karte ist die Lage der Pagode zum Fort ungenau angegeben.
Ferner steht gegenüber der Mündung des Escape Creek auf ungefähr
23° 1,5' N-Br dicht am rechten Ufer eine ungefähr 6 m hohe, weifs und roth
schräg gestreifte hölzerne pyramidenförmige Bake.
Die Spitze Matheson, Ostspitze der Insel Danes, ist nach Süden zu mit
dem gegenüberliegenden Lande durch eine aufserordontlich lange Brücke ver
bunden, so dafs hierdurch eine zweite Sperre der Blendheim Passage, ungefähr
2 Sm westlich von der von Flat Island N0. 3 ausgehenden, bewirkt wird.
Zwischen dieser Brücke und der erwähnten Sperre ist eine neue Sperre
in Aussicht genommen, deren Herstellung ungefähr 2 Jahre dauern wird. Die
selbe wird aus schmiedeeisernen, bis zu 21 m langen und aus vier zusammen-
!) „China Sea Directory“, Part III, 1884, Seite 112.