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Ueber Strömungen in den chinesischen Gewässern.
zwischen diesen und der Küste am stärksten ist und nördlich der Pescadores
in einer Breite von nur ca 20 Sm, ungefähr mit 10 bis 20 Sm Geschwindigkeit
pro Tag nach Norden setzt, und den von Amoy oder Swatau im Nordost-
Monsun nach Norden kreuzenden Schiffen, die nicht östlich von Formosa gehen
wollen, sehr förderlich ist.
Der während des Südwest-Monsuns herrschende Nordost-Strom ist nicht
so beständig wie der eben besprochene Südwest-Strom. Er fängt südlich von
Pulo Condore bereits im Mai an und fiiefst vom Juni an schon durch das ganze
chinesische Meer und durch den .Formosa-Kanal, sich parallel den Küsten hin
ziehend, ENE an der Saigon-, Nord bis NNE an der Ost-Küste von Gochinchina;
zwischen Hainan und den Paracels, sowie zwischen letzteren und Hongkong ist
er den gröfsten Unregelmäfsigkeiten unterworfen. An der Süd-Küste von China
läuft er nach ENE, und von der Shimfaw-Gegend durch die FVmosa-Strafse
nach NNE, von Futschau schweift er jedoch öfters nach ENE ab, ist überhaupt
hier unregelmäfsig, und hört zuweilen ganz auf. Auch im offenen Meere ist er
oft sehr schwach oder fehlt bei anhaltenden Windstillen gänzlich oder nimmt
verschiedene Richtungen an, so dafs man in der Nähe von Untiefen sehr vor
sichtig sein mufs. Wenn nach stattgefundener Windstille ein steifer Südwest-
Monsun einsetzt, kehrt jedoch der Strom mit doppelter Geschwindigkeit zurück;
so kommt es nicht selten vor, dafs, nachdem man mehrere Tage lang bei
schönem Wetter keinen Strom wahrgenommen, sich plötzlich bei demselben
schönen Wetter und leichter Briese ein Strom von 30 Sm Geschwindigkeit pro
Tag einstellt; man kann dann aber sicher auf das baldige Einsetzen des Monsuns
rechnen.
Beim Kap Padaran bildet sich ein ähnlicher Wirbel, wie im Nordost-
Monsun, welcher in umgekehrter Richtung von NNE über Ost und Süd einen
Kreislauf beschreibt, während im Süden dieses Wirbels ein gewöhnlich strom
freier oder durch schwachen westlichen Strom sich auszeichnender Raum liegt.
Tägliche Periode der Windgeschwindigkeit an der deutschen Küste.
Herr Dr. van Bebber weist in einer, im Heft XXV, Seite 132 ff. der
„Leopoldina“ erschienenen Abhandlung nach, dafs auch im deutschen Küsten
gebiete eine tägliche Periode der Windgeschwindigkeit existirt. Als Material
hierzu benutzt er die stündlichen Aufzeichnungen der Anemometer in Keitum
auf Sylt, Hamburg und Swinemünde und zwar für den achtjährigen Zeitraum
1878 bis inkl. 1885, welche in den Jahi’gängen 1878 bis 1885 der „Meteorolo
gischen Beobachtungen für Deutschland“ veröffentlicht sind. Ueber die Auf
stellung der Anemometer bemerkt er Folgendes:
In Keitum, welches auf der Ostseite der Insel Sylt liegt, ist der Ane
mograph in der Mitte des Dachfirstes eines einstöckigen Hauses hinreichend
frei aufgestellt, das Schalenkreuz ist 1,9 m über dem Dache und 8,87 m über
dem Erdboden. Das Anemometer in Hamburg befand sich bis Anfang No
vember 1883 auf dem Seemannshause, das Schalenkreuz war 2,45 m über der
oberen Fläche eines kleinen Thurmes, 8,88 m über der Dachfläche und 26 m
über dem Erdboden. Seit November 1883 ist das Anemometer auf dem West-
thurme der Seewarte angebracht; das Schalenkreuz befindet sich 5,5 m über
dem Fufsbodeu der Plattform und 28 m über dem Erdboden. In Swinemünde
befindet sich das Anemometer auf dem Thurme des Schiffahrtamts-Gebäudes,
1,4 m über der Galerie des Thurmes, 2,2 m über dem Dache und 24,2 m über
dem Erdboden.
In der folgenden Tabelle sind die mittleren stündlichen Wind
geschwindigkeiten für die einzelnen Jahreszeiten und Jahre in Metern pro Stunde
in der Weise zusammengestellt, dafs die Angaben sich auf die vorhergehende
Stunde beziehen.