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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Bestimmung des specifischen Gewichts des Seewassers an Bord. 
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welche das Aräometer alsdann bei seinen Schwankungen nach einander ein- 
nimint, abzulesen und das Mittel daraus als Stand zu betrachten. Doch ist das 
meist nicht mit genügender Sicherheit möglich, also nicht zu empfehlen. Man 
hat allerlei Vorrichtungen vorgeschlagen, um auch bei stärkeren Schiffabewegungen 
noch zu beobachten. J. Y. Buchanan, der Physiker der Challenger-Expedition, 
hing an drei otwa 1 in langen Schnüren ein rundes Brett als eine Art Schlinger- 
tisch auf, setzte das Cylinderglas mit Aräometer mitten auf dieses Tischchen 
und las nun ab. Er versichert, so die Wirkungen des Rollens elimiuirt zu 
haben. Nach meinen Erfahrungen auf der Plankton-Expedition im Sommer 1889 
ist dieses Schlingerbrett keineswegs so praktisch; es macht durch seine lange 
Aufhängung die wildesten Pendelschwingungen, bei denen mir wenigstens keine 
Ablesung möglich war. Am ehesten würde vielleicht noch eine kardanische 
Aufhängung des Cylinderglases, wie sie bei den Marine-Barometern mit bestem 
Erfolge üblich ist, also nur wenig über dem Schwerpunkt des gefüllten Mefs- 
glases, zum Ziele führen. Die störenden Einwirkungen des Stampfens sind aber 
auch so keincnfalls zu beseitigen. Ich verzichtete bei merklich unruhiger See 
lieber auf die sofortige Untersuchung der Proben und hatte selten länger als 
zwei Tage zu warten, bis die Schiffsbewegungen sich wieder günstiger gestalteten. 
An solchen Tagen wurde nämlich das zu untersuchende Wasser unmittelbar 
aus der Pütze in gläserne Standflaschen von 1 Liter Inhalt geschöpft und mit 
eingeschliffenem Glasstöpsel verschlossen aufbewahrt. Solche Flaschen wird mau 
in gröfseren Glashandlungen, oder in Apotheken auch im Auslande, ergänzen 
können, und drei bis vier davon genügen. Auch hier kommt alles auf Sauber 
keit an. Am besten giefst man das im Mefsglase untersuchte Seewasser wieder 
in die Flasche zurück und läfst sie so gefüllt verschlossen stehen, um sie erst 
dann zu entleeren, wenn man eine neue Probe dafür hineinfüllen will. Zu 
anderen Zwecken als zu diesen dürfen sie selbstverständlich nicht benutzt 
werden. 
Aräometerbeobachtungen, bei denen gegen diese peinlichen Vorschriften 
der Sauberkeit gefehlt ist, werden gewöhnlich unbrauchbar; meist dadurch, dafs 
bei der A 7 erdunstung des Seewassers am Glase des mangelhaft gereinigten 
Cylinders oder Aräometers oder Thermometers oder auch in der Standfläche 
sich Salzkrystalle abscheideD, welche dann den Salzgehalt der zu untersuchenden 
Seewasserprobe fälschlich erhöhen. Nächstdem aber kommt es auf die genaue 
Bestimmung der Temperatur des Wassers während der Messung mit dem 
Aräometer an. Daher die doppelte Ablesung des Thermometers am Beginn 
und am Ende der Untersuchung: das Mittel aus beiden Angaben ist dann als 
die Temperatur des untersuchten Wassers anzusehen. 
Denn wie oben bemerkt, ist das specifische Gewicht des Seewassers nicht 
vom Salzgehalt allein abhängig, sondern auch von der Temperatur. Diese Ein 
wirkung der Wärme ist sehr erheblich und bei der grofsen Empfindlichkeit der 
Glasaräometer leicht zu konstatiren. Im Passat geschöpftes und in einer Stand 
flasche bis zu Ende der Reise aufgehobenes Seewasser hatte zuerst bei 27.5° 
eine Ablesung von 1.025-7 am Aräometer ergeben. In kälteren Breiten er 
gab sich 
bei 22.5° der Stand zu 1.027-05, 
» 17.5° „ „ „ 1.028-25, 
. 7.5° „ „ „ 1.029-90. 
Die Temperatur beeinflufst also sehr erheblich schon die dritte Deeimale, und 
besonders steigert sich diese Wirkung bei den höheren tropischen Wärmegraden. 
Hier genügt schon eine Zunahme der Temperatur um 0.3°, um den Aräometer 
stand um eine Einheit der vierten Deeimale zu erniedrigen. Also ist im Be 
reiche tropischer Temperaturen das Thermometer mit besonderer Sorgfalt ab 
zulesen. — 
Es ist nun nicht zu leugnen, dafs nach alledem die Anforderungen, welche 
an das Beobachten mit dem Aräometer gestellt werden müssen, ein wenig das 
jenige Mafs überschreiten, welches sonst von den seemännischen Beobachtern 
an Bord bei Führung des meteorologischen Journals verlangt wird. Aber ebenso 
sicher ist, dafs die Hauptsache: Sauberhaltung aller Instrumente und sorgfältige
	        
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