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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Ueber  Strömungen  in  den  chinesischen  Gewässern.

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Ueber  Strömungen  in  den  chinesischen  Gewässern.
Nach  Aufzeichnungen  des  Kapt.  P.  A.  Polack  zusammengestellt. 1 )
Die  beiden  durch  die  herrschenden  Monsune  erzeugten  Hauptströmungen
der  chinesischen  Gewässer,  ein  Südwest-Strom  während  des  Nordost-Monsuns,
und  ein  Nordost-Strom  während  des  Südwest-Monsuns,  sind  in  Richtung  und
Stärke  in  erster  Reihe  natürlich  von  diesen  Winden  abhängig,  werden  jedoch
durch  den  Verlauf  der  Küste,  durch  Inseln  und  Untiefen  vielfach  nicht  unbedeutend ­
  beeinflufst.
So  läuft  der  Südwest-Strom  während  des  Nordost-Monsuns  an  der  chinesischen ­
  Küste  entlang,  setzt  von  Swatau  durch  das  ganze  chinesische  Meer
bis  Pulo  Sapata  und  den  Natunas  mit  ungefähr  südwestlichem  Kurs,  während
er  an  der  Südküste  von  China  nach  WSW,  an  der  Ostküste  von  Cochinchina
nach  Süd  und  SSW  und  von  Kap  Padaran  an  der  Saf^ow-Küste  entlang  bis
Pulo  Obi  w’ieder  nach  WSW  fliefst,  um  sich  dann  quer  über  den  Golf  von  Siam
zu  wenden,  während  der  innere  Theil  des  Golfes  von  diesem  Strome  ziemlich
unberührt  bleibt.  An  den  Paracels  wird  der  Strom  gebrochen,  fliefst  zum  Theil
zwischen  denselben  hindurch,  prallt  zum  Theil  zurück,  und  bildet  einen  förmlichen ­
  Wirbelstrom  um  dieselben.
Bin  ähnlicher  aber  ausgebildeterer  und  gröfserer  Wirbelstrom  entsteht
bei  dem  Kap  Padaran,  wo  ein  Theil  der  anprallenden  Wassermassen  nach
Süden  abgelenkt  wird,  die  eingeleitete  Drehung  fortsetzt  und  einen  vollständigen
Kreislauf  beschreibt.
Dieser  Stromwirbel  hat  in  der  Richtung  nach  Süden  ungefähr  einen
Durchmesser  von  180  Sm.  Er  läuft  bis  ca  8°  N-Br  und  109°  20'  O-Lg  nach
Süd  und  SSE,  kurvt  dann  nach  Osten  zwischen  7  bis  8°  N-Br  und  109°  20'
und  110°  O-Lg,  nimmt  darauf  allmählich  eine  nordöstliche  Richtung  bis  9°  N-Br
und  110°  40'O-Lg  an,  wird  NNE  und  in  10°  30'N-Br  und  111°  20'O-Lg  NNW.
Die  Geschwindigkeit  dieses  Stromes  beträgt  in  seinem  ENE-  und  NElichem
Laufe  20  bis  50  Sm  per  Tag,  je  nachdem  der  originale  Strom  flau  oder  stark
ist,  und  je  nachdem  man  sich  an  der  inneren  oder  äufseren  Seite  befindet;  beim
Umbiegen  nach  Nord  und  NW  nimmt  die  Geschwindigkeit  ab  und  beträgt  an
der  äufseren  Seite  nur  noch  ca  15  Sm  pro  Tag.  Bei  schwachem  Nordost-Monsun
  hört  auch  dieser  Gegenstrom  oft  ganz  auf  oder  läuft  in  so  verschiedenen
Richtungen,  dafs  er  seine  Wirbelform  ganz  verliert.
Der  Haupttheil  des  ursprünglichen  Stromes  geht  jedoch  von  Kap  Padaran
an  der  Küste  entlang  weiter  nach  Pulo  Obi,  sodann  in  mehr  südlicher  Richtung
hinüber  nach  Singapore,  den  Natunas  und  an  die  Küste  von  Borneo,  wo  er
abermals  eine  Unterbrechung  erleidet,  infolge  deren  sich  eine  rücklaufende
Bewegung  und  ein  schwacher  an  der  Küste  von  Borneo  nach  ENE  setzender
Strom  zeigen.  Derselbe  zieht  sich,  vielleicht  verstärkt  von  einem  Theil  des
Padara»  -  Wi  r  bels  t  r  om  es  in  nordöstlicher  Richtung  bei  Palawan  vorbei,  in  NNEund
  Nord-Richtung  mit  15  bis  25  Sm  Geschwindigkeit  pro  Tag  an  der  Westküste ­
  von  Luzon  entlang,  bis  er  nördlich  dieser  Insel  mit  dem  hier  von  Osten
einsetzenden  Strom  sich  nach  Nordwesten  wendet  und  wieder  in  den  ursprünglichen ­
  Südwest-Strom  einbiegt,  um  den  Kreislauf  von  Neuem  zu  beginnen.
Der  erwähnte  zwischen  Luzon  und  Formosa  von  Osten  einsetzende  Strom
ist  ein  Zweig  des  grofsen  Aequatorialstromes,  welcher  sich  nördlich  wendend
an  der  Ostseite  der  Philippinen  und  von  Fo't'mosa  entlang  und  weiter  als  japanischer ­
  Strom  oder  Kurosiwo  nach  Japan  fliefst,  und  sich  durch  seine  hohe
Wassertemperatur  auszeichnet.
Durch  die  Strafse  von  Formosa  setzt  dagegen  der  kalte  Monsun-Strom
in  südwestlicher  Richtung  und  erreicht  hier  oft  eine  Geschwindigkeit  von  60  Sm
pro  Tag.  An  der  Westküste  von  Formosa  äufsert  sich  jedoch  oft  ein  Gegenstrom ­
  nach  Nord  oder  NNE,  welcher  südlich  von  den  Pescadores  beginnt,
!)  Siehe  Annalen  1889,  Seite  332.
Ann.  d.  Hydr.  etc.,  1890,  Heft  I.

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