1
Ann. d. Hydr. etc., XV11I. Jalirg. (1890), Heft X.
381
Ueber die Bestimmung des specifischen Gewichts des Seewassers
an Bord.
Von Prof. Dr. 0. Krümmel in Kid.
(Hierau Tafel 15.)
Um den Salzgehalt und die davon abhängige verschiedene Dichtigkeit des
Seewassers zu bestimmen, sind mehrere Verfahren in Gebrauch. Das sicherste,
das Ab wägen eines bestimmten Volums Seewasser (in einem sogenannten
Pyknometer) ist naturgemäfs an Bord ausgeschlossen, da eine Waage auf dem
schwankenden Schiff nicht bedient werden kann. Soll die Untersuchung im
Laboratorium geschehen, so mufs das dazu bestimmte Seewasser in gut gereinigten,
mit eingeschliffenem Glasstöpsel verschlossenen Standflaschen oder in zuge-
sehmolzenen Glasröhren aufbewahrt werden, eine Anforderung, der an Bord
nur unter besonderen Umständen genügt werden kann. So sind von der Gazelle-
Expedition seinerzeit mehrere Hundert Flaschen zur nachträglichen Bestimmung
des specifischen Gewichts und Salzgehalts an Herrn Prof. Karsten nach Kiel
eingeliefert worden. Eine Bestimmung dieses specifischen Gewichts am frisch
geschöpften Seewasser an Bord selbst aber ist aus mancherlei Gründen sehr
erwünscht, und sind zu diesem Ende dreierlei Methoden üblich geworden, deren
jede ihre A 7 orzüge und Nachtheile hat: die Messung mit dem Aräometer, die
Bestimmung des Chlorgehalts des Seewassers und daraus des gesummten Salz
gehalts durch Titrirung, und endlich die Bestimmung des Lichtbrechungs
vermögens des Seewassers, welches sich mit Aenderung des Salzgehalts eben
falls ändert.
Am einfachsten und gebräuchlichsten ist die Benutzung des Aräometers,
weshalb diese hier vornehmlich besprochen werden, die Darstellung der anderen
Methoden aber späterer Gelegenheit Vorbehalten bleiben mag.
Schon in den Händen des Archimedes befand sich ein wahrscheinlich
von ihm erfundenes Instrument, welches wir heute ein Aräometer nennen
wüi’den; ganz sicher aber haben wir eine Beschreibung *) desselben aus dem
Anfänge der römischen Kaiserzeit, wo es auscheinend zur Bestimmung der
Dichte von flüssigen Arzneien in Gebrauch war. In den deutschen Salinen am
Ende des 16. Jahrhunderts war eine hölzerne Spindel mit unten angesetztem
Bleigewicht und oben angebrachtem eingetheilten Stift ganz allgemein bekannt
(Soolwage, -spindel). Dafs dieses Instrument nicht nur alt, sondern von viel
seitiger Verwendbarkeit ist, beweisen die Namen: Soolspindel, Bierwage, Milch
prüfer, Alkoholometer. Der Name Aräometer, unter dem es in den chemischen
Laboratorien bekannt ist, bedeutet „Dünnemesser“ (griech. ageaog ~ dünn),
in England und Frankreich heifst es auch Densimeter oder Volumeter.
Das diesem ehrwürdigen Instrument zu Grunde liegende physikalische
Princip ist einfach: jeder im Wasser schwimmende Körper taucht soweit ein,
dafs das verdrängte Wasservolum seinem Gewichte genau gleich ist. Ist nun
*) Von Rhemnius Fannius Palaemon in dem Gedichte de ponderibus et mensuris, das den
ersten Drucken des medicinischen Werkes des Celsus angefügt zu sein pflegt; daselbst wird das
Instrument von den Herausgebern mit dem griechischen ß«(>vlXiov identificirt. Palaemon lebte zur
Zeit des Kaisers Tiberius. Vgl. über die Erfindung durch Archimedes: Salverte in Annales de
ckimie, tome ‘27, Paris 1795, p. 113.