Bestimmung der erdmagnetischen Elemente im nordwestlichen Deutschland. 369
Abnahme der Konstanten, die jedoch Anfangs einige nicht unerhebliche Unregel-
mäfsigkeiten zeigte, denen kaum Realität zuzuschreiben ist. Zur Ausgleichung
wurden die neun Werthe in drei Gruppen getheilt, deren jede die in Zeit nahe
liegenden Werthe zum Mittel vereinigte. Man ei'hielt:
August 19 log C It = 9,09291
September 7 „ = 9,09205
Oktober 11 „ = 9,09170.
Diese Gröfsen, welche die auch sehr wahrscheinliche anfänglich starke,
nachher immer schwächere Abnahme zeigen, wurden benutzt, um die Werthe
für alle Beobachtungstage abzuleiten, indem eine parabolische Kurve durch die
graphisch aufgetragenen Punkte gelegt wurde.
IV. Bemerkungen über die Genauigkeit der Reisebeohacktnngen sowie über
die Wahl der Instrumente.
Für die Deklinationsbestimmungen ist die Ermittelung des magne
tischen, wie des astronomischen Meridians in Betracht zu ziehen. Wird für
erstere eine Nadel auf der Pinne benutzt und dieselbe mittelst Spiegel und
Fernrohr eingestellt, so haben Untersuchungen von Schmidt („Zeitschrift für
Vermessungswesen“, 1889, Band XVIII, Seite 193—209) gezeigt, dafs die mit
gehöriger Vorsicht und bei Verwendung des besten Materials geschehene Ein
stellung nur mit einem wahrscheinlichen Fehler von ±0,3' behaftet ist. Beob
achtungen im Freien dürften etwas geringere Genauigkeit haben. Wesentlich
ist es, dafs, während der Magnet zur Ruhe kommt und eingestellt wird, ganz
leichte Erschütterungeu hervorgerufen werden (Kratzen mit dem Fingernagel
an der Klemmschraube), die man allmählich aufhören läfst. Dies ist deshalb
nöthig, da die Nadel infolge der Reibung des Hütchens auf der Pinne um einen
kleinen Betrag (Reibungswinkel) aus dem Meridian entfernt bleiben wird; durch
die Erschütterungen wird dieser Einflufs der Reibung wesentlich vermindert
und die Nadel in den Meridian geführt. Die Reisebeobachtuugen ergaben im
Mittel einen wahrscheinlichen Fehler von ±0,2' oder ±0,3'. Eine gröfsere
Sicherheit ist bei Verwendung von Variationsbeobachtungen einer entfernten
Station wohl nicht zu erwarten, bei Beobachtungen im Freien von gleich kurzer
Dauer dürfte sie wohl selten übertroffen worden sein.
Die Ermittelung des astronomischen Meridians war auf zweifache Weise
vorgesehen, entweder durch Anvisiron terrestrischer Objekte und Berechnung
aus deren Koordinaten, oder durch Sonnenbeobachtungen. Die erstere Methode
bietet keine anderen Schwierigkeiten, als die, geeignete Objekte ausfindig zu
machen, deren Koordinaten bereits bekannt sind; dieses ist jedoch nicht so
leicht für einen Beobachter, der sich in unbekannten Gegenden befindet und
keine Gelegenheit gehabt hat, vor der Reise kartographische Studien hin
sichtlich der Lage der in Frage kommenden trigonometrischen Punkte etc. zu
machen.
Die Bestimmung des astronomischen Meridians durch Sonnenbeobachtungen
macht den Beobachter bei genügender instrumenteller Ausrüstung vollkommen
unabhängig; bei ungünstiger Witterung bleibt immer die Möglichkeit offen, mit
Hülfe der Katasterbeamten trigonometrische Punkte ausfindig zu machen oder
etwa eine nachträgliche Ermittelung des Azimuths der eingestellten Objekte —
durch Festlegung des Beobachtungspunktes — zu ermöglichen.
Bei Sonnenbeobachtungen ist nur die Einstellung einiger sicherer Objekte
zur Ermittelung der Position auf der Karte nothwendig; nur bei ungünstig sich
gestaltender Witterung würden die Einstellungen zu vermehren sein.
Von Wichtigkeit ist ferner die Genauigkeit der Zeitbestimmung. Bedient
man sich zweier oder gar dreier guter Taschenuhren, deren Stände gelegentlich
durch Zeitbestimmungen oder durch Vergleiche an Sternwarten, sonst durch
Uebertragung bestimmt worden, so kann man keine gröfseren Fehler als l s be
gehen, was im Azimuth in unseren Breiten ungünstigen Falls 0,5' ausmachen
würde. Der wahrscheinliche Fehler der für die Stationen mitgetheilten Werthe
der Deklination dürfte keinesfalls den Betrag von ± 1,0' erreichen, sondern im
Mittel etwa nur ±0,5' betragen.
Ami. d. Hydr. etc., 1890, Heft IX.
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