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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Strömungen, Temperaturen etc. des Oberflächenwassers im Golf von Aden. 
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Geschwindigkeiten sowohl der östlichen als auch der westlichen Strömungen 
sind sehr verschieden. In der Mitte des Golfs wurden die gröfsten Geschwindig 
keiten beobachtet. Die Temperaturen des Oberflächenwassers sind mit Aus 
nahme der bei der Südspitze von Arabien, westlich von Aden, beobachteten im 
Allgemeinen ziemlich hoch. Zuweilen wurden jedoch auch in der Mitte des 
Golfs niedrige Temperaturen beobachtet. Gewöhnlich wurde das specifische 
Gewicht des Seewassers um so gröfser gefunden, je höher die Temperatur 
desselben war. In der Nähe der Südküste Arabiens wurde oft eine dunkelgrüne 
oder hellgrüne Farbe des Wassers und gleichzeitig der Korallengeruch bemerkt. 
In der Nähe des Kanals und der kleinen Inseln kommen zuweilen noch 
westliche Strömungen vor, doch ist die vorherrschende Richtung derselben eine 
nordöstliche. Es gelangt daher auch an der Oberfläche nur wenig kaltes 
Wasser von der Ostküste Afrikas in den Golf. Nördlich und östlich von 
Sokotra wurden ziemlich starke nordöstliche Strömungen angetroffen, deren 
Wasser von niedriger Temperatur und kleinem specifischen Gewicht erkennen 
läfst, dafs es von der Ostküste Afrikas dorthin gelangte. An letzterer Küste 
ist die Richtung des Stroms eine nordöstliche. Zwischen Bas Hafún und Kap 
Guardafui wurden jedoch auch nordwestliche Strömungen beobachtet. Diese 
Strömungen haben eine grofse Geschwindigkeit, welche im Allgemeinen mit der 
Entfernung von der Küste zunimmt. 
Aus den Teinperaturverhältnissen läfst sich ein Stromwirbel nachweisen. 
An den verschiedenen Stromrichtungen, welche in den aneinander grenzenden 
Feldern der Karte eiugezeichnet sind, kann man fernerhin bemerken, dafs dieser 
Stromwirbel seine Position verändert. Zwei Ursachen seines - Entstehens sind 
unveränderlicher Natur, nämlich das Ansteigen des Meeresgrundes in dem 
Winkel zwischen der NO-Küste Afrikas und den östlich von derselben liegenden 
Inseln, und die Verschiedenheit der Breiten, welche die Kaltwasser-Strömungen 
an der Ostküste von Afrika durchlaufen. Die dritte Ursache ist eine veränder 
liche, nämlich die Einwirkung der mit wechselnder Kraft aus SW und NO 
wehenden Monsune. Die Angaben, betreffend die Farbe des Meeres und die 
Aufzeichnungen der Temperaturen und specifischen Gewichte in den südöstlichen 
Feldern der Karten lassen deutlich erkennen, dafs der Stromwirbel seine 
Position fortwährend ändert. Die in diese Felder eingeschriebenen mittleren 
specifischen Gewichte sind zwar unter einander sehr verschieden, aber es läfst 
sich au3 ihnen nachweisen, wo kalte und warme Strömungen auftreton, weil in 
ersteren das specifische Gewicht gewöhnlich relativ sehr klein ist. 
Stromkabbelungen wurden sehr oft in der Strafse von Bab-el-Mandeb und 
nördlich von Kap Guardafui bemerkt und waren meistens von dem öfters 
erwähnten Korallengeruch begleitet. Auch südöstlich von Ras Hafún wurden 
Stromkabbelungen sowie grünliche Färbung der See wahrgenommen. Bei Kap 
Guardafui wurden plötzliche Aenderungen der Temperatur des Oberflächen 
wassers beobachtet. Die Farbe des kalten Wassers war dunkelgrün und die 
des warmen dunkelblau. Im August sind die mittleren Werthe der Temperatur 
und des specifischen Gewichts sowie die Strömungen fast dieselben wie im 
Monat Juli. Eine Ausnahme hinsichtlich der Temperatur findet jedoch im 
nordwestlichen Theil des Golfs und nördlich vom Kap Guardafui sowie in der 
Nähe der Ostküste von Afrika statt. In dem ersteren Gewässer ist die 
Temperatur etwas niedriger und im letzteren etwas höher als im Juli. 
Nach der Karte für August scheint die Position des Stromwirbels nord 
westlich von der im Juli innegehabten zu liegen. In der Nähe der Einfahrt zum 
Rothen Meer sowie bei der SW-Küsto von Arabien wurden sehr oft Strom 
kabbelungen, häufig mit gleichzeitiger grüner Farbe des Meeres und Korallen 
geruch, beobachtet, ebenso östlich von 48° O-Lg, namentlich bei der Annäherung 
an Kap Guardafui, ferner im Norden von Sokotra und im Süden und Südosten 
von Bas Hafún. 
Nach einigen Bestecken finden zuweilen im Norden des Kanals zwischen 
Kap Guardafui und den Inseln südöstliche Strömungen statt. 
Im September sind zwar die Strömungen noch nahezu dieselben wie in 
den beiden vorhergehenden Monaten, aber viel weniger regelmäfsig. So ist 
z. B. im Golf von Aden die Hauptrichtung des Stromes zwar noch östlich, auch 
wurden in dessen südöstlichem Theil noch westliche Strömungen angetroffen,
	        
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