Strömungen, Temperaturen etc. des Oberflächenwassers im Golf von Aden.
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Geschwindigkeiten sowohl der östlichen als auch der westlichen Strömungen
sind sehr verschieden. In der Mitte des Golfs wurden die gröfsten Geschwindig
keiten beobachtet. Die Temperaturen des Oberflächenwassers sind mit Aus
nahme der bei der Südspitze von Arabien, westlich von Aden, beobachteten im
Allgemeinen ziemlich hoch. Zuweilen wurden jedoch auch in der Mitte des
Golfs niedrige Temperaturen beobachtet. Gewöhnlich wurde das specifische
Gewicht des Seewassers um so gröfser gefunden, je höher die Temperatur
desselben war. In der Nähe der Südküste Arabiens wurde oft eine dunkelgrüne
oder hellgrüne Farbe des Wassers und gleichzeitig der Korallengeruch bemerkt.
In der Nähe des Kanals und der kleinen Inseln kommen zuweilen noch
westliche Strömungen vor, doch ist die vorherrschende Richtung derselben eine
nordöstliche. Es gelangt daher auch an der Oberfläche nur wenig kaltes
Wasser von der Ostküste Afrikas in den Golf. Nördlich und östlich von
Sokotra wurden ziemlich starke nordöstliche Strömungen angetroffen, deren
Wasser von niedriger Temperatur und kleinem specifischen Gewicht erkennen
läfst, dafs es von der Ostküste Afrikas dorthin gelangte. An letzterer Küste
ist die Richtung des Stroms eine nordöstliche. Zwischen Bas Hafún und Kap
Guardafui wurden jedoch auch nordwestliche Strömungen beobachtet. Diese
Strömungen haben eine grofse Geschwindigkeit, welche im Allgemeinen mit der
Entfernung von der Küste zunimmt.
Aus den Teinperaturverhältnissen läfst sich ein Stromwirbel nachweisen.
An den verschiedenen Stromrichtungen, welche in den aneinander grenzenden
Feldern der Karte eiugezeichnet sind, kann man fernerhin bemerken, dafs dieser
Stromwirbel seine Position verändert. Zwei Ursachen seines - Entstehens sind
unveränderlicher Natur, nämlich das Ansteigen des Meeresgrundes in dem
Winkel zwischen der NO-Küste Afrikas und den östlich von derselben liegenden
Inseln, und die Verschiedenheit der Breiten, welche die Kaltwasser-Strömungen
an der Ostküste von Afrika durchlaufen. Die dritte Ursache ist eine veränder
liche, nämlich die Einwirkung der mit wechselnder Kraft aus SW und NO
wehenden Monsune. Die Angaben, betreffend die Farbe des Meeres und die
Aufzeichnungen der Temperaturen und specifischen Gewichte in den südöstlichen
Feldern der Karten lassen deutlich erkennen, dafs der Stromwirbel seine
Position fortwährend ändert. Die in diese Felder eingeschriebenen mittleren
specifischen Gewichte sind zwar unter einander sehr verschieden, aber es läfst
sich au3 ihnen nachweisen, wo kalte und warme Strömungen auftreton, weil in
ersteren das specifische Gewicht gewöhnlich relativ sehr klein ist.
Stromkabbelungen wurden sehr oft in der Strafse von Bab-el-Mandeb und
nördlich von Kap Guardafui bemerkt und waren meistens von dem öfters
erwähnten Korallengeruch begleitet. Auch südöstlich von Ras Hafún wurden
Stromkabbelungen sowie grünliche Färbung der See wahrgenommen. Bei Kap
Guardafui wurden plötzliche Aenderungen der Temperatur des Oberflächen
wassers beobachtet. Die Farbe des kalten Wassers war dunkelgrün und die
des warmen dunkelblau. Im August sind die mittleren Werthe der Temperatur
und des specifischen Gewichts sowie die Strömungen fast dieselben wie im
Monat Juli. Eine Ausnahme hinsichtlich der Temperatur findet jedoch im
nordwestlichen Theil des Golfs und nördlich vom Kap Guardafui sowie in der
Nähe der Ostküste von Afrika statt. In dem ersteren Gewässer ist die
Temperatur etwas niedriger und im letzteren etwas höher als im Juli.
Nach der Karte für August scheint die Position des Stromwirbels nord
westlich von der im Juli innegehabten zu liegen. In der Nähe der Einfahrt zum
Rothen Meer sowie bei der SW-Küsto von Arabien wurden sehr oft Strom
kabbelungen, häufig mit gleichzeitiger grüner Farbe des Meeres und Korallen
geruch, beobachtet, ebenso östlich von 48° O-Lg, namentlich bei der Annäherung
an Kap Guardafui, ferner im Norden von Sokotra und im Süden und Südosten
von Bas Hafún.
Nach einigen Bestecken finden zuweilen im Norden des Kanals zwischen
Kap Guardafui und den Inseln südöstliche Strömungen statt.
Im September sind zwar die Strömungen noch nahezu dieselben wie in
den beiden vorhergehenden Monaten, aber viel weniger regelmäfsig. So ist
z. B. im Golf von Aden die Hauptrichtung des Stromes zwar noch östlich, auch
wurden in dessen südöstlichem Theil noch westliche Strömungen angetroffen,