accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Die Gezeitenerscheinungen und die Navigirang auf der unteren Seine. 
359 
Gegenwärtig ist in der eingedämmten Seine der erste gute Ankerplatz 
bei la Corvette. Derselbe befindet sich 6 km oberhalb von Quilleboeuf und dem 
nach ca 10 km von Radicatelle. Yerläfst man denselben zur Zeit der Fluth, 
so gelangt man an die Mündung des Fahrkanals, wenn das Hochwasser von 
Havre bereits 3 Stunden gefallen ist, also zu einer Zeit, zu welcher das Wasser 
so schnell fällt, dafs der geringste Zeitverlust äufserst gefährlich werden kann. 
Man kann mithin nur mit zwei Fluthen von Rouen aus die See erreichen, 
ausgenommen, dafs man die Barre bei la Mailleraye rechtzeitig passirte. In 
diesem Falle benutzt man die Fluth bei la Vacquerie und setzt von hier möglichst 
schnell die Fahrt fort. 
Im Allgemeinen müssen die abwärts gehenden Schiffe ihre Fahrt so ein 
richten, dafs sie zu einer bestimmten Zeit an solche Stellen des Flusses kommen, 
wo sie den herankommenden Maskaret unter günstigen Verhältnissen abreiten 
können. Die hierzu geeigneten Stellen haben gröfsere Tiefe und tritt daher 
dort der Maskaret nicht ganz so heftig auf. Kleine Schiffe müssen die Luken 
geschlossen halten. Aufser den Lootsen kennen auch die Anwohner des Flusses 
die tiefen und breiteren Stellen, doch bleiben dieselben nicht immer gut, sondern 
verändern sich manchmal mit der Zeit. Grofse, vor Anker liegende Dampfer 
winden die Kette so weit ein, dafs der Anker auf und nieder ist. Wegen des 
noch laufenden Ebbestromes liegen sie mit dem Achtertheil stromabwärts. So 
bald nun der Maskaret sie erreicht, gehen sie mit langsam arbeitender Maschine, 
zugleich allmählich Kette aussteckend, achteraus. Dann versuchen sie nach der 
günstigsten Seite vor den heraufkommenden Fluthstrom zu schwaien. Das 
Schwaien geschieht ziemlich langsam, weil der Ebbestrom noch auf den unteren 
Theil des Schiffes einwirkt, und dauert ungefähr 10 Minuten. Dieser Umstand 
ist grofsen Dampfern günstig, denn dieselben würden in dem Flusse, dessen 
Breite kaum drei Mal so grofs ist als die Länge des Schiffes, oft nicht Baum 
zum schnellen Schwaien haben. Während des Schwaiens müssen sie mit Hülfe 
der Maschine so manövriren, dafs sie sich nicht zu sehr dem Ufer nähern. 
Besser ist es, wenn der Raum des Ankerplatzes es gestattet, das Schiff so zu 
drehen, dafs dessen Bug gegen den herankommenden Maskaret gerichtet ist. 
Bei der Fahrt in der eingedämmten Seine, sei es stromaufwärts oder 
stromabwärts, darf man nicht vergessen, dafs in den Krümmungen des Flusses 
die Tiefe auf der konvexen Seite geringer ist als auf der konkaven, weil hier 
der Strom das Ablagern von Sinkstoffen verhindert. Man mufs daher in den 
Flufskrümmungen näher dem letzteren Ufer bleiben und vom anderen sich 
fern halten. 
Sturm vom 25.-26. April 1890. 
Von Prof. Dr. W. J. vau Bebber, Abtheilungsvorstand der Deutschen Seewarte. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Hierzu Tafel 14. 
Das Material, welches zur Bearbeitung des oben genannten Sturmes be 
nutzt wurde, war Folgendes: Die Beobachtungen und Registrirungen an den 
Normalbeobachtuugsstationen der Seewarte, die Wetterkarten der Seewarte, 
die Aufzeichnungen an den Signalstellen der Seewarte und handschriftliche 
Mittheiluugen von 47 meteorologischen Stationen des Königlich preufsischen 
meteorologischen Institutes, welch’ letztere der Seewarte von der Direktion 
jenes Institutes in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt wurden. 
Dieser Sturm ist insbesondere dadurch bemerkenswerth, dafs er aus einer 
unscheinbaren Depression über den Niederlanden sich entwickelte und, auf 
kleines Gebiet sich beschränkend, auf seinem Wege nach den dänischen Inseln 
mit aufserordentlicher Heftigkeit auftrat.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.