accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

348 
Die Komoren-Inseln Angasija oder Ivomoro und Mobilia. 
Petermann’s Mittheilungen, Band 36, Heft 1, mit kurzem, nach dem Tagebuch 
und brieflichen Mittheilungen von Dr. Schmidt znsammengestelltem begleiten 
dem Texte veröffentlicht ist. Unter Hinweis auf diese Karte greifen wir in 
Folgendem aus der zugehörigen Beschreibung einige die Schiffahrt besonders 
interessirende Punkte heraus. 
Die Insel Kornoro oder Angasija 1 ) wird durch einen in der Rich 
tung Nord—Süd streichenden Gebirgszug in zwei auch politisch von einander 
unabhängige Hälften getheilt. Die östliche Hälfte enthält das Sultanat Bajini 
mit der Hauptstadt Fumbuni. Auf der westlichen Hälfte liegen in ihrer Folge 
von Norden nach Süden die Sultanate Mizumiliuli, Budhe, Zanda, Mroni und 
Hamumbu. Der Sultan von Mroni hat die Oberherrschaft auch über die beiden 
ihm angrenzenden Sultanate, nominell auch über die nördlichen Reiche. Der 
Verkehr auf der Insel ist aufserordentlich schwierig, da es nur schmale Fufs- 
pfade giebt und die Wege sehr beschwerlich sind. Ein direkter, aber schwer 
passirbarer Weg führt von Fumbuni über den Vulkan nach Mroni an der 
Westküste. Der Hauptverkehrsweg zwischen Westen und Osten der Insel führt 
im Süden um die Gebirge herum über Hamumbu. 
Die Ostküste der Insel besitzt keine Häfen, die steile Küste zeigt nirgends 
eine Bucht. Vor dem Orte Schindini (südlich von Fumbuni) befindet sich ein 
kleiner Dhau-Ankerplatz, der durch Felsen und Riffe ziemlich geschützt ist. Der 
Zugang zu demselben ist sehr schmal und seicht, die Dhaus werden durch die 
tosende Brandung in den Hafen hiueingcworfen. Schindini ist aus Steinen auf 
geführt und erstreckt sich längs des mit Korallensand bedeckten Strandes, die 
Wege sind durch Lavamauern abgegrenzt. Fumbuni ist zum grofsen Theil 
zerstört, der ganze Ort ist von einer viereckigen Mauer umgeben. Die Brandung 
tost gegen die Lavawände des Strandes und macht eine Landung unmöglich. 
Da die Steinhäuser fast alle eingeschossen waren, hatten die Bewohner sich 
Palmblatthütten errichtet. Fliefsendes Wasser giebt es auf der ganzen Insel 
fast nicht; die Eingeborenen an der Küste gewinnen Kochwasser, indem sie 
Gruben am Strande anlegen, die sich bei der Flutli mit Seewasser füllen. Im 
Uebrigon vertritt die Kokosnufsmilch das Trinkwasser. Die Eingeborenen sind 
intelligent und kriegerisch und stehen in kultureller Hinsicht weit über den 
Negern. 
Hinter Fumbuni erhebt sich ein bewaldeter Berg, der hauptsächlich mit 
Tamarinden, Mkuyo und Baobab bestanden ist; an den Abhängen finden sich 
Pflanzungen von Kokos, Bananen und Maniok, an manchen Stellen auch grofse 
Mengen süfscr Kartoffeln. Trotz des Wassermangels herrscht überall eine 
üppige Vegetation. Das Wasser einer kleinen klaren Quelle auf dem Berge 
gelangt leider nicht nach unten, sondern verläuft sich vorher in den Rissen des 
Lavabodens. Ein zweiter Wasserplatz liegt 1 * */* Stunden von Fumbuni in den 
Bergen oberhalb Schindini. In einer kcsselartigen Thalebeno hoch oben auf 
dem ersten Gebirgsplateau entspringen an verschiedenen Stellen kleine Quellen, 
von denen aber auch keine die Meeresküste erreicht. An Thieren zeichnet sich 
die ganze Ostküste der Insel durch einen grofsen Reichthum an Tauben aus, 
von denen fünf Arten beobachtet wurden. 
Die Insel Mobilia 2 ) besteht nicht wie Angasija meist aus Lavaströmen, 
sondern hauptsächlich aus leicht verwitterbaren Tuffen mit zahlreich eingesprengten 
grofsen Augiten. Zwei Gebirgszüge durchstreichen die Insel von NW nach SO; 
an der Nord- und Südküste dehnen sich Ebenen aus, ebenso erstreckt sich 
zwischen den beiden Bergketten eine breite fruchtbare Thalebene. Die ganze 
Insel, auch die Berge, ist vollständig mit Vegetation bedeckt. Die Bewässerung 
der Insel ist eine reichliche, an kleinen Bächen ist kein Mangel, üppig grünende, 
zuweilen im Unterlaufe versumpfte Thäler kennzeichnen den Lauf derselben. 
Gepflanzt werden Mtama, Reis, Maniok, Kokos und Zuckerrohr, sowie ver 
schiedene yamsartige Wurzelknollen. Besonders häufig sind Mangobäume, zahl 
reich die Mtapu-Palme, sowie auf dem trockensten Boden die Ukindu-Palme 
(Datteln Ostafrikas). Das Klima ist höchst ungesund; das Mohilla-Fieber wird 
als das gefährlichste an der ganzen afrikanischen Ostküste betrachtet. Rind- 
!) Findlay's ,Indian Ocean“, 1882, Seite 463. 
*) Findlay’s .Indian Ocean“, 1882, Seite 466.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.