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Die Komoren-Inseln Angasija oder Ivomoro und Mobilia.
Petermann’s Mittheilungen, Band 36, Heft 1, mit kurzem, nach dem Tagebuch
und brieflichen Mittheilungen von Dr. Schmidt znsammengestelltem begleiten
dem Texte veröffentlicht ist. Unter Hinweis auf diese Karte greifen wir in
Folgendem aus der zugehörigen Beschreibung einige die Schiffahrt besonders
interessirende Punkte heraus.
Die Insel Kornoro oder Angasija 1 ) wird durch einen in der Rich
tung Nord—Süd streichenden Gebirgszug in zwei auch politisch von einander
unabhängige Hälften getheilt. Die östliche Hälfte enthält das Sultanat Bajini
mit der Hauptstadt Fumbuni. Auf der westlichen Hälfte liegen in ihrer Folge
von Norden nach Süden die Sultanate Mizumiliuli, Budhe, Zanda, Mroni und
Hamumbu. Der Sultan von Mroni hat die Oberherrschaft auch über die beiden
ihm angrenzenden Sultanate, nominell auch über die nördlichen Reiche. Der
Verkehr auf der Insel ist aufserordentlich schwierig, da es nur schmale Fufs-
pfade giebt und die Wege sehr beschwerlich sind. Ein direkter, aber schwer
passirbarer Weg führt von Fumbuni über den Vulkan nach Mroni an der
Westküste. Der Hauptverkehrsweg zwischen Westen und Osten der Insel führt
im Süden um die Gebirge herum über Hamumbu.
Die Ostküste der Insel besitzt keine Häfen, die steile Küste zeigt nirgends
eine Bucht. Vor dem Orte Schindini (südlich von Fumbuni) befindet sich ein
kleiner Dhau-Ankerplatz, der durch Felsen und Riffe ziemlich geschützt ist. Der
Zugang zu demselben ist sehr schmal und seicht, die Dhaus werden durch die
tosende Brandung in den Hafen hiueingcworfen. Schindini ist aus Steinen auf
geführt und erstreckt sich längs des mit Korallensand bedeckten Strandes, die
Wege sind durch Lavamauern abgegrenzt. Fumbuni ist zum grofsen Theil
zerstört, der ganze Ort ist von einer viereckigen Mauer umgeben. Die Brandung
tost gegen die Lavawände des Strandes und macht eine Landung unmöglich.
Da die Steinhäuser fast alle eingeschossen waren, hatten die Bewohner sich
Palmblatthütten errichtet. Fliefsendes Wasser giebt es auf der ganzen Insel
fast nicht; die Eingeborenen an der Küste gewinnen Kochwasser, indem sie
Gruben am Strande anlegen, die sich bei der Flutli mit Seewasser füllen. Im
Uebrigon vertritt die Kokosnufsmilch das Trinkwasser. Die Eingeborenen sind
intelligent und kriegerisch und stehen in kultureller Hinsicht weit über den
Negern.
Hinter Fumbuni erhebt sich ein bewaldeter Berg, der hauptsächlich mit
Tamarinden, Mkuyo und Baobab bestanden ist; an den Abhängen finden sich
Pflanzungen von Kokos, Bananen und Maniok, an manchen Stellen auch grofse
Mengen süfscr Kartoffeln. Trotz des Wassermangels herrscht überall eine
üppige Vegetation. Das Wasser einer kleinen klaren Quelle auf dem Berge
gelangt leider nicht nach unten, sondern verläuft sich vorher in den Rissen des
Lavabodens. Ein zweiter Wasserplatz liegt 1 * */* Stunden von Fumbuni in den
Bergen oberhalb Schindini. In einer kcsselartigen Thalebeno hoch oben auf
dem ersten Gebirgsplateau entspringen an verschiedenen Stellen kleine Quellen,
von denen aber auch keine die Meeresküste erreicht. An Thieren zeichnet sich
die ganze Ostküste der Insel durch einen grofsen Reichthum an Tauben aus,
von denen fünf Arten beobachtet wurden.
Die Insel Mobilia 2 ) besteht nicht wie Angasija meist aus Lavaströmen,
sondern hauptsächlich aus leicht verwitterbaren Tuffen mit zahlreich eingesprengten
grofsen Augiten. Zwei Gebirgszüge durchstreichen die Insel von NW nach SO;
an der Nord- und Südküste dehnen sich Ebenen aus, ebenso erstreckt sich
zwischen den beiden Bergketten eine breite fruchtbare Thalebene. Die ganze
Insel, auch die Berge, ist vollständig mit Vegetation bedeckt. Die Bewässerung
der Insel ist eine reichliche, an kleinen Bächen ist kein Mangel, üppig grünende,
zuweilen im Unterlaufe versumpfte Thäler kennzeichnen den Lauf derselben.
Gepflanzt werden Mtama, Reis, Maniok, Kokos und Zuckerrohr, sowie ver
schiedene yamsartige Wurzelknollen. Besonders häufig sind Mangobäume, zahl
reich die Mtapu-Palme, sowie auf dem trockensten Boden die Ukindu-Palme
(Datteln Ostafrikas). Das Klima ist höchst ungesund; das Mohilla-Fieber wird
als das gefährlichste an der ganzen afrikanischen Ostküste betrachtet. Rind-
!) Findlay's ,Indian Ocean“, 1882, Seite 463.
*) Findlay’s .Indian Ocean“, 1882, Seite 466.