Strömungen, Temperaturen etc. des Oberflächenwassers im Golf von Aden.
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Im Norden des Kanals zwischen Kap Guardafui und den Riffen von
Abd-al-Kuri setzt der Strom meistens nördlich, namentlich im November und
April. Südöstlicher Strom wurde selten angetroffen. Die mittlere Temperatur
ist gewöhnlich dieselbe wie die des Golfs, im März und April jedoch höher.
Im Allgemeinen sind hier die Strömungen nicht von grofser Geschwindigkeit.
An der Ostküste von Afrika, wohin nur wenig Schiffe kamen, waren
Temperatur und specifisehes Gewicht meistens gröfser als nördlich des vorhin
erwähnten Kanals und zeigten beträchtliche Schwankungen. Der Strom setzte
hier ebenfalls nördlich, nämlich nach Nordost und Nord west. Im Dezember
waren erstere Strömungen längs der afrikanischen Küste und nördlich vom
Kanal am stärksten, im März und April aber die nordwestlichen. Die Ge
schwindigkeit beider war gewöhnlich nur gering.
An den Küsten von Sokotra sind die Strömungen meistens westlich und
zwar vorherrschend südwestlich in den ersten Monaten des Nordost-Monsuns
und später nordwestlich. In den letzten Monaten des Nordost-Monsuns werden
die nord- und südöstlichen Strömungen häufiger. Ostwärts von Sokotra auf
hoher See verursacht der Monsun gewöhnlich westlichen Strom, doch fanden
sich unter den Beobachtungen 38 pCt. mit östlichen Strömungen, welche vor
wiegend im November beobachtet wurden. In diesem Monat waren sie am
stärksten und setzten gewöhnlich südöstlich, während im Dezember und Januar
die westlichen Strömungen ihre gröfste Geschwindigkeit hatten und dieselbe in
den folgenden Monaten nachliefs. Die mittleren Temperaturen sind hier in der
Regel höher als weiter im Westen.
Im östlichen Gebiete der Karten nimmt die Temperatur nach Süd hin
zu. Während des Nordost-Monsuns wurden hier, namentlich im Dezember,
Januar und Februar, häufig südwestliche Strömungen angetroffen, ln den ersten
Monaten des genannten Monsuns (Oktober, November, Dezember) wurden auch
vielfach nordwestliche beobachtet und im März solche nach allen Richtungen.
Die östlichen Strömungen sind im November am stärksten und die westlichen
im Dezember. Späterhin ist eine Stromgeschwindigkeit von 1 Sm in der Stunde
sehr selten.
In der Strafse Bab-el-Mandeb sowie in der Nähe derselben wurden im
November und Dezember die meisten Stromkabbelungen angetroffen. Auch im
östlichen Theil des Golfs wurden im November öfters Stromkabbelungen, deren
Zahl nach Kap Guardafui hin zunahm, beobachtet. Bei Abd-al-Kuri und im
Kanal wurden die meisten im Dezember gesehen und im Januar nördlich von
der Nordost-Spitze Afrikas. Nördlich von 12° N-Br wurden zuweilen an ver
schiedenen Orten Stromkabbelungen bemerkt; im November waren dieselben
nördlich und östlich von Sokotra am häufigsten. Einigemal wurde eine grüne
Färbung des Wassers und der eigenartige, bereits erwähnte Korallengeruch,
vorwiegend nördlich von Kap Guardafui, wahrgenommen.
Da während des Südwest-Monsuns die Navigirung, namentlich bei Kap
Guardafui, durch häufige Stürme, unsichtiges Wetter und Nebel erschwert wird,
ist eine möglichst genaue Kenntnifs der in dieser Zeit stattfindenden Strömuugen,
Temperaturen und specifischen Gewichte des Wassers von grofser Wichtigkeit.
Es wurden daher dieselben für jeden Monat de3 genannten Monsuns gesondert
diskutirt.
Im Mai findet der allmähliche Uebergang vom Nordost zum Südwest-
Monsun statt, und laufen daher die Strömungen nach allen Richtungen. Oestliche
und westliche Ströme sind von gleicher Häufigkeit.
In Bab-el-Mandeb trifft mau sowohl nöidliche als südliche Strömung an.
Im Norden des Kap Guardafui sind die Strömungen im Allgemeinen nördlich.
Die mittlere Temperatur des Golfwassers beträgt ungefähr 29° C., ist
mithin höher als im April. Im östlichen Theil des Golfs ist jedoch das Wasser
etwas kälter, vielleicht weil der nördlich vom Kanal vorherrschende westliche
Strom kaltes, von der Ostküste Afrikas stammendes Wasser in den Golf bringt.
Ira Osten von Sokotra sind südöstliche und nordöstliche Strömuugen vor
wiegend. An der Ostkiiste von Afrika werden bereits starke nördliche Strömungen
angetroffen, welche zuweilen nach West hin, meistens aber nach Ost hin von
Nord abweichen. Südlich von 8° N-Br läuft der Strom nach allen Richtungen,
ohne dafs jedoch ein ausgeprägter Stromwirbel nachweisbar ist.