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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Strömungen, Temperaturen etc. des Oberflächenwassers im Golf von Aden. 
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Im Norden des Kanals zwischen Kap Guardafui und den Riffen von 
Abd-al-Kuri setzt der Strom meistens nördlich, namentlich im November und 
April. Südöstlicher Strom wurde selten angetroffen. Die mittlere Temperatur 
ist gewöhnlich dieselbe wie die des Golfs, im März und April jedoch höher. 
Im Allgemeinen sind hier die Strömungen nicht von grofser Geschwindigkeit. 
An der Ostküste von Afrika, wohin nur wenig Schiffe kamen, waren 
Temperatur und specifisehes Gewicht meistens gröfser als nördlich des vorhin 
erwähnten Kanals und zeigten beträchtliche Schwankungen. Der Strom setzte 
hier ebenfalls nördlich, nämlich nach Nordost und Nord west. Im Dezember 
waren erstere Strömungen längs der afrikanischen Küste und nördlich vom 
Kanal am stärksten, im März und April aber die nordwestlichen. Die Ge 
schwindigkeit beider war gewöhnlich nur gering. 
An den Küsten von Sokotra sind die Strömungen meistens westlich und 
zwar vorherrschend südwestlich in den ersten Monaten des Nordost-Monsuns 
und später nordwestlich. In den letzten Monaten des Nordost-Monsuns werden 
die nord- und südöstlichen Strömungen häufiger. Ostwärts von Sokotra auf 
hoher See verursacht der Monsun gewöhnlich westlichen Strom, doch fanden 
sich unter den Beobachtungen 38 pCt. mit östlichen Strömungen, welche vor 
wiegend im November beobachtet wurden. In diesem Monat waren sie am 
stärksten und setzten gewöhnlich südöstlich, während im Dezember und Januar 
die westlichen Strömungen ihre gröfste Geschwindigkeit hatten und dieselbe in 
den folgenden Monaten nachliefs. Die mittleren Temperaturen sind hier in der 
Regel höher als weiter im Westen. 
Im östlichen Gebiete der Karten nimmt die Temperatur nach Süd hin 
zu. Während des Nordost-Monsuns wurden hier, namentlich im Dezember, 
Januar und Februar, häufig südwestliche Strömungen angetroffen, ln den ersten 
Monaten des genannten Monsuns (Oktober, November, Dezember) wurden auch 
vielfach nordwestliche beobachtet und im März solche nach allen Richtungen. 
Die östlichen Strömungen sind im November am stärksten und die westlichen 
im Dezember. Späterhin ist eine Stromgeschwindigkeit von 1 Sm in der Stunde 
sehr selten. 
In der Strafse Bab-el-Mandeb sowie in der Nähe derselben wurden im 
November und Dezember die meisten Stromkabbelungen angetroffen. Auch im 
östlichen Theil des Golfs wurden im November öfters Stromkabbelungen, deren 
Zahl nach Kap Guardafui hin zunahm, beobachtet. Bei Abd-al-Kuri und im 
Kanal wurden die meisten im Dezember gesehen und im Januar nördlich von 
der Nordost-Spitze Afrikas. Nördlich von 12° N-Br wurden zuweilen an ver 
schiedenen Orten Stromkabbelungen bemerkt; im November waren dieselben 
nördlich und östlich von Sokotra am häufigsten. Einigemal wurde eine grüne 
Färbung des Wassers und der eigenartige, bereits erwähnte Korallengeruch, 
vorwiegend nördlich von Kap Guardafui, wahrgenommen. 
Da während des Südwest-Monsuns die Navigirung, namentlich bei Kap 
Guardafui, durch häufige Stürme, unsichtiges Wetter und Nebel erschwert wird, 
ist eine möglichst genaue Kenntnifs der in dieser Zeit stattfindenden Strömuugen, 
Temperaturen und specifischen Gewichte des Wassers von grofser Wichtigkeit. 
Es wurden daher dieselben für jeden Monat de3 genannten Monsuns gesondert 
diskutirt. 
Im Mai findet der allmähliche Uebergang vom Nordost zum Südwest- 
Monsun statt, und laufen daher die Strömungen nach allen Richtungen. Oestliche 
und westliche Ströme sind von gleicher Häufigkeit. 
In Bab-el-Mandeb trifft mau sowohl nöidliche als südliche Strömung an. 
Im Norden des Kap Guardafui sind die Strömungen im Allgemeinen nördlich. 
Die mittlere Temperatur des Golfwassers beträgt ungefähr 29° C., ist 
mithin höher als im April. Im östlichen Theil des Golfs ist jedoch das Wasser 
etwas kälter, vielleicht weil der nördlich vom Kanal vorherrschende westliche 
Strom kaltes, von der Ostküste Afrikas stammendes Wasser in den Golf bringt. 
Ira Osten von Sokotra sind südöstliche und nordöstliche Strömuugen vor 
wiegend. An der Ostkiiste von Afrika werden bereits starke nördliche Strömungen 
angetroffen, welche zuweilen nach West hin, meistens aber nach Ost hin von 
Nord abweichen. Südlich von 8° N-Br läuft der Strom nach allen Richtungen, 
ohne dafs jedoch ein ausgeprägter Stromwirbel nachweisbar ist.
	        
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