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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Aus  dem  Reiseberichte  der  Brater  eisernen  Bark  „Auguste“.

das  Schiff  abzulegen.  An  der  Brücke  liegen  zu  bleiben,  ist  aufser  Frage,  da
man  entweder  das  Schilf  oder  die  Brücke  ruiniren  würde.  Es  rnufs  beständig
gearbeitet  werden,  um  die  Brücke  einigermafsen  im  Stande  zu  halten,  da  der
Bohrwurm  einen  Pfahl  in  ungefähr  vier  Monaten  vollständig  durchlöchert.  Der
Direktor  der  Kompagnie,  welche  die  Minen  bearbeitet,  sagte  mir,  dafs  man  im
nächsten  Jahre  eine  eiserne  Brücke  hersteilen  würde,  und  solle  diese  auch  eine
mehr  nördliche  Richtung  haben,  so  dafs  die  Schiffe  bei  eintretendem  Nordwinde
besser  auf  der  See  liegen  würden  und  infolge  dessen  länger  laden  und  löschen
könnten.  In  der  Zeit  unseres  Aufenthaltes,  vom  19.  November  1888  bis  2.  Januar ­
  1889,  waren  im  Ganzen  20  Tage,  au  denen  gelöscht  werden  konnte.
Mehrere  amerikanische  Schiffe,  w'elche  während  unseres  Hierseins  mit  Holz  von
Fuget  Sound  ankamen,  löschten  auf  der  Rhede,  und  das  Holz  wurde  in  Flöfsen
ans  Land  gebracht;  auch  dieses  ist  wegen  der  hohen  See  oft  schwierig  oder
unmöglich.
Trinkwasser  erhält  man  aus  einer  Leitung,  deren  Herstellung  50  000  Doll,
gekostet  hat,  zum  Preise  von  2  Doll,  für  100  Gallonen.  Dasselbe  ist  ziemlich
gut,  soll  sich  aber,  wie  man  mir  sagte,  nicht  sehr  gut  halten.  Frisches  Fleisch
kostete  18  Cts.  das  Pfund,  Kartoffeln  6,25  Doll,  der  Ceutner.  Ballast  erhielten
wir  von  der  Kompagnie  in  Eisenbahnwagen  längsseit  geliefert.  Es  ist  guter
Steinballast  und  wird  auf  der  Bahn  aus  dem  Innern  des  Landes  geholt.  Ich
mufste  1  Doll,  für  die  Tonne  bezahlen;  doch  sagte  mir  der  Direktor,  dafs  er
den  Preis  auf  2  Doll,  für  die  Tonne  erhöhen  würde,  da  er  bei  dem  gegenwärtigen ­
  Geld  zusetzen  müsse.  Man  kann  sich  den  Ballast  für  1  Doll,  die
Tonne  auch  in  Kanoes  bringen  lassen,  womit  jedoch  für  ein  grofses  Schiff  zu
viel  Zeit  verschwendet  wird.
Die  Postverbindung  ist  sehr  mangelhaft,  denn  der  Dampfer  der  Kompagnie
macht  durchschnittlich  nur  alle  10  Tage  eine  Reise  nach  Guaymas.  Da  derselbe ­
  einen  Tag  vor  meiner  Ankunft  abgefahren  war,  mufste  ich  10  Tage  warten,
ehe  ich  eine  telegraphische  Nachricht  über  meine  Ankunft  an  meinen  Rheder
abschicken  konnte.
Santa  Rosalia  liegt  im  sogenannten  Canon  de  Providencia.  Dio  Wohnungen
der  Angestellten  der  Kompagnie,  die  Bureaux  u.  s.  w.  befinden  sich  auf  der
Nordseite  des  Canon,  während  das  Hafenmeisteramt  und  das  Zollhaus  auf  dem
Hügel  an  der  Südseite  sind;  die  Wohnungen  der  Arbeiter,  einige  Magazine  u.  s.  w.
sind  im  Thale  selbst  gelegen.  Der  Ort  macht  einen  recht  kahlen  Eindruck;  von
Pfianzenwuchs  sieht  man  nur  hin  und  wieder  Spuren  in  Kaktnsstauden  und
Aehnlichem.  Die  Hauptminen  befinden  sich  nördlich,  ungefähr  12  km  vom  Orte.
Der  Ertrag  ist  ein  bedeutender;  zur  Zeit  unserer  Anwesenheit  lagen  ungefähr
1200  Tonnen  Kupfer  zur  Verschiffung  bereit.  Die  Gesellschaft,  welche  die  Minen
bearbeitet,  nennt  sich  „Compagnie  du  Boleo“  und  hat  ihren  Hauptsitz  in  Paris.
Der  Direktor,  Mr.  Laforgue,  sowie  die  übrigen  Angestellten  sind  fast  ohne
Ausnahme  Franzosen.
Mit  Ausnahme  von  zwei  Begentagen  war  das  Wetter  während  unseres
Aufenthaltes  —  1888  November  19  bis  1889  Januar  2  —  beständig  trocken,
die  Nächte  waren  recht  kühl.  Bei  heftigen  Winden  aus  N  uud  NW  stand  das
Barometer  hoch;  fiel  es,  so  mäfsigte  sich  der  Wind.  Bei  heftigem  Nordwinde
war  es  oft  so  diesig,  dafs  man  die  Insel  Tortuga  nicht  sehen  konnte.  Als  Anzeichen ­
  kommenden  Nordwindes  gelten,  dafs  sich  dio  Berge  in  der  Nähe  von
Kap  Virgines  mit  grauweifsen  Wolken  bedecken  und  die  Luft  seewärts  sehr
heierig  erscheint.  Der  starke  NW-Wind  hielt  meistens  drei  Tage  an  und  setzte
jeden  folgenden  Tag  etwas  später  ein,  meistens  zwischen  8  und  10  Uhr  Vormittags. ­
  Nachts  ist  es  gewöhnlich  still,  oder  es  weht  Landwind  aus  dem  Canon
heraus.  Mitunter  fing  es  jedoch  auch  Nachts  aus  N  bis  NW  zu  wehen  an,  und
mufsten  wir  infolge  dessen  einmal  des  Morgens  um  4  Uhr  die  Brücke  verlassen.
Meistens  ist  der  Wind  auf  der  Bhede  mw.  N,  in  2  bis  3  Sm  Entfernung  vom
Lande  dagegen  NW,  und  ist  deshalb  auch  die  See  am  Lande  nicht  so  hoch,
wie  sie  der  Windstärke  entsprechend  sein  würde.  Ebbe  und  Fluth  sind  sehr
unregelmäfsig.  Bei  heftigen  NW-Winden  ist  der  Wasserstand  meistens  zwischen
6  und  10  Uhr  Morgens,  wenn  es  auf  der  Rhede  noch  still  ist,  am  höchsten.
Von  dem  Arzte  der  Kompagnie,  Dr.  B.  Foderö,  werden  in  Santa  Rosalia
für  das  Pariser  Institut  regelmä-fsige  meteorologische  Beobachtungen,  täglich
            
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