Kleine Notizen.
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(Stärke 10—11) und hoher brechender See die ausgezeichneten Wirkungen des
Oelons der See zu erproben. Die Oelbeutel wurden wieder in der vorher an
gegebenen Weise angebracht, doch wurden dieselben in diesem Falle anstatt
mit 12 mit je 20 Stiehlöchern versehen; der Verbrauch von Thran war dabei
jo 6 Liter in 8 Stunden.
Es möge hier noch darauf hingewiesen werden, dafs gerade auf den
Reisen, auf welchen lange Strecken im Westwindgebiete der höheren südlichen
Breiten zurückzulegen sind, es von grofsem Vortheil werden kann, wenn man
sich auf dio Verwendung von Oel zur Beruhigung der See eingerichtet hat;
denn hier kommt es oft vor, dafs das Schiff wegen der die westlichen Stürme
begleitenden sehr hohen See bei günstigem Winde beizudrehen genöthigt ist,
während ihm durch das Oelen der See wahrscheinlich die Möglichkeit geboten
wird, zu lenzen, und es den sonst entstehenden Zeitverlust vermeiden kann,
ganz abgesehen von der Aussicht, gefährliche Beschädigungen durch Seeschlag
auf diese Weise zu verhüten. Seitens der Seewarte ist deshalb auch in den
schriftlichen Segelanweisungen für solche Reisen jedem Kapitän die Anwendung
des in Rede stehenden Mittels empfohlen worden, und die eingehenden Berichte
zeigen, dafs dasselbe bereits bei einer grofsen Anzahl der mit ihr in Verbindung
stehenden Kapitäne in Gebrauch ist.
2. Stromversetzungen im Indischen Ocean. Auf der Reise von
Bombay nach Zanzibar wurde von S. M. Kr.-Korv. „Carola“, Kommandant
Korv.-Kapt. Valette, im Monat Februar d. J. Strömungen beobachtet, welche
von den auf den Karten verzeichneten beträchtlich abweichen. Die Beobach
tungen sind nachstehend aufgeführt.
1
1890
Februar
Breite
T-
Lange
Distanz
Sm
Wind
Stromversetzuug
am
vom
5.
5.
zum
6.
16° 55,2'
N
70° 20,7' O
194
NW
NW—N
S 61° E
13
Sm
6.
7.
15° 1,6'
07° 36,2' .,
201
NWzW—NNE
N 52° E
21,5
7.
8.
13° 8'
64° 56,7' „
191
N—NE
S 72° W
4
8.
9.
11° 10,2'
62° 12' ,
199
E—NEzE
N 18° W
3
9.
10.
9° 19,7'
y,
59° 25' *
210
E—ENE
N 48° W
14
10.
11.
7° 23'
56° 38' „
204
NEzE—EzN
N 28° W
12
11.
12.
5° 23,5'
54° 3' .,
195
NEzE—NEzN
N 23° E
9
12.
13.
3° 30'
51° 14' ..
205
NEzN
N
28,8
1
13.
14.
1° 20,2'
48° 31,4' „
211
NNE
N 12° E
19
14.
15.
1° 4,1'
S
45° 17,4' ,
244
NEzE
N 45° W
21
l
15.
16.
3° 58,3'
45° 20' „
254
NEzE—EzS
S 56° E
14
„
L-
16.
V
17.
5° 40'
T>
39° 25,2' „
199
NNW—NE
N 6° E
15
»
Nach der Stromkarte im „Indian Ocean Directory“, Auflage 1882, sollen
zwischen Bombay und Zanzibar während des NE-Monsuns nordwestliche bezw.
westliche und südwestliche Strömungen stattfinden.
Auch in anderen Theilen des Indischen Oceans sind die beobachteten
Stromversetzungen von den in genannter Karte verzeichneten Richtungen oft
sehr verschieden. Es darf aber nicht aufser Acht gelassen werden, dafs die
Stromkarten die mittleren Stromrichtungen angeben und diese durch Koppelungen
beobachteter Versetzungen gefunden wurden. Eine jede der letzteren ist aber
schon eine Kombination aller Strömungen, welche das Schiff während eines
Etmals passirte. In Gegenden, wo die Strömungen unregelmäfsig und wenig
konstant sind, werden daher die Versetzungen öfters erheblich von den Strom-
richtungen der Karten abweichen, namentlich wenn das Schiff während eines
Etmals eine grofse Distanz zurücklegte.
Wie erheblich die beobachteten Versetzungen von den Angaben der
Stromkarten abweichen können, ergeben auch die Beobachtungen, welche das
österreichische Kriegsschiff „Aurora“, Kommandant Freg.-Kapt. Graf Monte-
cuccoli-Polinago*) über Strömungen und Windverhältnisse vom September
1) „Hydrographische Nachrichten“ No. 10/73. Pola 1890.