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Kleine Notizen.
Kleine Notizen. 1 )
1. (D.S.) Ueber den Gebrauch von Oel zur Beruhigung der
Wellen macht Kapt. 0. Kampehl von der Elsflether Bark „Speculant“, der
dies Verfahren auf seiner letzten Reise von Neio-York nach Port Adelaide in
den höheren Breiten des Indischen Oceans beim Lenzen vor schwerem Sturme
aus WSW (Stärke 10) und gewaltiger See mit Erfolg in Anwendung brachte,
in seinem meteorologischen Journal die folgende Bemerkung:
„1889 September 3, Vormittags, in 41,4° S-Br und 75,4° O-Lg; Sturm
aus WSW mit sehr schweren Hagelböen, gewaltige See. Befestigten auf beiden
Krahnbalken je eine Spiere, die 6 Fufs über den Krahnbalken hinausragte.
Am Ende derselben war ein kleiner Block befestigt, durch welchen ein Tau
geschoren war. Au letzterem wurde an jeder Seite ein Segeltuchbeutel über
Bord gehängt, in solcher Höhe, dafs er beim Ueberholen des Schiffes zu Wasser
kam. Die Beutel waren von Delius-Kerntuch No. III, mit rundem Boden von
20 cm Durchmesser, von 60 cm Höhe und nach oben sich zu 10 cm Weite ver
jüngend. Der Boden und die Seiten waren mit Schutzlieken versehen. Vom
Boden des Beutels hatten noch ein Tau nach den Fockwanten genommen, um
zu verhindern, dafs die Beutel von der See über das Klüvergeschirr geschleudert
würden. Die Beutel wurden zu drei Vierteln ihres Inhalts mit Werg ausgestopft,
vermittelst einer 4 mm starken Segelnadel im Boden mit 4 und auf 6 cm Höhe
noch mit 8 Löchern vorsehen, dann mit jo 5 Litern Fischthran gefüllt und über
Bord gehängt. Der Erfolg war ein überraschender. Die Brecher, die vorher
von allen Seiten über Deck schlugen und lose Gegenstände, wie Treppen u. s. w.,
und zum Theil auch die Verschanzungen weggeschlagen hatten, waren wie ver
schwunden. Nahe beim Schiffe, achter oder längsscit angekommen, verschwanden
die weifsen Schaumköpfe der Brechseen, und wir bekamen nur noch etwas Spritz
wasser an Deck, wenn nicht gerade das Schiff so weit überholte, dafs Schöpf
wasser über die Reling kam. Weit achteraus konnte man den Streifen geölten
Wassers sehen, wo die See gänzlich schlicht blieb, und der von Kaptauben und
Albatrossen als Ruheplatz aufgesucht wurde.
Um U/s Uhr Nachmittags, als das Wetter besser wurde, nahmen wir die
Beutel, nachdem sie 5 Stunden ausgehängt gewesen, wieder ein. Da wir sie
nicht wasserdicht hatten zubinden können, waren sie nahezu mit Wasser an
gefüllt; von dem Thran war ungefähr die Hälfte ausgetropft oder vielmehr
herausgequetscht, denn von den hineingestochenen Löchern war kaum noch
etwas zu sehen, ein Zeichen, dafs die benutzte Segelnadel von 4 mm Stärke
nicht zu dick genommen worden war. Der nicht verbrauchte Thran konnte
gänzlich wieder geborgen werden.
Ich hatte zum Oelen der See nur 25 Liter Thran mit auf die Reise ge
nommen, um zuerst einmal einen Versuch damit zu machen, bin aber jetzt durch
den selbst erlebten wunderbaren Erfolg vollständig von meiner früheren Un
gläubigkeit kurirt worden, und wird fortan Fischthran den obersten Platz in
meiner Ausrüstungslisto einnehmen. Ich möchte auch jedem meiner Kollegen
anrathen, sich in hinreichendem Mafse mit diesem Artikel zu versehen, denn
von ihm kann unter Umständen die ganze Sicherheit des Schiffes abhängig sein.
Freilich ist das Oelen der See immer ziemlich kostspielig, und sollte es deshalb
nur in Fällen, wo es wirklich nothwendig ist, angewandt werden, aber in An
betracht des erzielten Nutzens können diese Kosten nicht ins Gewicht fallen.
Wer einmal das Mittel angewandt und den Erfolg gesehen hat, wird nie wieder
den Hafen verlassen, ohne sich mit Oel bezw. Thran versehen zu haben.“
Auf seiner Rückreise von Tahiti nach Lissabon, am 8. März d. J. in
55° S-Br und 80° W-Lg, westlich von Kap Horn, hatte Kapt. Kampehl ein
zweites Mal Gelegenheit, beim Lenzen vor sehr schwerem Sturme aus WNW
1 ) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet.