Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1886.
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Aun. d. Hydr. etc. 1890, Heft VIII.
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Herrschen frischen Passats über dem südlichen und -westlichen Theile des Oceans
nicht ungünstig. Dazu bot die Ueberschreitung des Stillengürtels nur geringe
Schwierigkeiten. Nachtheilig war aber, dafs der Passat die meisten Schiffe
nicht weit nach Norden hin begleitete. Nur „Charlotte“, „Patagonia“ und
„Suaheli“ wurden länger von demselben begünstigt. Als die vier ersten Schiffe
der Gruppe 20° N-Br überschritten hatten, geriethen sie bald inmitten des
verhältnifsmäfsig kleinen Hochdruckgebietes der Karte XVII. Oestliche Winde
blieben nun zwar noch für lange Zeit vorherrschend, doch waren dieselben
schwach und unbeständig. Durchstehender Westwind wurde von mehreren der
Schiffe, wie von „Canopus“ und „Oberon“, auf dem ganzen letzten Reiseabschnitt
gar nicht angetroffen. Auch der letzte der Mitsegler, „Suaheli“, wurde von
solchen nicht begünstigt. Als dagegen „Triton“, „Valparaiso“ und „Charlotte“
nach etwa 36° N-Br vorgerückt waren, veränderte sich der frische Wind durch
Süd nach Südwest, um sich später in langsamer, mehrere Tage in Anspruch
nehmender Drehung weiter nach Nord zu verändern. Das Auftreten dieser
Winde wurde verursacht durch jenes Tiefdruckgebiet der Karte XIX, welches
zuerst am 14. Mai südlich von Neufundland erschien und sich dann rasch zur
Küste Irlands fortbewegte. Bei den frischen Nordwinden, die eine Folge jenes
vom 18. bis zum 21. Mai herrschenden Hochdruckgebietes dieser Karte waren,
und bei den darauf folgenden, durch die auf Karte XX vorzeichneten, über
Grofsbritannien auftretenden Tiefdruckgebiete verursachten Westwinden legten,
mit Ausnahme von „Canopus“ und „Suaheli“, alle diese Schiffe den letzten
Reiseabschnitt zurück. Als der wegen unreinen Schiffsbodens nur sehr langsam
vorwärts kommende „Canopus“ und „Suaheli“ sich dem Kanäle näherten, wurden
sie dort auch noch durch anhaltende Ostwinde zurückgehalten. Am 30. und am
31. Mai erreichten diese Winde sogar die Stärke eines heftigen Sturmes. Der
selbe kam mit jenem Tiefdruckgebiete der Karte XX, welches während der
letzten Tage des Mai und der ersten im Juni nicht weit entfernt von der
portugiesischen Küste lagerte. „Canopus“ und „Suaheli“ erreichten den Kanal
erst gegen Ende der ersten Woche des Juni.
Die letzten fünf Schiffe der Liste verliefsen die Linie alle in der ersten
Hälfte des Mai. Unter ihnen befindet sich eines, der „J. H. Lübken“, dessen
Reise nach Lissabon 50 Tage in Anspruch nahm. Die übrigen vier Mitsegler,
„Undine“, „Ellen Rickmers“. „Madeleine Rickmers“ und „Richard Rickmers“,
legten die Fahrt zum Kanal in durchschnittlich 37 Tagen zurück. Die einen
guten Passat bedingenden Verhältnisse waren während der letzten zwei Drittel
des Mai ganz günstige, indem, wie aus Karten XIX und XX ersichtlich, damals
über einem grofsen Theile des Atlantik ein Gebiet hohen Luftdruckes lagerte.
Im Stillengürtel waren „Madeleine Rickmers“ und „Richard Rickmers“ verhältnifs
mäfsig lange aufgehalten woi'den. Dagegen trafen die übrigen drei Schiffe bei
der Ueberschreitung desselben günstigere Verhältnisse an. Im Passatgebiete
fanden alle Schiffe ziemlich frischen Wind. Zur polaren Passatgrenze gelangte
„Undine“, welche, trotzdem dies Schiff ein eisernes ist, mit den hölzernen Mit
seglern gut Schritt halten konnte, in 31,4° N-Br und 39,3° W-Lg, nebst „Ellen
Rickmers“ in 28,6° N-Br und 37,2° W-Lg am 21. Mai; „Madeleine Rickmers“
in 28° N-Br und 38,2° W-Lg am 23. Mai; „J. H. Lübken“ in 26,7° N-Br und
43° W-Lg am 22. Mai und „Richard Rickmers“ in 31,5° N-Br und 37° W-Lg
am 30. Mai. Nördlich vom Passatgebiete wurden die Schiffe noch lange durch
vorherrschend leichte Nord- und Ostwinde zurückgehalten, welche zum Thoil
verursacht wurden durch das sich in sehr hohe Breiten ausdehnende Gebiet
hohen Luftdrucks der Karte XX. Nur die zum Kanal bestimmten vier Mit
segler konnten den letzten Reiseabschnitt bei durchstehenden Westwinden
vollenden. Der „J. H. Lübken“, welcher eine Zeit lang zwar auch von West
winden begünstigt worden war, fand in der Nähe der portugiesischen Küste
noch wieder nordöstliche Winde, die ein gut Theil zu der so überaus langen
Reise beitrugen.