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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1886.
ist, so erscheint eine Vergleichung dieser Reise mit der der anderen Schiffe
unstatthaft. Die von Lagos kommende Brigg „Astrea“ war das zweite der im
März von südlicher in nördliche Breite übergehenden Schiffe. Sie und „Spica“
gebrauchten die gleich lange Zeit von 10 Tagen, um 10° N-Br zu erreichen.
Bei „Spica“ war der Aufenthalt eine Folge der geschädigten Schnelligkeit,
während er bei „Astrea“ durch Stille und Mallung verursacht wurde. Den
Passat traf dieses Schiff auch viel günstiger an, als „Spica“ ihn gefunden hatte.
Während der letzten Woche des März und Anfang April hatte sich jenes grofse,
auf Karten XIV und XV dargestellte Hochdruckgebiet, die Vorbedingung
irischen regelmäfsigen Passats, gebildet, wohingegen, als „Spica“ das Passat
gebiet durchsegelte, die viel weniger günstige Wetterlage der Karten XII und
XIII mafsgebend war. „Spica“ wurde bis nach 36,5° N-Br in 44° W-Lg von
östlichen Winden begleitet. Die sich dort einstellendcn, am Nordrande des
Hochdruckgebietes der Karte XV wehenden Westwinde waren auch nur von
kurzer Dauer. Von Mitte April an mufste aufs Neue gegen Ostwindo gekämpft
werden, die in diesem Falle durch das sich damals über Nordeuropa aus
dehnende Hochdruckgebiet der Karte XVI verursacht wurden. Es vergingen
deshalb noch zwei Wochen, ehe von 20° W-Lg ab der Hafen von Queenstowu
erreicht werden konnte. „Astrea“ lief auch schliefslich in dieso Winde hinein,
doch wurde sic weit weniger davon zurückgehalten, als „Spica“) denn während
die Brigg am 28. April nach Lizard gelangte, erreichte die Bark den Hafen
von Queenstown erst am 30. April.
Während der ersten Woche im April überschritten die vier eisernen
Schiffe: „Argo“, „Katharine“, „Adolph“ und „Niagara“ den Aequator. Von
denselben war „Katharine“ nach New-York, die übrigen drei nach dom Kanal
bestimmt. Alle trafen in nördlicher Breite anfänglich recht erwünschte Ver
hältnisse an. Als Folge der günstigen Lage des auf Karte XV dargestellten
Hochdruckgebietes wurde das Passatgebiet ohne Schwierigkeit erreicht und iu
demselben zunächst auch recht frischer beständiger Wind angetroffen. Als aber
nach dem 12. April die Lage und Form des Hochdruckgebietes eine ganz
andere geworden war, endete der Passat in verhältnifsmäfsig niedriger Breite.
Infolge der Lagerung des auf Karte XVI dargestellten Hochdruckgebietes und
des gleichzeitigen Erscheinens inmitten des Oceans eines Tiefdruckgebietes trafen
„Adolph“ und „Niagara“ schon in der Nähe von 20° N-Br und „Katharine“,
welche bald in den Bereich des auf ebenerwähnter Karte angegebenen, östlich
der Bahamas auftretenden Tiefdruckgebietes gerathen war, sogar schon in etwa
17° N-Br südwestliche Winde an. „Argo“ dagegen wurde bis nach 27° N-Br
hin von frischem Passat begleitet. Alle vier Schiffe beobachteten nach dieser
Zeit keine Ostwinde von nennenswerther Dauer wieder. Die verschiedenen,
sich in verhältnifsmäfsig niedriger Breite bewegenden Tiefdruckgebiete der
Karte XVII und das langgestreckte, in der Nordost—Siidwest-Ricktung gelagerte
Hochdruckgebiet der Karte XVIII gewährten den zum Kanal steuernden Schiffen
eine fast ununterbrochen günstige Gelegenheit. Schon den Aufsengründen nahe,
wurden „Adolph“ und „Niagara“ noch einigo Tage durch leichte Ostwinde
zurückgehalten. Für „Katharine“ waren die auch bei ihr vorherrschenden
Westwinde weniger günstig. Besonders war dies der Fall, als dieselben wäh
rend der ersten Tage im Mai stürmisch auftraten. Es wurde dies verursacht
durch jenes schon wiederholt erwähnte Tiefdruckgebiet der Karte XVIII,
welches am 1. Mai südöstlich von Kap Hatteras erschien und sich auf ge
schwungener Bahn nach Südosten bewegte.
Die übrigen Schiffe der Liste, welche im April nördliche Breite erreichten,
können, weil wenigstens ihre Ankunftszeit nicht weit von einander fällt, in
eine Gruppe zusammengefafst werden. Dieselbe bestand aus den Schiffen:
„Campus“, „Oberon“, „Triton“, „ Valparaiso“, „Charlotte“, „Patagonia“ und
„Suaheli“. Von diesen war die „Charlotte“ nach Lissabon, die übrigen sechs
nach dem Norden Europas bestimmt. Alle diese Reisen nahmen einen lang
sameren Verlauf, als es bei den Reisen der letzterwähnten Gruppe von Schiffen
der Fall gewesen war. Die mittlere Reisedauer betrug, die 58 tägige des
„Canopus“ nicht mitgerechnet, 36 Tage. Fast allo Mitsegler fanden iu nörd
licher Breite zunächst ganz günstige Verhältnisse. Die auf Karte XVI dar
gestellte Lage des Hochdruckgebietes war, obgleich eine ungewöhnliche, dem