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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewürfe, Frühling 1880.
waren dies „Columbus“ und „Theodor Rüger 11 . Beide Schiffe wurden auf See
anfänglich durch östliche Winde zurückgehalten, die theils durch das auf
Karte XVI über dem nordöstlichen Tkeile der Union verzeichnete Hochdruck
gebiet, theils durch das am 29. April die Küste Nordkarolinas verlassende
Tiefdruckgebiet der Karte XVII geschaffen wurden. Die durch dioges letztere
verursachten Winde erreichten bei „Theodor Rüger“ sogar am 30. April die
Stärke eines Sturmes. Bei „Columbus“ endete der Ostwind nach wenigen
Tagen, worauf das Schiff dann für läugere Zeit von mäfsigen Westwinden be
günstigt wurde. „Theodor Rüger 11 konnte dagegen später bei heftigen Nord
winden, die im Zusammenhang standen mit jenem am 1. Mai unweit des Kap
Hatteras erscheinenden Tiefdruckgebiete der Karte XVIII, raschen Fortgang
erzielen. Die polare Passatgreuze erreichte „Columbus“ am 7. Mai in etwa
27° N-Br und 34,5° W-Lg und „Theodor Rüger“ in 24,5° N-Br und 36,5° W-Lg
am 11. Mai. Im Passatgebiete wurde der frischeste Wind auf der zwischen
25° und 12° N-Br liegenden Strecke angetroffen. Der Passat begleitete „Co
lumbus“ bis nach 6,7" N-Br in 26,5° W-Lg und „Theodor Rüger“ bis nach
8,1° N-Br in 28° W-Lg. Im Stillengürtel verbrachte jenes Schiff länger als
eine Woche, während dieses dort ungefähr fünf Tage zurückgehalten wurde.
Während der ersten Hälfte des Mai erreichten die letzten sechs der in
der Liste aufgeführten Schiffe den offenen Ocean. Es waren dies die nach
Lagos bestimmte „Margaretha Gaiser“, „Adelaide“, „J. F. Pust“, „Adolph“,
Emma Römer“ und „Pacific“. Von ihnen machte „Adolph“ mit 20 Tagen die
kürzeste Reise von allen in dieser Liste aufgeführten Schiffen. Alle sechs Mit
segler fanden zu Anfang ihrer Fahrt nicht sehr günstige Verhältnisse. Die
Lage des Hochdruckgebietes der Karte XVIII war dem Auftreten nördlicher
Winde südlich von der Kanal-Mündung wenig günstig, und als das Hochdruck
gebiet im zweiten Drittel des Mai die auf Karte XIX dargestellte Form und
Lage angenommen hatte, erstreckten die damals südlich von Irland und überm
Kanal ziehenden Tiefdruckgebiete ihre westlichen Gegenwinde bis nach 40° N-Br
hin. Am meisten begüustigt wurden hier „Margaretha Gaiser“ und „Adolph“,
während „Emma Römer“ und „Pacific“ es am ungünstigsten antrafen. Die
polare Passatgrenze erreichte „Margaretha Gaiser“ in 35,5° N-Br und 14,5° W-Lg
am 15. Mai, „Adelaide“ in 32° N-Br und 19,2° W-Lg am 18. Mai, „J. F. Ptist“
in 35° N-Br und 13° W-Lg am 21. Mai und „Adolph“ in 34° N-Br und 14,5°
W-Lg am 20. Mai. Die beiden letzten Mitsegler mufsten dagegen bedeutend
weiter nach Süden vorrücken, bevor sie den Passat erhielten. „Emma Römer“
fand denselben erst am 2. Juni in der Nähe von 27,2° N-Br und 20,4° W-Lg
und „Pacific“ an demselben Tage gar erst in 23,4° N-Br und 20,7° W-Lg. Wie
aus Karte XX ersichtlich, war die Lage des Hochdruckgebietes, wie das gleich
zeitige Auftreten oines Tiefdruckgebietes in geringer Entfernung westlich von
Portugal, dem Herrschen des Passats in verhältnifsmäfsig hohen Breiten durch
aus ungünstig. Nachdem dessen Gebiet schliefslich erreicht worden war, fanden
alle sechs Schiffe, nur mit Ausnahme von „Pacific“, ziemlich frische und be
ständige Briese. Bei derselben steuerten, aufser der nach Lagos bestimmten
„Margaretha Gaiser“, noch der „J. F. Pust“ und die „Pacific“ einen Ost von
den Kap Verden nach Süden führenden Kurs. Ob ihnen dies zum Vortheil
odor Nachtheil gereichte, läfst sich, da die Segelfähigkeit von den in Frage
kommenden Schiffen augenscheinlich eine zu verschiedene ist, auch in diesem Falle
kaum bestimmen. „Adolph“ gewann auf westlicher Route gegen „J. F. Pust“
bedeutend, dagegen blieb die sich ebenfalls wostlieh haltende „Emma Römer“
gegen die östlich gehende „ Pacific“ zurück. Der Passat endete bei „Margaretha
Gaiser“ in 8° N-Br und 18° W-Lg, wie bei „Adelaide“ in 8,6° N-Br und
24° W-Lg am 28. Mai, bei „J. F. Pust“ in 7° N-Br und 21,5° W-Lg am 7. Juni,
bei „Adolph“, für welchen der Nordostpassat unmittelbar in den Südostpassat
überging, in 3,5° N-Br und 24° W-Lg am 2. Juni, bei der vom Stillcngürtol
auch nur kurze Zeit aufgehaltencn „Emma Römer“ in 4,8° N-Br und 23,8° W-Lg
am 12. Juni und bei „Pacific“ in 6,8° N-Br und 24,4° W-Lg am 9. Juni.
4. Reisen von Süd nach Nord.
Die Reise vom Aequator durch den Nordatlantik nordwärts wurde im
Frühling 1886 von 24 für die Seewarte arbeitenden Schiffen zurückgelogt; 20