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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1886. 
Hochdruckgebiet hervorgerufen wurde. Ziuu Passat wurde dieser Wind indessen 
noch nicht. Die weit ausgedehnten Gebiete niedrigen Luftdrucks, welche laut 
Karte XIII in der zweiten Hälfte des März den östlichen Theil des Atlantik 
erreichten, verursachten bei beiden Mitseglern noch wieder südwestliche Winde, 
und es dauerte noch längere Zeit, bevor das Passatgebiet erreicht werden 
konnte. „ Paula“ wurde in dieser Hinsicht mehr begünstigt. Als sie am 28. März 
nach 34,5° N-Br in 16,5° W-Lg vorgerückt war, drehte sich der schwache 
Wind durch Nord nach Nordost, frischte auf und wurde zum Passat. Die Er 
klärung dieses Vorganges giebt die Lage des grofsen, die Breite des ganzen 
Oceans einnehmenden Hochdruckgebietes der Karte XIV. „Saturnus“ und 
„Atalanta“ fanden den Passat erst, nachdem sie vorher längere Zeit durch 
Stille und leisen Zug aufgehalten worden waren. Bei dem ersteren Schiffe 
stellte sich derselbe am 19. März unweit 27,5° N-Br in 20° W-Lg, bei dem 
letzteren in etwa 24,5° N-Br und 21° W-Lg am 23. März ein. Das Passat 
gebiet, in dem alle drei Mitsegler von ziemlich frischem, beständigem Winde 
begünstigt wurden, dehnte sich aus: für „Saturnus“ bis zu der in 26° W-Lg 
überschrittenen Linie, für „Atalanta“ bis 1,7° N-Br in 26° W-Lg und für 
„Paula“ bis nach 1,7° N-Br in 24,7° W-Lg. Im Stillengürtel, durch den 
„Saturnus“ und „Paula“ besonders in südlicher Breite zurückgehalten wurden, 
verbrachte jenes Schiff wie auch „Atalanta“ drei Tage, bevor der Aequator 
überschritten werden konnte. 
In der ersten Hälfte des April vcrliefsen fünf von den Schiffen der Ta 
belle den Kanal oder 50° N-Br, um die Reise zur Linie auszuführen. Es waren 
dies: „Bertha“, „Parnaß“, „Juno“, „Kepler“ und „Neptun“. Unter ihnen zeichnet 
sich das zuerst genannte Schiff durch die Länge seiner 37 Tage dauernden 
Fahrt aus. Dieselbe mag zum Theil wohl verursacht worden sein durch die 
geringere Segelfähigkeit, welche die kleine Brigg gegenüber ihren Mitseglern 
besafs, hauptsächlich wurde sie aber verschuldet durch die ungünstigeren Ver 
hältnisse, welche „Bertha“ auf ihrem Wege zum Passatgebiete fand. Unter dem 
Einflufs von Tiefdruckgebieten, deren Mittelpunkt nordwestlich und nördlich 
von Schottland lag, herrschten vor und südwestlich von dem Kanal anhaltende 
Westwinde, bei denen nur sehr geringer Fortgang erzielt werden konnte. 
(Siehe Karten XIV und XV.) Nach dem 12. April nahm die Reise bei den 
durch das Hochdruckgebiet der Karte XVI geschaffenen günstigen Winden für 
mehrere Tage einen besseren Verlauf. Als aber die von den Azoren kommen 
den, auf Karten XVI und XVII angegebenen Tiefdruckgebiete weiter ostwärts 
vorrückten, stellten sich auch wieder westliche Gegenwinde ein. Die Folge all 
dieser ungünstigen Verhältnisse war, dafs für „Bertha“ 20 Tage erforderlich 
waren, um vom Kanal aus 30° N-Br zu erreichen. Verglichen dagegen, trafen 
es die vier Mitseglor viel günstiger. Bei ihnen stellte sich am 14. April ein 
durch das ebenerwähnte Hochdruckgebiet geschaffener Ostwiud ein, bei dem 
sich für mehrere Tage ein recht günstiger Fortschritt erzielen liefs. Diese 
Schiffe näherten sich daher „Bertha“ rasch, und als sie am 21. April 30° N-Br 
überschritt, that dasselbe auch schon „Parnaß“. Der Nordostpassat stellte sich, 
nachdem von allen Schiffen vorher noch wieder westlicher Wind beobachtet 
worden war, bei „Bertha“ in 23° N-Br und 20° W-Lg, bei „Parnaß“ in 
22° N-Br und 19,3° W-Lg und bei „Kepler“ in 25,2° N-Br und 21,2° W-Lg 
am 27. April, bei „Jzmo“ in 26,5° N-Br und 19,5° W-Lg und bei „Neptun“ in 
27° N-Br und 19,4° W-Bg am 28. April ein. Drei dieser Schiffe: „Parnaß“, 
„Juno“ und „Neptun“, verfolgten jetzt einen Ost von den Kap Verden nach 
Süden führenden Kurs, während „Bertha“ und „Kepler“ diese Inselgruppe an 
ihrer Westseite passirteu. Welche von den beiden Routen in diesem Falle die 
vortheilhafteste war, ist an den bezüglichen Reisen kaum zu entscheiden. Zu 
Vergleichungen sind nur die Reisen der vielleicht gleich rasch segelnden Schiffe 
„Parnaß“ und „Kepler“ geeignet. Am Mittage des 27. April hatte sich das 
erstere Schiff in 21,4° N-Br und 19,5° W-Lg und das letztere in 25° N-Br und 
21,6° W-Lg befunden. Nach dieser Zeit durchsegelten beide das Passatgebiet 
mit nahezu gleicher Geschwindigkeit. Beim Uebergange in das Gebiet des 
Südostpassats wurde „Kepler“ aber entschieden begünstigt vor „Parnaß“, denn 
als bei diesem Schiffe der Nordostpassat am 4. Mai in 5,3° N-Br und 24,3° W-Lg 
endete, stand dasselbe noch mehr als drei Breitengrade südlicher als der Mit-
	        
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