accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

310

Eine  neue  Methode  der  Prüfung  von  Sturmwarnungen  etc.

Eine  neue  Methode  der  Prüfung  von  Sturmwarnungen  und  Ergebnisse
der  Sturmwarnungen  an  den  deutschen  Küsten  im  Jahre  1889.
Von  Dr.  W.  J.  van  Bebber.
(Mittheilung  von  der  Deutschen  Seewarte.)
Auf  den  ersten  Blick  dürfte  es  unschwer  erscheinen,  Sturmwarnungen
und  Wetterprognosen  hinsichtlich  ihres  Erfolges  oder  Mifserfolges  zu  prüfen,
allein,  wenn  man  dieser  Aufgabe  näher  tritt,  so  stellen  sieh  bald  so  erhebliche
Schwierigkeiten  entgegen,  dafs  es  nicht  leicht  wird,  zu  völlig  vorwurfsfreien
Resultaten  zu  gelangen.  Abgesehen  davon,  dafs  viele  Beobachtungen  durch  die
persönliche  Auffassung  des  Beobachters  beeinflufst  werden,  machen  sich  so  viele
Unsicherheiten  in  der  Beurtheilung  bemerkbar,  dafs  e3  in  manchen  Fällen  schwer
ist,  zu  entscheiden,  ob  eine  Vorhersago  als  eingetroffen  oder  als  nicht  eingetroffen ­
  zu  bezeichnen  ist.  Dann  kommt  noch  hinzu,  dafs  sowohl  der  Prüfende
als  auch  der  Beobachter  zu  dem  Endresultate  eine  ganz  verschiedene  Stellung
einnnehmen  können,  wodurch  dasselbe  mehr  oder  weniger  beträchtlich  beeinflufst
wird.  Wünscht  der  Beobachter  ein  günstiges  Ergebnifs,  so  dürfte  er  unbewufster
Weise  mehr  oder  weniger  geneigt  sein,  milder  zu  urtheilen,  und  ebenso  dürfte
der  Beobachter  seine  Beobachtungen  unabsichtlich  mehr  oder  weniger  der
Vorhersage  anschmicgen.  Ein  Beispiel  möge  zeigen,  wie  sehr  die  persönliche
Ansicht  des  Prüfenden  das  Endresultat  beeinträchtigen  kann.  Zweifellos  ist
eine  Centralanstalt,  welche  mit  allen  Mitteln  der  Beobachtung  und  der  Information ­
  ausgerüstet  ist,  um  die  Wetterlage  und  ihre  Aenderuugen  auf  grofsem
Gebiete  kennen  und  verfolgen  zu  können,  und  deren  Kräfte  fast  ausschliefslich
bestrebt  sind,  die  ausübende  Witterungskunde  zu  fördern,  viel  eher  in  der  Lage,
Wettervoraussagen  zu  geben,  als  ein  einzelner  Beobachter  oder  ein  Dilettant;
und  doch  weisen  die  Prüfungen  der  letzteren  durchweg  mehr  Treffer  auf,  als
die  der  Centralanstalten.  Dieses  ist  nicht  allein  in  Deutschland  der  Fall,  sondern ­
  auch  im  Auslande,  wie  ein  neuerlicher  Artikel  in  der  „Nature“  zeigte,
wonach  isolirtc  Beobachter  beträchtlich  mehr  Treffer  angeben,  als  das  meteorologische ­
  Amt  in  London.  Daher  darf  es  uns  nicht  wundern,  wenn  vor  einigen
Jahren  von  einer  Seite  behauptet  wurde,  dafs  Lokalprognosen  eine  gröfsere
Treffsicherheit  hätten,  als  die  Prognosen  der  See  warte.  Ebenso  beanspruchen
die  Moudmeteorologeu  viel  mehr  Treffer,  als  die  Centralinstitute,  obgleich  alle
Erfolge  hier  nur  auf  einer  offenbaren  Selbsttäuschung  beruhen.
Bisher  wurden  an  der  Seewarte  die  Sturmwarnungen  in  der  Weise  geprüft,
dafs  die  Aufzeichnungen  an  den  Signalstellen  nach  Schätzungen  zu  Grunde  gelegt
wurden  und  eine  Sturmwarnung  für  den  betreffenden  Ort  als  günstig  bezeichnet
wurde,  wenn  zwei  Stunden  nach  erlassener  Warnung  ein  Wind  von  der  Stärke  8
der  Beaufort’schen  Skala  und  darüber  geweht  hatte,  als  halb  eingetroffen,  wenn
die  Windstärke  7  erreicht  war,  während  in  allen  übrigen  Fällen  die  Warnung
als  verfehlt  betrachtet  wurde.  Die  Ergebnisse  dieser  Prüfungen  sind  in  den
Monatsberichten  der  Soewarte  für  jeden  Jahrgang  veröffentlicht  worden.  Um
sich  nun  vollständig  frei  von  jeder  Willkür  zu  machen,  wurde  im  Jahre  1889
die  bisherige  Methode  ganz  verlassen  und  die  Angaben  der  an  vei'schiedenen
Punkten  der  Küste  aufgestellten  Anemometer,  welche  die  mittlere  stündliche
Windgeschwindigkeit  in  Metern  pro  Sekunde  registriren,  zur  Prüfung  benutzt.
Indessen  zeigten  sich  zwei  Mifsstände,  welche  den  Werth  der  Prüfung
beeinträchtigen  mufsten,  nämlich  1.  die  verhältnifsmäfsig  geringe  Anzahl  der
Anemometer,  wobei  insbesondere  die  grofse  Lücke  von  Swinemünde  bis  Neufahrwasser ­
  bemerkenswerth  ist,  und  2.  die  ungleichartige  Aufstellung  derselben,
sowohl  in  Bezug  auf  ihre  Höhe  als  auch  ihre  Nachbarschaft,  wenn  auch  die
Einrichtungen  an  unserer  Küste  wohl  die  vollständigsten,  wenigstens  auf  dem
europäischen  Kontinente,  genannt  werden  können.  Die  Anschaffung  und  die
Bedienung  der  Apparate,  sowie  die  Bearbeitung  des  Materials  sind  mit  grofsen
Kosten  verknüpft,  so  dafs  es  schwer  ist,  jene  Lücke  in  genügender  Weise  zu
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.