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Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1889-90.
gebracht worden. Sämmtliche Chronometer, so weit sich dieselben überhaupt
als brauchbar für die nautische Praxis erweisen, werden in vier Klassen ein
geordnet, welche durch folgende Prädikate bezeichnet werdon:
Klasse 1: „Vorzüglich“,
„ 2: „Sehr gut“,
„ 3: „Gut“,
„ 4: „Genügend“.
Für die einzelnen Klassen werden die folgenden Maximalwerthe der die
Fehler der Chronometer zum Ausdruck bringenden Koeffizienten A, B und C
festgestellt:
Klasse
1
2
3
4
A + 2B + C
2,5 s
5,0 s
6,5 s
10,0 s
B
0,75 s
1,2 s
1,6 s
2,5 s
C
0,07ö s
0,10 s
0,12 s
0,2 s .
Diese Gröfsen A, B und C werden berechnet aus den während der
einzelnen Dekaden der symmetrisch vorgenommenen Temperaturprüfung er
haltenen mittleren täglichen Gänge. Zur Bestimmung der Gröfse A sind die
beiden zu gleichen Temperatur-Dekaden gehörigen täglichen Gänge paarweise
zu einem Mittelwerthe zusammenzufassen (siehe Kolumne VI). Es ist dann die
gröfste vorkommende Differenz der so gefundenen Mittelwerthe gleich A zu
setzen. —
Bezeichnet ferner B' die gröfste Differenz der täglichen Gänge von zwei
aufeinander folgenden Dekaden, % die Differenz der Temperaturen dieser beiden
Zeitabschnitte und T die Differenz der höchsten und niedrigsten überhaupt
während der Prüfung vorgekommenen Temperatur, so ist B = B' — ^ A.
Es möge noch bemerkt werden, dafs in Ueberoiustimmung mit dem früher
bereits am Marine-Observatorium zu Wilhelmshaven befolgten Beurtheilungs-
Verfahren auf die etwa von einander verschiedenen Vorzeichen der Gröfsen A
und B keine Rücksicht genommen und das zweite Glied der rechten Seite
obiger Gleichung stets so angebracht worden ist, dafs der absolute Zahlenwerth
verringert wurde. — C oder die mittlere tägliche Acceleration erhält mau,
indem man die Gangdifferenzen von je zwei Dekaden gleicher Temperatur dies
seits und jenseits der Mitte der Prüfungsperiode bildet, dieselben durch die
Anzahl der zwischen beiden Zeitabschnitten liegenden Tage dividirt und aus
den so erhaltenen Zahlen das Mittel nimmt. Zur Erreichung einer gröfseren
Genauigkeit sind in dieser Woise die aus den vier äufseren Paaren von Zeit
abschnitten abgeleiteten Werthe benutzt worden. — In den einzelnen Klassen
werden die Chronometer nach der Summe A -|- 2B -J- C geordnet, d. h. dasjenige
Chronometer, bei welchem diese Sumrno den geringsten Werth erreicht, nimmt
den der Güte nach ersten Rang ein.
Eine Durchsicht der obigen Gang-Tabelle zeigt, dafs das Resultat der
diesjährigen Chronometer-Konkurrenz-Prüfung als ein durchaus befriedigendes
bezeichnet werden kann, indem sämmtliche Chronometer in die vier durch obige
Bestimmungen abgegrenzten Klassen cingeordnet werden konnten. Es sind
also sämmtliche Instrumente als für die nautische Praxis brauchbar befunden
worden. In Bezug auf die Chronometer Ehrlich No. 514 und No. 512, welche
der Klasse 4 angehören, möge noch bemerkt werdon, dafs dio relativ tiefe
Stellung dieser Instrumente durch die ziemlich bedeutende Gröfse der Accele
ration bedingt worden ist. Es läfst sich erwarten, dafs diese Chronometer
nach mehrjähriger Benutzung ein bedeutend günstigeres Resultat liefern werden,
indem die augenblicklich noch vorhandene Acceleration sich dann verloren
haben dürfte und demnach ein Aufrücken dieser Instrumente in höhere Klassen
erfolgen müfste.
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer durch
eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chronometer-Fabrikanten im
Beisein der Beamten des Institutes einer Untersuchung auf ihren gegenwärtigen
Zustand unterzogen. Diese Untersuchung sollte insbesondere feststcllen, ob die
auf dem Institute angewendete Herstellung der höheren Temperaturen durch
kleine Gasbrenner irgend welchen nachtheiligen Einflufs auf die Instrumente,