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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Die Westküste Afrikas zwischen dem Wadi Draa und Kap Juby. 
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Die Westküste Afrikas zwischen dem Wadi Draa und Kap Juby. 1 ) 
Der genannte Küstenstrich bildet ein unabhängiges, von 28° 42' N-Br 
bis 26° 12' N-Br, d. h. von der Grenze Marokkos bis zu den Besitzungen der 
spanischen Kompagnie am Rio de Oro, sich erstreckendes Land, welches unter 
dem Namen Tekna bekannt ist. Der Name wird auch auf das jenseits des 
Draa gelegene, von dem Sultan von Marokko abhängige Land ausgedehnt. 
Die Küste ist meistens sandig, auch die Flüsse, welche nur zu bestimmten 
Jahreszeiten Wasser führen, sind durch Sand und Barren gesperrt. Von Kap 
Juby nordwärts bis Kap Aßemir (Ajfenir) ist die Küste felsig, und an der 
selben befindet sich der einzige natürliche Hafen, Tarfaya, an welchem die 
Niederlassung der Nordwest-Afrikanischen Gesellschaft liegt. Sonst ist das 
Landen von Ladung in Booten überall gefährlich oder unmöglich, nur das 
kleine, Port Victoria genannte Bassin ist durch eine Reihe von Riffen geschützt. 
In den Hafen von Tarfaya können nur kleine Schiffe einlaufen. Gröfsere Schiffe 
finden auf der offenen Rhede 1 /i Sm westlich vom Kastell Ankerplatz. Die 
äufsere Erscheinung der Küste von Tekna ist im Ganzen trocken, sandig und 
einförmig, vom Wadi Draa bis Kap Morro ist der Boden sehr unfruchtbar. 
Ungefähr 8 Sm vom Kap Juby fangen die Sandhügel an, sich mit Tamarisken 
zu bedecken. Bei Tarfaya ist der Boden dürr, und seine Unfruchtbarkeit 
dehnt sich 2 bis 3 Sm in das Inland aus, bis zur Oase Aftut. Dieselbe bildet 
ein 250 bis 300 Fufs hohes Plateau, welches sich ca 12 Sm nach Süden erstreckt. 
Der Boden, welcher in seiner Zusammensetzung und röthlichen Farbe dem von 
Marokko und Andalusien gleicht, ruht auf Kalkstein. Die wilde Vegetation 
besteht aus dichtem Gebüsch, Kakteen und anderen fleischigen dornigen Pflanzen. 
Das Klima von Tekna wird für gesund gehalten. An der Küste steigt 
das Thermometer gewöhnlich am Tage nicht über 30° C. und sinkt Nachts nicht 
unter 19° oder lö 1 /* 0 , im Inneren kommt es in der trockenen Jahreszeit bis 
auf 38° oder 40°. 
Die Eingeborenen tragen die allgemeine Bezeichnung Ait-el-Jamel und 
Biläl, theilen sich jedoch in eine Anzahl kleiner Stämme. Die meisten leben 
in Zelten, viele nomadisiren. Die Bevölkerung ist eine sehr dünne. Der Race 
nach zerfallen die Einwohner in Neger und Araber, von denen sich die letzteren 
durch ihre gröfsere Figur auszeichnen, sie leben aber zusammen wie ein Volk. 
Sie sind sehr eifrig auf Handel aus, sind aber habsüchtig und betrügerisch. 
Europäer können jedoch durch sicheres und ruhiges Auftreten gut mit ihnen 
fertig werden. 2 ) 
J ) „Africa Pilot“, Part I, 1885, Seitc 67 u. f. 
! ) „Le Mouvement Géographique“, 22' 1 Sept. 1889.
	        
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