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Die Winde zu Keitum auf Sylt.
Tabelle 18.
Die Beziehung der Stürme zu Keitum zu den barometrischen
Depressionen.
Lage
Mittlere
Mittlerer
Mittlere
Mittlere
Zugstrafse
Frequenz
des
Depressions-
Tiefe
Gradient
Dauer
Geschwindig
keit
Centrums
mm
mm
Stunden
m per Sek.
Ia
15
WNW-N i)
731
4,7
7,0
16,3
Ib
1
N
723
2,9
5,0
16,6
Ic
1
N
720
3,5
22,0
17,3
II
11
NW—NNE 4 )
735
2,9
4,4
15,4
III
5
W—NE
732
5,1
3,2
/17,1*
\ 16,8
lila
2
ENE—E
738
2,7
2,0
16,5
Illb
2
W-WNW
734
3,4
2,5
15,4
IVa
5
W—N
736
4,3
6,8
/17,1*
\ 17,3
IVb
2
Centrum in S
734
3,5
5,5
/17,7*
1.16,8
Mittel
731
3,7
6,5
/16,6*
116,5
1) Das Depvessions-Centruni lag 1 Mal in WSW, 6 Mal in NW, 4 Mal in NNW und
4 Mal in N. — 2) 3 Mal in NW, 2 Mal in NNW, 4 Mal in N und 2 Mal in NNE.
Je 1 Mal, beim Mittel 3 Mal, konnte der Gradient nicht bestimmt werden; die mit * be-
zeiehneten Werthe der Geschwindigkeit beziehen sich auf die Fälle mit bekannten Gradienten.
Diese Zusammenstellung zeigt, dafs sich die meisten Sturmcentra auf der
Zugstrafse I (vgl. van Bebber, Handbuch der ausübenden Witterungskunde,
Band 2, Seite 278) bewegen, und zwar vornehmlich auf Ia, während sonst Ib
und Ic häufiger betreten werden. Die auf diesen Bahnen passirenden Depressionen
sind die tiefsten, sie bringen uns die andauerndsten Stürme; die Geschwindig
keit dieser Winde ist ungefähr die mittlere. Nach I kommt als frequenteste
die Route II, welche von W nach B durch Südskandinavien führt. Die ihr zu
gehörigen Stürme haben rücksichtlich der kleinen Gradienten, der geringen
Geschwindigkeit und der kurzen Dauer einige Aehnlichkeit mit denen, deren
Centra auf lila und Illb einherziehen. Allem Anschein nach gehören also die
schwersten und andauerndsten Stürme zu Depressionen der Zugstrafsen I, III
und IY. — Während die Stürme zu Keitum tosen, liegen ihre Centra fast
immer zwischen W und N, woraus sich die vorherrschenden Richtungen der
stürmischen Winde von selbst erklären.
Bei 19 Stürmen bewegten sich die Centra nicht auf den typischen Bahnen;
nimmt man auch diese mit zu den übrigen hinzu, so erhält man als mittlere
Dauer aller stürmischen Winde 4,7 Stunden und als mittlere Geschwindigkeit
16,7 m per Sek. Bs folgt daraus, dafs die solchen erratischen Minimis zu
gehörigen Stürme den anderen zwar an Heftigkeit nicht nachstehen, dafs ihre
Dauer aber erheblich geringer ist.
Schliefslich möge hier noch eine Vergleichung der jährlichen Periode
der Sturmtage an der deutschen Nordseeküste und an den englischen Küsten
Platz finden. Bür die deutsche Nordsee sind benutzt die zehnjährigen Beob
achtungen (1876—85) von Borkum, Wilhelmshaven, Hamburg und Keitum nach
den von der Deutschen Seewarte publicirten Dezenniumsmitteln, die Werthe für
die englischen Küsten sind in dem Report of the Meteorological Council for
the year ending 31. of March 1887 veröffentlicht, sie beziehen sich auf 15 Jahre
(1871—85), doch ist nicht gesagt, wieviel Stationen zu jeder Gruppe kontribuiren,
so dafs eine Vergleichung der absoluten Anzahl der Sturmtage nicht zulässig
ist, wenigstens nicht für die deutschen und die englischen Küsten.