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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Kleine Notizen. 
Gegen 10 h a. m. wurde ein mit in Oel getränktem Werg gefüllter Sack 
an St-B. Fisch-David so über Wasser gelassen, dafs er beim Einsetzen in die 
See unter Wasser tauchte. Das Resultat war ein ziemlich gleichmäfsiger, ver- 
hältnifsmäfsig breiter Oelstreifen entlang dem Schilfe an St-ß., welcher, soweit 
sich dies bei der kurzen achterlich auflaufenden See erkennen liefs, eine Glättung 
der zum Ueberkommen neigenden See vernnlafste. 
In noch höherem Mafse wurde dies erreicht, als um ll h aufser jenem 
Sack noch das St-B.-Mannschafts-Klosett zu Hülfe genommen wurde. Als in 
Luv nicht in Gebrauch, wurde das Abilufsrohr mittelst Pfropfen von Werg 
derartig abgedichtet, dafs das hineingegossene Oel nur tropfenweise hindurch 
sickern konnte. Die Oelschicht längs der St-B.-Seite wurde hierdurch bedeutend 
gleichmäfsiger, denn der nur ab und zu eintauchende Sack hatte immerhin, 
trotz seines andauernden Tröpfelns, sehr verschieden gewirkt. Die Glättung 
der See machte sich jetzt in einem breiten Streifen achteraus bemerkbar, der 
nach Schätzung gut 200 — 300 m betrug, so dafs es bei geringerer Fahr 
geschwindigkeit — S. M. S. „ Preußen“ lief 10 Sm pro Stunde — wohl möglich 
gewesen wäre, ein Boot im Schlepp zu führen, was ohne Oelglättung bei der 
auflaufenden See nicht möglich gewesen wäre. 
Da um 12 h Mittags der Wind weiter nach Süden ging, wurde der Sack 
mit ölgetränktem Werg nach B-B. geschiftet. Die See lief inzwischen nahezu 
achterlich. Das beobachtete Resultat war dasselbe. Bis 5 b p. m., d. h. bis 
Dunkelwerden, wurde mit dem Versuch fortgefahren, und wurden während der 
ganzen Zeit 75 kg Oel verbraucht. Dafs das Resultat den Erwartungen nicht 
ganz entsprochen, ist wohl in der grofsen Geschwindigkeit des Schiffes zu 
suchen, und werden voraussichtlich Versuche bei beigelegtem Schiffe bessere 
Resultate erzielen. 
2. Preise für Versuche über den Gebrauch von Oel zur Be 
ruhigung der See. Die Handelskammer von Bordeaux hat eine Reihe von 
Preisen ausgeschrieben für Versuche über den Gebrauch von Oel auf See, be 
sonders zur Feststellung der besten Art und Weise der Anwendung und der 
praktischen daraus abgeleiteten Vortheile. Es sind drei Sätze von Preisen aus 
gesetzt, jeder aus einem ersten Preis von 200 Fr. und einem zweiten von 100 Fr. 
bestehend, welche für die besten bis zum 31. Januar 1891 eingegangenen Be 
richte über wirklich gemachte Erfahrungen gezahlt werden. Das Programm für 
die Bewerbungen lautet wie folgt: 
1. Dampfschiffe. Versuche über den Gebrauch von Oel müssen unter 
verschiedenen Verhältnissen gemacht werden, besonders unter den folgenden: 
Schwere See von vorne; schwere See von achtern; in schlechtem Wetter 
schleppend; Maschine oder Ruder gebrauchsunfähig. 
2. Segelschiffe. Versuche unter verschiedenen Verhältnissen, besonders 
beim Segelpressen bei starkem seitlichem Winde. 
Es müssen ferner Versuche über den Gebrauch von Oel beim Führen 
und Heifsen von Booten gemacht werden, beim Anbord nehmen eines Lootsen, 
bei Rettungsversuchen auf See, auf einem ungeschützten Ankerplatz einen Sturm 
vor Anker abreitend, beim Löschen und Laden auf offener Rhede, beim Wenden 
und Halsen. 
3. Fischerboote, Lootsenboote, Yachts, Rettungsboote u. s. w. Versuche 
über den Gebrauch von Oel beim Passiren von Barren, beim Landen in Bran 
dung u. dgl. 
Allgemeine Bestimmungen für die Bewerber. Jeder Versuch mufs voll 
ständig so bald als möglich beschrieben werden und eine Beschreibung unter 
dem betreffenden Datum in das Loggbuch de3 Schiffes eingetragen werden. Bei 
Fischer- und Lootsenbooten ist dies nicht nöthig, sie müssen jedoch nach Rück 
kehr in den Hafen vollständige Angaben vor den Marinebehörden machen. 
Richtung und Stärke des Windes, Zustand der See, die Verhältnisse und 
die Fahrt des Schiffes sind genau anzugeben; desgleichen der für das Oel zur 
Verwendung gekommene Apparat und der Platz, wo derselbe angebracht war, 
die in der Stunde verbrauchte MeDge von Oel, die Art des angewandten Oels, 
entsprechend der Temperatur des Wassers.
	        
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