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Full text: 48, 1929/1930

Lucie Raehder: Grundlagen und Versuch einer landsehaftskundl. Gliederung der nördl. algerischen Sahara. 28 
dem geologischen Aufbau resultiert — unter Druck. Überall ist das Ighargharbecken von einem riesigen 
Grundwasserflöz unterlagert, das in einigen Fällen mehr linear ausgebildet ist und mehr Grundwasser 
strömen als Grundwasserseen vergleichbar ist. Wie sich zeigen wird, entspricht fast jedem Wadi ein 
Grundwasserstrom. 
So liegt in der Kreideformation das Grundwasserflöz in den mit undurchlässigen Mergeln ab 
wechselnden durchlässigen Kalkschichten und wird in einer Tiefe von 75 m angetroffen. Andererseits 
bestehen auch in den quartären Ablagerungen Grundwasserseen, und zwar dort, wo die durchlässige 
Masse der Sandsteine, Sande und Lehme mit der undurchlässigen der Mergel, Tone und Puddingsteine 
wechselt 53 ), dicht unter der Erdoberfläche bis zu einer Tiefe von 10 m. Diese letztere Schicht sei Ober 
grundwasser genannt 54 ) zum Unterschied vom Tiefengrund wasser, das unter artesischem Druck steht. 
1. Das Ober grundwasser 
ist überall da vorhanden, wo nach einem starken Regenfall ein großer Teil des Wassers in den lockeren 
Boden einsickert und auf eine undurchlässige Gesteinsschicht, etwa Mergel- oder Tonbänke, trifft. Hier 
staut es sich in einer Tiefe bis zu 10 m auf oder fließt je nach der Neigung der Schicht als Grundw'asser- 
strom weiter. Je trockener die Jahreszeit, desto unbedeutender ist die Schicht des Obergrundwassers; 
es ist also unbeständig und keineswegs artesisch. Je tiefer der Grundwasserspiegel liegt, um so besser 
ist das Wasser, das bei geringer Erdtiefe zu wenig filtriert ist und noch einen starken Salzgehalt auf- 
weist. Es wird von den Eingeborenen in Schöpf- oder Ziehbrunnen gewonnen — man kann es aber auch 
am Fuße der Erddünen, die das Wasser direkt aufsaugen, manchmal leicht ergraben. Die Brunnen, 
denen man auf den verschiedenen Karawanenstrecken am häufigsten begegnet, werden Hassi oder Bir 
genannt. Lahache gibt für die Gegend von Wargla zwei Wasserschichten an: eine oberflächliche, die wenig 
tief liegt und den Schöpfbrunnen das Wasser liefert, und eine zweite in einer Tiefe von 35—40 m, die in 
Quarzsanden unter einer Tonschicht zirkuliert. Dieses Flöz ist reich und steigt unter artesischem Druck 
auf, ohne jedoch eigentlich aufsprudelnde Quellen zu veranlassen. Ob in noch größerer Tiefe andere 
Grundwasserflöze liegen, ist nicht bekannt. 
Da das Obergrundwasser nur von eingesickertem Regen-, Fluß- oder Quellwasser gespeist wird, ist 
seine Verbreitung ganz lokal und an keine bestimmte Gegend gebunden. Reichlich und zuverlässig ist 
sein Vorkommen in den Trockenbetten. Viele Reisende berichten, daß es genügte, ein Loch von 2—3 m 
Tiefe zu graben, in dem sich nach einiger Zeit Grundwasser sammelte. Ganz anders steht in dieser 
Beziehung das Mzabplateau da; das Wasser wird von den mächtigen durchlässigen Kalken zu wenig 
gehalten, so daß man Obergrundwasser erst in einer Tiefe von 50 m antrifft. 
Wichtig für die Ansammlung des Obergrundwassers ist das Vorhandensein der pfannenförmigen 
Daya oder Maäder, die auch einen unterirdischen Abfluß besitzen. Von diesem Grundwasser unter 
scheidet sich das 
2. Tiefengrundwasser 
in jeder Hinsicht. Durchschnittlich liegt es in einer Tiefe von 75 m und besteht aus zahlreichen, 
übereinander liegenden Grund wasserlagen. Unter diesen hebt Rolland zwei große wasserführende 
Schichten hervor 55 ): eine zwischen dem Turon unter der Decke der senonen Mergel und die andere 
tiefere unter den cenomanen Mergeln. Dieses Tiefengrundwasser ist keineswegs nur lokal ausgebildet, 
sondern — ganz allgemein gesprochen — über das ganze Becken des Ighaghar verbreitet. Überdies ist 
es dauernd vorhanden, und dies hängt, wie sich zeigen wird, mit der Erhaltung desselben zusammen. 
M ) Choisy, Documents etc., 1910, S. 26. 
**) Schönith nennt sie Etagengrun d wasser — der Ausdruck könnte zu der irrtümlichen Annahme führen, als 
lägen diese Grundwasser etagenförmig untereinander. 
M ) Rolland: De l'alimentation d'un grand bassin artésien dans le désert. S. 524,
	        
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