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Ann. d. Hydr. etc., XVIII. Jalirg. (1890), Heft VII.
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Studien über den Einflufs des Mondes auf die Witterung.
Von Di-. G. Meyer in Aachen.
(Mittheilung von der Deutschen Seeicarte.')
Von den Meinungen über den Einflufs des Mondes auf das Wetter seiden
mir die besonders einer Prüfung zugänglich zu sein, dafs im Winter der Voll
mond das Frostwetter ändere, da ich diese Meinung häufig durch eigene
Beobachtung bestätigt fand, und die Vergleichung des Luftdrucks bei den ver
schiedenen Mondstellungen konnte hierüber am sichersten Aufschlufs geben.
Obgleich derartige Untersuchungen nun seit langer Zeit gemacht waren und ein
vorwiegend negatives Resultat ergeben hatten, so glaubte ich doch mit Hülfe
des Materials der neueren synoptischen Wetterbeobachtungen vielleicht zu einem
günstigeren Ergebnifs zu gelangen, da es hiermit möglich schien, die lokalen
Witterungseinflüsse zu eliminiren, indem man nicht den Barometerstand des
einzelnen Ortes, sondern den durchschnittlichen Barometerstand eines gröfseren
Gebietes in Berechnung zog. Indem ich also die fortlaufende Kurve der täg
lichen Barometerbewegung im Mittel aus mehreren Beobachtungsstationen kon-
struirte, schien mir zunächst ein Einflufs des anomalistischen Monats hervorzu
treten, da sich aber derselbe in verschiedenen Jahren abweichend zeigte, nahm
ich an, dafs die verschiedenen Mondperioden, der anomalistisclie, periodische,
synodische und drakonische Monat, ihre besondere Wirkung hätten, und um
jede für sich darzustellen, brachte ich 18 Jahre in Rechnung, in welchem Zeit
raum die Mondpunkte in die verschiedensten Stellungen zu einander kommen
und wieder ungefähr in die Anfangsstellung zurückkehren. Endlich schien mir,
dafs die Mondwirkung sieh je nach den Jahreszeiten ändere, so dafs der durch
schnittliche Barometergang für die Mondperioden, für die vier Jahrszeiten, dann
aber für jeden Monat berechnet wurde, indem ich das Jahr für den anomalisti
schen, periodischen und drakonischen Monat in 13 27- bis 28-tägige Monate,
für den synodischen in 12 29- bis 30-tägige theilte. (Dabei blieben im Sommer
einige Tage unberechnet; eine Theilung des Jahres in 13 28-tägige resp.
12 30-tägige Monate wäre ebenso zweckmäfsig gewesen, da aber die gefundenen
Zahlen überhaupt noch nicht ganz genau sind wegen des mir vorliegenden lücken
haften Beobachtungsmaterials der Jahre vor 1876, habe ich einstweilen von
einer Umrechnung abgesehen.) Die in Folgendem wiedergegebenen Zahlenreihen
sind also berechnet aus dem durchschnittlichen Barometerstand einer Anzahl
von Stationen, in späteren Jahren namentlich von Christiansund—Brest—Ham
burg— München—Memel, aus 18 Jahren, und zwar 1869 bis 1886 (Tabelle V
1870 bis 1887 infolge einer Neuberechnung), und wurde schliefslieh statt des
Werthes eines Tages der mittlere Werth dreier benachbarter Tage eingesetzt.
Die Reihen I, II, III... eines Jahres, z. B. für den anomalistischen Monat,
beziehen sich auf die Zeit vom 1. bis 28. Januar, 29. Januar bis 24. Februar,
25. Februar bis 24. März u. s. w.