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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1886. 
Die starke Abkühlung, welche unter dem Einflüsse der Druckabnahme 
auf dem Mittelmeere und der Druckzunahme auf dem Ocean vom 9. bis 13. 
Frankreich betroffen hatte, pflanzte sich, als die nördlichen Winde auch im 
Nordseegebiet allgemein wurden, ostwärts fort, so dafs namentlich im west 
lichen Alpengebiete die Tage vom 15. bis 18. sehr kühl waren. 
Im Zeitabschnitt vom 22. bis 27. April dauerte die Brücke relativ 
hohen Luftdrucks von Ostrussland bis Nordgrönland, welche sich im vorher 
gehenden Zeitabschnitt gebildet hatte, mit geringen Unterbrechungen fort, bis 
sie am 28. und 29. durch eine Depression, die am 27. auf der Nordsee ent 
standen war und von hier sich ostwärts bewegte, zerstört wurde. Auf dem 
weiten übrigen Gebiet der Karte findet sich die mittlere Isobare 765 nicht 
wieder, weil das von Ohio über die Bermuden ostwärts fortschreitende 
Maximum zu gering war, und zu rasch sich bewegte, um den mittleren 
Druck so zu steigern. Erst in dem folgenden kurzen Zeitabschnitt vom 
28. bis 30. tritt es westlich von den Kanai'en in der Isobare 765 hervor 
und liefert damit endlich wieder einen Anklang an das normale Hochdruck 
gebiet der Bossbreiten. Dasjenige im Norden von Island dauert dabei fort. 
Beiden Zeitabschnitten gemeinsam ist die Zahl und Tiefe der Depressionen in 
den dazwischen liegenden Breiten von 35° bis 55° N, welche hier die mannig 
faltigsten Bewegungen um einander, unter Neubildung und Verschwinden, aus- 
fiibrten. Bei der Verfolgung dieser mannigfaltigen, aber im Allgemeinen den 
bekannten Gesetzen der gegenseitigen Beeinflussung der Wirbel entsprechenden 
Bewegungen mögen einige Notizen aus den Schiffsjournalen zur Ausfüllung der 
24stündigen Lücken zwischen den Karten dienen. 
Am 21. April. S. 39 (38° W, 39° N). Dm 12 p niedrigster Luftdr. 719,5, bei NW 10. — 
D. 12 (46° W, 43° N). Um 12 a Wind umlaufend nach Ost, Bar. 746,8. — D. 26 (42° W, 43° N) 
um 8 p SE7, Bar. 750,6. — S. 86 (18° W, 36° N T ). Um a SSE 6, um 2 a Windstille, um 4 a 
NNW 5, und um 12 p SW 7. Um 2 a heftiges Gewitter und niedrigster Luftdruck 749,8. 
Am 22. April. D. 10 (34° W, 25° N). Während heftiger Böen St Elmsfeuer an Mast 
spitzen und Raanocken, 
Am 23. April. S. 80 (19° W, 48° N). Wind um 2 a NEzE 10, um 4 a NNE 9, um 8 a 
NW 10, um 12 p WSW 4; wilde unregelmäfsige See. 
Am 25. April. S. 39 (38° W, 42° N). Um 4 a niedrigster Luftdr. 746,2, bei ENE 2, um 
8 a SE 4, um 10 a NNW 5, um 8 p N 6. 
Am 26. April. S. 56 (45° W, 46° N). Um 4 a niedrigster Luftdr. 743,0 bei SEzS4, um 
6 a WzN 5, und um 12 p WKW 8. 
Am 27. April. D. 30 (45° W, 42° N). Um 8 l /2 p niedrigster Luftdr. 735,4, bei von 
ESE 9 nach SSW 5 umspringendem Winde. Im Westen häufiges Blitzen. — S. 56 (46° W, 45° N). 
Wind um 0 h a. m. W 8, um 8 a leiser veränderlicher Zug, um 12 a ESE 7, um 10 p ESE 11, um 
12 p WNW 6; um 12 p niedrigster Luftdr. 736,0; während des Tages Schnee- und Hagelböen und 
wolkenbruchartiger Regen mit Blitzen. — D. 7 (45° W, 45° N). Um 8 p Wind N 5, Bar. 740,5. 
— D. 52 (44° W, 43° N). Um 12 p Bar. 738,6 bei SSW 12. 
Am 28. April. D. 58 (50° W, 42° N). Um 8 p Bar. 741,3 bei SSW 5. — S. 56 (45° W, 
45° N). Wind um Oh a. m. WNW 6, um 8 a W 6, um 2 p SSW 7, um 4 p SE 8 um 8 p S 7 und 
um 12 p SSE 4. Luftdr. um 0 !l a. m. 736,0, um 12 a 743,5. Blitzen. 
Am 29. April. S. 56 (47° W, 45°N). Um 4aSE4, um 12 a S7, um Sp Windstille, zur 
letzteren Zeit niedrigster Luftdr. 737,0. 
In den letzten Tagen des April entfernte sich der letzte der im östlichen 
Theile des Oceans gelegenen Wirbel nach Westeuropa, um sich da zu verlieren, 
und hierauf erhielt der westliche, noch stärkere Wirbel, der vom 26. bis 30. 
beinahe stationär südöstlich von Neufundland gelegen hatte, durch den steigenden 
Luftdruck im Osten und das Erscheinen einer Depression über den Vereinigten 
Staaten einen Antrieb nach Norden, wodurch die Wetterlage auf dem Oeean 
einen anderen normaleren Charakter bekam. Es stellte sich eine Zunge hohen 
Luftdrucks her, die von Skandinavien weit über Madeira hinausreichte, und an 
deren eingebuchtetem Westrande zwei cyklonalc Wirbel hintereinander dahin 
glitten, den hohen Druck, wie gewöhnlich, zur Hechten behaltend. Die Be 
wegung des gröfseren ersten dieser Wirbel, welcher schon oben erwähnt wurde, 
liefs am 1. Mai z. B. auf dem Schiffe 59 in 39° W und 45° N den Wind von 
SW 5 um 2 a in WNW 8 um 8 a, WNW 11 um 12 a und WNW 10 um 12 p 
übergehen; der niedrigste Barometerstand wurde auf diesem Schiffe mit 738,5 
schon um 0 h a. m. dieses Tages erreicht. Ebenso liefs der zweite dieser Wirbel 
am 5. Mai auf Schiff 69 in 42° W und 43° N den Wind von SSE 5 um 4 a zur 
Windstille von 6 a an abflauen, um 8 p aber hatte es NNW 5 und um 12 p N 8.
	        
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