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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1886. 
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während es vorher orkanartig geweht hatte. — D. 26. Um 0 a Wind S 11 Gewitter. Um 3 a. 
flaute der Wind plötzlich ab und sprang um nach W. Um 4 a drehte der Wind nach N und 
steigerte sich zum Orkan. Um 4 a niedrigster Luftdr. = 725,8 mm. 
Am 2. April. S. 74 (60,5° N, 8° W). Um 2 p niedrigster Luftdr. = 733,0 mm und Wind 
SSE 12. 
Die Vertheilung des Luftdrucks war während des folgenden Zeit 
abschnittes vom 3. bis 11. April im Ganzen und Grofsen dieselbe, wie im 
eben besprochenen, und dementsprechend hielt auch das warme Wetter in 
Europa an. Tiefe barometrische Minima bewegten sich auch in diesen Tagen 
auf dem Räume zwischen Schottland, Norwegen und Island, und eine breite 
südwestliche Luftströmung, die gelegentlich stürmisch wurde, herrschte vom 
Golf von Biscaya bis zum Weifsen Meere. Allein im Alpengebiete und auf dem 
Mittelmeere war der Luftdruck erheblich niedriger, als in den vorhergehenden 
Tagen, und gegen das Ende dieses Zeitabschnittes wurde Centraleuropa zu 
einem Gebiete niederen Druckes, theils durch Fortpflanzung eines Theilminimums 
aus NW dorthin, theils durch Ausbildung und entgegengesetzte Bewegung eines 
solchen über dem Mittelmeere. Beide Minima waren nahezu gleichwerthig, 
so dafs sie am 11. Theilcentren einer einzigen bedeutenden Depression über 
Mitteleuropa bildeten, welche sich, dem bekannten Gesetze folgend, in nahezu 
entgegengesetzter Richtung bewegten. 
Auf dem Ocean hatte während dieser ganzen Zeit das fortdauernd stark 
entwickelte Gebiet hohen Luftdrucks seinen Mittelpunkt in der Nähe der Azoren, 
meist westlich von diesen Inseln. Im Norden war nächst der ausserordentlich 
tiefen, vorhin erwähnten Cyklone, welche sich nach dem russischen Eismeer 
entfernte, besonders dasjenige Minimum von Interesse, welches sehr schnell 
von der Davisstrafse hergezogen kam und sich dann, seinen Lauf mäfsigend, 
über Schottland intensiv entwickelte. Sein Vorübergang ist wiederum besonders 
an den Beobachtungen von Stornoway sehr kenntlich: am 7. April, 8 a, hatte 
dieser Ort noch SSW 4 und 750,0mm Luftdruck, um 2 p ESE 5 und 743,4, um 8 p 
ENE 7 und 736,3, am 8. April, 8 a, NW 3 und 727,4, am 9. 8 a, WNW 7 und 
732,8 mm. Die zunehmende Tiefe des Wirbelcentrums bedingte, dafs das Ba 
rometer noch fiel, als das Centrum sich schon zu entfernen begonnen hatte. 
Hiernach war es mit den grofsen Druckphänomenen — insbesondere den 
ausgedehnten und intensiven Cyklonen — für lange Zeit zu Ende, und es kam 
eine Zeit der unregelmäfsigen Druckvertheilung, der kleinen und wenig intensiven 
Depressionen auf den Kontinenten und Maxima auf den Oceanen, wie sie be 
sonders den Frühling mit seinen Kälterückfällen charakterisiren. Denn wie wir 
schon früher hervorgehoben haben, ist in der wärmeren Jahreszeit eine winter 
liche Druckvertheilung mit sommerlicher Wärme, eine sommerliche oder früh- 
lingsmäfsige Druckvertheilung aber überwiegend mit kühlem Wetter verbunden. 
Die beiden Zeitabschnitte vom 12. bis 16. und vom 17. bis 21. April, 
welche ihrer Kürze wegen auf Karte XVI verbunden sind, haben das Gemein 
same, dafs das Hochdruckgebiet der Rossbreiten fast ganz von seiner Stelle 
gerückt war, und dafs während des gröfsten Th eiles derselben auf der Mitte 
des Oceans zwischen 35° und 50° N Breite eine Depression lag. 1 ) Andererseits 
erkennen wir auf dem Ocean und an dessen Rändern eine Anzahl Maxima, 
deren Entwickelung in den Hauptzügen die folgende war. Durch die schnelle 
Annäherung des Maximums, welches am 14. bei Manitoba erschienen war, wurde 
das bis dahin bei den Azoren stationäre Maximum zu einer Bewegung nach 
Norden veranlafst, welche es in dio Nähe der britischen Inseln brachte. Das 
amerikanische theilte sich am 14. in zwei Hälften, deren eine an der Mündung 
des St. Lorenz-Stromes ziemlich stationär blieb, bezw. eine Schleife um diese 
beschrieb, während die andere bis zum 19. April nach den Kanarischen Inseln 
wanderte. 
l) Stürmisch wurde der Wind in diesen Depressionen kaum; nur jene am 19. April erlangte 
bedeutende Stärke. Notizen aus Schiffsjournalen: 
Am 16. April. S. 62 (26° N, 64° W). Niedrigster Luftdr. um 4 h a = 753,5mm. Wind 
um 0 h a SE 7; um 8 b a SW 2; um 4 b p. WNW 3 und um 12 h p ENE 7. 
Am 19. April. S. 43. In 37° N und 40° W. Um 12 h a niedrigster Luftdr. = 742,0 mm. 
Wind um 0 h a S 9; um 12 h a E 3 und um 10 b p NNW 10. Gewitter.
	        
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