accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

230 
Segelanweisung für den Hafen von Memel. 
25. In der Nähe dieses Lootsenthurmes, seewärts davon, steht auch der 
Sturmsignalmast, an dem die Sturmsignale aufgezogen werden. 
26. Die Anker-Rhede wird gefunden 
bei Tage: „Die Baken in eins SOzO und die Holländische Mutze in 
NNO peilend auf 19 bis 23m Wassertiefe“; 
des Nachts: „Das Feuer auf dem Leuchtthurm OSO per Kompafs 
habend, auch auf 19 bis 23 m Wassertiefe“. 
27. Bei auflandigen Stürmen auf dieser Rhede zu ankern, ist nicht 
rathsam, so lange das Schiff die Küste noch frei segeln kann, denn die hier 
ankernden Schiffe arbeiten in den schweren Sturzwellen zu stark, als dafs ohne 
sehr gute Anker, Ketten und Spill ein Abreiten des Sturmes möglich wäre. 
28. Da die Richtung sowie auch die Tiefe des Seegats, besonders bei 
der Frühjahrsabwässerung, häufig nicht unbedeutenden Veränderungen unter 
worfen ist und nicht immer mit der Bakenlinie und der im ersten Abschnitt 
angegebenen Wassertiefe übereinstimmen dürfte, haben die Führer der an 
segelnden Schiffe auch auf die folgenden Signale wohl zu achten: 
a) Wenn die Winkbake und die kleine Richtuugsbake (mittlere Bake) 
beide niedergelegt sind, so darf kein Segelschiff einlaufen (siehe § 21), 
mufs vielmehr versuchen, sich von der Küste frei zu kreuzen und, 
wenn das nicht gelingen will, ankern. 
b) Ist der Ballon am Leuchtthurm geheifst, dann darf überhaupt kein 
Schiff einlaufen (siehe § 22). 
c) Die rothe Flagge auf der Winkbake, womit, wie bereits in § 18 an 
gegeben, die Schiffe eingewinkt werden, wenn sie einen Lootsen nicht 
an Bord haben, bedeutet auch, dafs die Wassertiefe in der Rinne 
des Seegats 6,0 m ist; die geringere oder gröfsere Wassertiefe in der 
Rinne wird, wenn der Lootsen-Kommandeur etc. es für zweckmäfsig 
hält, aber in der Art an der mittleren Bake signalisirt, dafs jeder 
Ballon an der Südseite derselben 0,3 m weniger und jeder Ballon an 
der Nordseite 0,3 m mehr als 6,0 m Wassertiefe im Seegat anzeigt. 
Demnach wird: 
1. für verminderte Wassertiefe im Seegat auf der Südseite der mitt 
leren Bake bedeuten: 
1 Ballon = 5,7 m, 
2 Ballons = 5,4 m, 
3 Ballons = 5,1 m u. s. w., 
2. für vergröfserte Wassertiefe im Seegat auf der Nordseite der 
selben Bake aber: 
1 Ballon = 6,3 m, 
2 Ballons = 6,6 m, 
3 Ballons = 6,9 m u. s. w. 
29. Das Ein winken der Schiffe mit der Winkbake, wie vorhin angegeben, 
kann immer nur einem und zwar demjenigen Schiffe gelten, das dem Seegat am 
nächsten ist, weshalb das gleichzeitige Einlaufen zweier oder mehrerer Schiffe 
durchaus nicht erfolgen darf. Erst dann, wenn das eingewinkte Schiff zwischen 
den Molen und dort mit einem Lootsen versehen ist, wird das dem Seegat nun 
am nächsten befindliche Schiff ebenso eingewinkt werden. 
Nur auf diese Weise kann das Ein winken mehrerer Schiffe nach einander 
erfolgen. Diese Reihenfolge ist nothwendig, um Irrungen zu vermeiden. 
Dabei wird nochmals den Führern dieser Schiffe empfohlen, recht viel 
Segel zu führen, vorzugsweise wenn der Strom stark auslaufend ist, was besonders 
im Frühjahr und im Herbst der Fall sein wird, und die vorhin erläuterten 
Signale mit der Winkbake genau und schnell zu befolgen. 
30. Jedes ankommende Schiff, das durch einen Dampfer in den Hafen 
geschleppt sein will, hat zwei Flaggon untereinander an der Gaffel aufzuheifsen 
und sich der Ansegelungstonne so viel als möglich zu nähern.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.