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Segelanweisung für den Hafen von Memel.
25. In der Nähe dieses Lootsenthurmes, seewärts davon, steht auch der
Sturmsignalmast, an dem die Sturmsignale aufgezogen werden.
26. Die Anker-Rhede wird gefunden
bei Tage: „Die Baken in eins SOzO und die Holländische Mutze in
NNO peilend auf 19 bis 23m Wassertiefe“;
des Nachts: „Das Feuer auf dem Leuchtthurm OSO per Kompafs
habend, auch auf 19 bis 23 m Wassertiefe“.
27. Bei auflandigen Stürmen auf dieser Rhede zu ankern, ist nicht
rathsam, so lange das Schiff die Küste noch frei segeln kann, denn die hier
ankernden Schiffe arbeiten in den schweren Sturzwellen zu stark, als dafs ohne
sehr gute Anker, Ketten und Spill ein Abreiten des Sturmes möglich wäre.
28. Da die Richtung sowie auch die Tiefe des Seegats, besonders bei
der Frühjahrsabwässerung, häufig nicht unbedeutenden Veränderungen unter
worfen ist und nicht immer mit der Bakenlinie und der im ersten Abschnitt
angegebenen Wassertiefe übereinstimmen dürfte, haben die Führer der an
segelnden Schiffe auch auf die folgenden Signale wohl zu achten:
a) Wenn die Winkbake und die kleine Richtuugsbake (mittlere Bake)
beide niedergelegt sind, so darf kein Segelschiff einlaufen (siehe § 21),
mufs vielmehr versuchen, sich von der Küste frei zu kreuzen und,
wenn das nicht gelingen will, ankern.
b) Ist der Ballon am Leuchtthurm geheifst, dann darf überhaupt kein
Schiff einlaufen (siehe § 22).
c) Die rothe Flagge auf der Winkbake, womit, wie bereits in § 18 an
gegeben, die Schiffe eingewinkt werden, wenn sie einen Lootsen nicht
an Bord haben, bedeutet auch, dafs die Wassertiefe in der Rinne
des Seegats 6,0 m ist; die geringere oder gröfsere Wassertiefe in der
Rinne wird, wenn der Lootsen-Kommandeur etc. es für zweckmäfsig
hält, aber in der Art an der mittleren Bake signalisirt, dafs jeder
Ballon an der Südseite derselben 0,3 m weniger und jeder Ballon an
der Nordseite 0,3 m mehr als 6,0 m Wassertiefe im Seegat anzeigt.
Demnach wird:
1. für verminderte Wassertiefe im Seegat auf der Südseite der mitt
leren Bake bedeuten:
1 Ballon = 5,7 m,
2 Ballons = 5,4 m,
3 Ballons = 5,1 m u. s. w.,
2. für vergröfserte Wassertiefe im Seegat auf der Nordseite der
selben Bake aber:
1 Ballon = 6,3 m,
2 Ballons = 6,6 m,
3 Ballons = 6,9 m u. s. w.
29. Das Ein winken der Schiffe mit der Winkbake, wie vorhin angegeben,
kann immer nur einem und zwar demjenigen Schiffe gelten, das dem Seegat am
nächsten ist, weshalb das gleichzeitige Einlaufen zweier oder mehrerer Schiffe
durchaus nicht erfolgen darf. Erst dann, wenn das eingewinkte Schiff zwischen
den Molen und dort mit einem Lootsen versehen ist, wird das dem Seegat nun
am nächsten befindliche Schiff ebenso eingewinkt werden.
Nur auf diese Weise kann das Ein winken mehrerer Schiffe nach einander
erfolgen. Diese Reihenfolge ist nothwendig, um Irrungen zu vermeiden.
Dabei wird nochmals den Führern dieser Schiffe empfohlen, recht viel
Segel zu führen, vorzugsweise wenn der Strom stark auslaufend ist, was besonders
im Frühjahr und im Herbst der Fall sein wird, und die vorhin erläuterten
Signale mit der Winkbake genau und schnell zu befolgen.
30. Jedes ankommende Schiff, das durch einen Dampfer in den Hafen
geschleppt sein will, hat zwei Flaggon untereinander an der Gaffel aufzuheifsen
und sich der Ansegelungstonne so viel als möglich zu nähern.