Segelanweisung für die Nordost-Küste von Kaiser Wilhelms-Land.
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Long-Insel (Vertonung), eine ebene und flach hügelige Insel, besitzt
an jedem Ende Berge von konischer Form mit doppelt kuppiger Spitze, ver
mutlich zerstörte Kraterrändor. Nach der britischen Admiralitätskarte hat die
Insel drei solche Berge. Eigentümlicherweise sind bei öfterem Passiren, aller
dings auf weitere Entfernungen, immer nur zwei Berge sichtbar geworden, von
denen der nördliche und westliche sich gleichzeitig sehr ähnlich sehen, wie es
die aus ganz verschiedenen Richtungen genommenen Vertonungen darthun. Es
ist daher nicht undenkbar, dafs die Insel nur zwei höhere Berge besitzt.
Rieh-In sei (Vertonung) ist ein gesunkener Krater mit hohem zackigen
Rand an der Nordseite, der sich nach Süd in gebrochener Linie senkt. Da
anscheinend an der Südostseite eine Bucht existirt, welche ein Theil des Krater
kessels sein mochte, wurde nach Untersuchung der Südküste von Dampier-l\\se>\
beabsichtigt, um die Nord- und Ostseite von Äfc/i-Insel behufs Untersuchung
herum zu fahren. Es wurden dabei zahlreiche Korallenriffe hier entdeckt,
welche die Weiterfahrt hinderten, da es anfing, dunkel zu werden. Vermuthlich
existirt dort ein Hafen, der der Untersuchung werth ist. Soweit die Insel
umschifft wurde, ist ihre Küstenform bestimmt worden, die von der Admiralitäts
karte abweicht. Desgleichen ist ihre Position zur Dampier-Insel und der Küste
von Kaiser Wilhelms-hmü. verbessert worden. Die Insel ist bewohnt.
Dampier-Insel (Vertonung). Der wahrscheinlich noch aktive, sehr
hohe Krater der Insel liegt von Süd gesehen nicht in ihrer Mitte, sondern
mehr östlich; West- und Ostabfall sind nicht symmetrisch gestaltet, vielmehr
steigt die Küste auf der Ostseite in stärkerer Böschung, um auf halber Höhe
eine grofse Ebene zu bilden, aus welcher die Kraterspitze steil aufsteigt. Auf
der Westseite hingegen beschreibt der Abfall eine sanfte Kurve, namentlich im
unteren Theile mit sehr geringer Böschung. Die auf der Westseite gebildete
Hochebene mag besonderen kulturellen Werth haben. Nach Süden laufen in
den unteren Regionen einige Rücken, welche kleine Berge und Hügel, theilweise
bis dicht an die Küste, vorschieben und den Eindruck gehobener Kalkbildungen
machen, wie auch die Küste hier dieser Formation anzugehören scheint. Es
wurden dort mehrere Korallenriffe gefunden, die in der Karte niedergelegt sind.
Auch an der Südostseite scheinen Riffe zu liegen. Diese Insel ist meist dicht
bewaldet und bewohnt.
Vulkan-Insel (Vertonung) ist ein durch seine grofse Höhe und symme
trische Form imponirender aktiver Vulkan, meist bewaldet uud scheinbar
bewohnt. Die höheren Theile von Dampier- und Fw/cara-Insel sind meist in
Wolken gehüllt, zuweilen aber auf Entfernungen von über 50 Sm sichtbar.
Segelanweisung für den Hafen von Memel.
Die Königliche Regierung zu Königsberg hat folgende neue Anweisung
für das Einlaufen von Schiffen in den Hafen von Memel erlassen:
1. Der Hafen von Memel hat in seiner Einfahrt (Seegat) nach dem
Durchschnitt der letzten 5 Jahre bei mittlerem Wasserstande, der 0,46 m am
Pegel im Lootsenhafen beträgt, in der Fahrrinne eine Wassertiefe von nicht
unter 6 m.
2. Beim Anlaufen von westwärts ist Memel kenntlich an dem hohen
schlanken Thurm der St. Johannes-Kirche, zwei anderen spitzen Kirchthürmen
und dem schachbrettartig roth und weifs gestrichenen, 24,0 m hohen Leucht-
thurme, der des Nachts ein festes Feuer 29,5 m über der Meeresfläche zeigt,
welches 15 bis 16 Sm zu sehen ist, sowie an den drei Richtungsbaken.
3. Aufserdem befindet sich auf dem äufsersten Ende der Nordmole noch
ein kleiner weifser 8,5 m hoher Leuchtthurm, der Nachts ein rothes Licht zeigt,
welches 7,5 Sm weit zu sehen ist.
4. Der Leuchtthurm befindet sich an der NO-Seite der Einfahrt, dem
Seestrande nahe, und der hoho Thurm der St. Johannes-Kirche liegt von jenem
in SO, 1,8 Sm entfernt.