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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Segelanweisung fiir die Nordost-Kiiste von Kaiser Wilhelms-Land. 
Koralleninseln, darunter zwei gröfsere und höhere und von zahlreichen Riffen 
umgeben, zwischen welchen die Navigirung die gröfste Aufmerksamkeit erheischt. 
Bei Anwendung solcher kann man sich zwischen den Riffen ohne grofse Gefahr 
hindurchwinden, da hier selten viel Seegang steht und die Riffe vom Masttopp 
sichtbar sind. Man mufs übrigens mehrfach über tiefer gelegene Riffe fort- 
gehen und hat namentlich in gröfserer Nähe der Südspitze des Landes meist 
Lothungsgrund. Die Lage der Inseln, welche in die Karte nach eigener Auf 
nahme eingetragen sind, harmonirt im Ganzen recht gut mit der neuesten 
britischen Admiralitätskarte; diese war zur Zeit der Aufnahme noch nicht 
erschienen, und es konnte daher auch nicht geprüft werden, ob jene Karte 
darin richtig ist, dafs sie zwei Inselchen aufweist, welche diesseits nicht auf 
genommen worden sind. Bei der grofsen Zahl gleich aussehender kleiner 
Inseln, welche sich beim Passiren dem Aufnehmenden fortgesetzt durcheinander 
schieben, kann das zu viel oder zu wenig Einträgen einer Insel leicht Vor 
kommen. 
An der Südspitze der Insel, der GraaA-Spitze, befindet sich der ganz 
geschlossene, sichere Marienhafen mit einer schwierigen Einfahrt zwischen dem 
Riff der Koralleninsel Galelum und der kleinen Graah-Spitze. Man hat die 
Insel etwas an B-B. zu nehmen und an der Kante ihres Riffes entlang zu gehen, 
wo man 28 und dann 22 m Wasser findet. In der Hafenbucht angelangt, ankere 
man in der Mitte auf 15 m Wasser. Der innerste Theil des Hafens ist flach. 
Dort mündet im nordöstlichen Winkel ein Flufs, der sich mit vielen Windungen 
zunächst im sumpfigen Terrain bewegt, bald aber höhere Ufer hat und auf 
Entfernung von 3Sm, wo Dörfer und gröfsere Pflanzungen auf ebenem frucht 
baren Boden begonnen haben, noch l‘/2 bis 2 m Wasser besitzt, während die 
Tiefe an der Mündung nur wenig über 1 m beträgt. Man kann nach der Graah• 
Spitze bezw. nach dem Marienhafen den Weg sowohl vom Osten, wo weniger 
Riffe liegen, wie vom Westen nehmen, woselbst die Passage der zahlreichen 
Riffe wegen schwieriger ist. Ob die direkte Fahrt vom Süden praktikabel ist, 
wurde nicht festgestellt; Riffe in dieser Richtung zwischen den Inseln sind 
indefs vorhanden. Die äufserste Grenze der Rille nach West wurde durch 
Peilungen von Lottin- und Rooi-Insel festgestellt. Danach gehen die Riffe 
nicht annähernd soweit westlich, wie die ältere Admiralitätskartc angab. Yon 
den Inseln sind viele bewohnt, und die gröfseren, Tu und Malabaia, beherbergen 
seefahrende Stämme, welche in Verbindung mit den Bewohnern der Finsch- 
hafener Gegend stehen. Die RooÄ-Iusel wird hier Umboi genannt, und der 
Sammelname für die Koralleninseln zusammen mit der Südspitze von RooA-Insel 
ist Siassi. 
Ebenso wie dieser Theil ist auch die Westküste der Insel in der neuesten 
britischen Admiralitätskarte ziemlich richtig wiedergegeben. Diese Küste, wie 
die nördliche, gehört der Korallenkalkformation an. Während der nördliche 
Theil, soweit or untersucht wurde, nur ein schmales Strandriff besitzt und die 
grofsen Wassertiefen (44 m 1 Kabllg. vom Strande) ein Ankern unräthlich 
machen, hat die Westküste ein breites Strand- bezw. Barrierriff. Hinsichtlich 
der Geeignetheit zum Ankern ist diese Küste nur in der Bucht südlich von 
Kap King untersucht worden. Dort gewähren das Land bezw. die Riffe, wenn 
man auf 14 m ankert, gegen alle Winde Schutz aufser gegen die zwischen N 
und WNW. Es befinden sich an der Küste einige Dörfer unter Palmen. Die 
Berge sind meist dicht bewaldet und haben theils spitze, theils abgerundete 
Kuppen, einzelne der Ausläufer besitzen scharfe Grate. Dem Ansehen nach 
gehören die Berge der Kalkformation an. Flacher Küstensaum ist wenig vor 
handen, aber einiges, sanft in die Berge steigendes Land in den Thälern, 
namentlich in einer flachen Mulde in der Nähe des SW-Kaps, welche zu den 
Hauptspitzen der Insel aufsteigt. 
Hein-Insel ist ein kleines Inselchen mit Sandstrand und Baumvegetation, 
vermuthlich der Korallenformation angehörend. 
Lottin-Insel (Vertonung) ist ein Kegel mit Krater auf der Spitze und 
einem Absatz auf halber Höhe, der an der Südseite gröfser ist. Von Ost 
gesehen ist die Insel bis zur Spitze bewaldet, nur am nordöstlichen Ende ist 
etwas Grasabhang.
	        
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