Aus dem Reiseberichte S. M. Knbt. „Hyäne“.
207
den vom Kanonenboot abgelaufenen Distanzen und der im „Africa Pilot“ von
der Bai gegebenen Beschreibung.
Um 6 h 14 m ankerte das Kanonenboot nördlich der das Nordende der
Ambriz-Bauk*) bezeichnenden Tonne. Letztere führte zur Zeit kein Topp
zeichen und kam infolge ihrer geringen Höhe über Wasser erst auf ca ‘/2 Sm
Entfernung in Sicht. Auf die Lage der zur Zeit auf Position befindlich gewesenen
Tonne soll man sich nicht völlig verlassen können, da dieselbe häufig vertreibt.
Auf der Bank selbst, namentlich auf dem südlichen Theil derselben, stand
während des Aufenthaltes eine so schwöre Brandung, dafs ein Passiren derselben
mit Booten unmöglich gewesen wäre. Vorübergehend schien das Wasser auf
dem nördlichen Theil der Bank völlig ruhig zu sein, stets indessen nur für
kürzere Zeit, um bald wiederum plötzlich hoch aufzubranden.
Das Leuchtfeuer von Ambriz war von dem nur 1 */2 Sm entfernten Anker
plätze aus, so lange die Lichter der Faktoreien brannten, von letzteren nur
infolge der bekannten Lage zu unterscheiden. Der Grund hierfür dürfte in der
niedrigen Lage des Leuchtfeuers zu suchen sein, infolge deren letzteres häufig
in den dichten Gischt der Brandung gehüllt ist.
Die im südöstlichen Theil der Bucht befindliche eiserne Landungsbrücke
ist an ihrem Landende zusammongestürzt und dadurch unbrauchbar geworden.
2. Wind. Während der Fahrt nach Ambriz und auf der Bhede dieses
Platzes wurden Land- und bis zur Stärke 3 wehende Seewinde angetroffen.
4. Wetter. Das Wetter war schön, der Himmel mit ci-cu leicht
bedeckt. Nach Sonnenuntergang trat Thaufall ein.
5. Stromverhältnisse. Während der Fahrt von Loanda nach Ambriz
wurde das Kanonenboot bei Dünung aus SWzW, Stärke 4, ca 0,5 Sm p. h.
nach Land zu gesetzt; im Uebrigon war ein Strom nicht festzustellen.
VII. Von Ambriz nach dem Kongo.
1. Kurs. Die Bhede von Ambriz verliefs das Fahrzeug am 30. August
um 4 h 40 m p. m.
Der Abstand vom Laude wurde während der Nacht bis Snakes Hcad zu
12 Sm vergröfsert und von der Vesuvius-Untiefe ab allmählich wieder verkürzt.
Auf diesem Kurse kam das Feuer von Foreland Bluß um 8 h p. m. auf ca 11 Sm
Abstand in Sicht.
Der zuvor bei starkem Thaufall klare Himmel bezog sich während der
Nacht nach und nach bis zu völliger Bedeckung. Der Morgen des 31. August
war trübe, mit leichtem Staubregen. Gegen 8 l /i b klarte das Wetter auf; es
wurde die Küste südwestlich der Red Cliffs angesteuert und nach Feststellung
der genauen Position Kurs auf Shark Point genommen, welches um ll h 20 m in
2 Sm Abstand passirt wurde. 2 3 )
Das nach den „Nachr. f. Seef.“ 1889 N0. 329 auf dieser Spitze zu er
richtende weifse feste Feuer ist aufgestellt. Dasselbe wird an einem eisernen
Pfahl geheifst; ca 15 m nördlich von demselben steht das kleine Wärterhaus
mit weifsem Dach und hellbraunen Seitenwänden. ®) Ebenso war auf der
Banana-Halbinsel das rothe feste Feuer bereits in Betrieb. Dasselbe befindet
sich nahe dem Strande südwestlich der auf der Karte Tit. III N0. 8 (Br. Adm-
K. 638) für die Lage der Mission (letztere existirt nicht mehr) angegebenen
Stelle auf einem weifsen hölzernen, pyramidenförmigen Unterbau in 6 l /t m Höhe
über dem Erdboden, 8V2 m über Hochwasser, und ist 7 Sm weit sichtbar. Eine
Versetzung desselben nach French Point soll in der Absicht liegen.
Von Shark Point zur Ebbezeit ca 2'/a Stunden vor Stillwasser auf
Boolambemba Point zuhaltend, wurde das Fahrzeug stark nordnordwestlich ver
setzt, bis dasselbe sich ca 3 J /2 Sm westsüdwestlich von French Point befand,
von wo die Versetzung etwa entgegengesetzt zu der Kursrichtung erfolgte.
Der starke Unterstrom vermuthlich machte es erforderlich, dafs auf dieser
Strecke in Nähe des Shark Point das Ruder bis zu 20° B-B. liegen mufste, um
einen geraden Kurs steuern zu können. Im Uebrigen bot die gut ausgebojte
1) „Africa Pilot“, Part II, 1884, S. 123.
2) „Africa Pilot“, Part II, 1884, S. 102.
3) Vergl. „Nachr. f. Seef.“ 1889, No. 1726 und 2418.