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Segelanweisung für die Nordost-Küste von Kaiser Wilhelms-Land.
im Allgemeinen den Charakter aufprägt, ist derselbe durch die Form, in der
die nie fehlenden Erosionen sich vollzogen, ebensowohl wie durch dio lokalen
Hebungen und Senkungen gewöhnlich stark verwischt. Während weiter südlich
(Südküste des J/wow-Golfes) der jüngere Kalk ganz fehlt und ältere Gesteine
schon in der Nähe der Küste auftreten, in abgerundeten oder zugespitzten
Kuppen, welligen Berglehnen und Rücken mit hier und da in Gestalt von
Knöpfen, Nasen etc. aufgesetzten Felspartien sich dem Auge verrathend,
bestehen die Gebirge von der Nordküste des i/wow-Golfes an in der Nähe der
Küste überall aus recenteren Hebungen, namentlich Korallenkalken und vulka
nischen Gebilden. Die Kalkgebirge charakterisiren sieh im Allgemeinen durch
vergleichsweise sanfte Linien und vielfach wechselnde Richtung der meist nur
kurzen Bergrücken, an ihren Abhängen stellenweise durch eine eigentümliche
Terrasseubildung. Die vulkanischen Hebungen unterscheiden sich in ihrer Form
von den Kalkgebirgen zum Theil nur durch unbedeutend schroffere Linien,
thoilweise bilden sie dachförmig gestaltete kurze Grate. Berge mit konischer
Zuspitzung, wie sie Vulkanen eigen, fehlen auf dem Festlande, mit Ausnahme
der Gegend südlich und südwestlich von Constantinhafen und etwa der Berge
Gladstone und Disraeli ganz, während die Berge sämmtlicher gröfseren Inseln,
aufser einem Theile derer von i?oo£-Insel, dieser Klasse angehören. Die Gebirge
südlich und südwestlich von Constantinhafen weisen wesentlich andere als die
vorerwähnten Formen auf; sie bestehen aus stark zerklüfteten zahlreichen Berg
reihen mit teilweise schroffen Kammlinien und vielen spitzen und sonst markant
geformten Kuppen. Welcher geologischen Formation sie angehören, ist nicht
festgestellt.
Dio in diesem Theile des Kaiser Wilhelms-Landes vorkommenden Ebenen
sind dreierlei Art. Entweder bilden sie nur einen verhältnifsmäfsig schmalen
Küstensaum am Fufse der Vorberge (1 bis 4 Sm breit), welcher aus den durch
Atmosphärilien oder kleine Wasserläufe bewirkten Abschwemmungen der Berg
lehnen entstanden ist, oder sie verdanken einem grofsen Bergstrom ihre Ent
stehung, der sich dann eine gewöhnlich mehrere Meilen nach See ausspringende
Schwemmebene, an deren Spitze oder an deren Seite er sich ergiefst, geformt
hat. Während sich diese Ebenen namentlich dort finden, wo die mehr oder
weniger hohen Kalkgebirge dicht an das Meer treten, kaum irgendwo Thäler
lassend, findet sich die dritte Art von Ebenon dort eingelagert, wo die Berg
systeme auf hören bezw. wechseln oder das Hauptgebirge weit von der Küste
zurücktritt, im Vordergrund Platz lassend für Gruppen odor Züge niederer
Hügelreihen.
Die Wasserläufe in diesem Theile des Landes sind mit Ausnahme einiger,
welche der lctztbeschriebenen Art von Ebenen augehören, alle Gebirgsbäche
oder Bergströme, welche nur vereinzelt für Boote und kleinere Fahrzeuge
schiffbar sind, aber oft ein sehr breites, steiniges Bette besitzen und zeitweilig
grofso Wassermengen dem Meere zuführen. Neben den recht zahlreichen
Flüssen giebt es viel Küstensümpfe und Küstenlagunen. Dieselben verdanken
ihren Ursprung dem Ausspülen von Sand und Steingeröll durch die Wellen
längs des Strandes, woselbst sich dadurch hohe Geröll- und Sanddämme bilden,
hinter denen sich das von den Bergen rieselnde Wasser sammelt und stagnirt,
da es keinen oder zu geringen Abflufs hat. Diese Dämme fallen im Gegeusatz
zu der meist vorherrschenden Ivorallengesteinküsto als ein einladender, mit
Baumwuchs gekrönter Strand zunächst angenehm in die Augen. Sie sind aber
ein fast ganz sicheres Anzeichen von dahinter gelegenem Sumpfland. Dasselbe
hat gewöhnlich indefs nur eine geringe Breite, und jenseits stöfst man oft auf
gutes Kulturland.
Einen sehr auffallenden Gegensatz zu einem grofsen Theil der gebirgigen
Inseln des malayischen Archipels und Australiens bildet die dichte Vegetation,
mit welcher diese Küste Neu Guineas bekleidet ist. Man sieht kahle Gebirge,
Felsen oder vegetationsloses Land hier fast gar nicht. Entweder sind die
Berge, so weit und so hoch als man sie mit dem Auge zu verfolgen vermag,
mit Bäumen und Sträuchern oder mit Gras bedeckt, welches letztere, zu be
stimmter Jahreszeit gelbe Färbung annehmend, resp. von den Eingeborenen
abgebrannt, dann allerdings wenig einladend aussieht. Die durchschnittlich
überaus grofse Ueppigkeit der Vegetation läfst sich nur durch die schon früher
hervorgehobene, im Mittel sehr hohe Feuchtigkeit des Klimas erklären.