accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

184 
Segelanweisung für die Nordost-Küste von Kaiser Wilhelms-Land. 
im Allgemeinen den Charakter aufprägt, ist derselbe durch die Form, in der 
die nie fehlenden Erosionen sich vollzogen, ebensowohl wie durch dio lokalen 
Hebungen und Senkungen gewöhnlich stark verwischt. Während weiter südlich 
(Südküste des J/wow-Golfes) der jüngere Kalk ganz fehlt und ältere Gesteine 
schon in der Nähe der Küste auftreten, in abgerundeten oder zugespitzten 
Kuppen, welligen Berglehnen und Rücken mit hier und da in Gestalt von 
Knöpfen, Nasen etc. aufgesetzten Felspartien sich dem Auge verrathend, 
bestehen die Gebirge von der Nordküste des i/wow-Golfes an in der Nähe der 
Küste überall aus recenteren Hebungen, namentlich Korallenkalken und vulka 
nischen Gebilden. Die Kalkgebirge charakterisiren sieh im Allgemeinen durch 
vergleichsweise sanfte Linien und vielfach wechselnde Richtung der meist nur 
kurzen Bergrücken, an ihren Abhängen stellenweise durch eine eigentümliche 
Terrasseubildung. Die vulkanischen Hebungen unterscheiden sich in ihrer Form 
von den Kalkgebirgen zum Theil nur durch unbedeutend schroffere Linien, 
thoilweise bilden sie dachförmig gestaltete kurze Grate. Berge mit konischer 
Zuspitzung, wie sie Vulkanen eigen, fehlen auf dem Festlande, mit Ausnahme 
der Gegend südlich und südwestlich von Constantinhafen und etwa der Berge 
Gladstone und Disraeli ganz, während die Berge sämmtlicher gröfseren Inseln, 
aufser einem Theile derer von i?oo£-Insel, dieser Klasse angehören. Die Gebirge 
südlich und südwestlich von Constantinhafen weisen wesentlich andere als die 
vorerwähnten Formen auf; sie bestehen aus stark zerklüfteten zahlreichen Berg 
reihen mit teilweise schroffen Kammlinien und vielen spitzen und sonst markant 
geformten Kuppen. Welcher geologischen Formation sie angehören, ist nicht 
festgestellt. 
Dio in diesem Theile des Kaiser Wilhelms-Landes vorkommenden Ebenen 
sind dreierlei Art. Entweder bilden sie nur einen verhältnifsmäfsig schmalen 
Küstensaum am Fufse der Vorberge (1 bis 4 Sm breit), welcher aus den durch 
Atmosphärilien oder kleine Wasserläufe bewirkten Abschwemmungen der Berg 
lehnen entstanden ist, oder sie verdanken einem grofsen Bergstrom ihre Ent 
stehung, der sich dann eine gewöhnlich mehrere Meilen nach See ausspringende 
Schwemmebene, an deren Spitze oder an deren Seite er sich ergiefst, geformt 
hat. Während sich diese Ebenen namentlich dort finden, wo die mehr oder 
weniger hohen Kalkgebirge dicht an das Meer treten, kaum irgendwo Thäler 
lassend, findet sich die dritte Art von Ebenon dort eingelagert, wo die Berg 
systeme auf hören bezw. wechseln oder das Hauptgebirge weit von der Küste 
zurücktritt, im Vordergrund Platz lassend für Gruppen odor Züge niederer 
Hügelreihen. 
Die Wasserläufe in diesem Theile des Landes sind mit Ausnahme einiger, 
welche der lctztbeschriebenen Art von Ebenen augehören, alle Gebirgsbäche 
oder Bergströme, welche nur vereinzelt für Boote und kleinere Fahrzeuge 
schiffbar sind, aber oft ein sehr breites, steiniges Bette besitzen und zeitweilig 
grofso Wassermengen dem Meere zuführen. Neben den recht zahlreichen 
Flüssen giebt es viel Küstensümpfe und Küstenlagunen. Dieselben verdanken 
ihren Ursprung dem Ausspülen von Sand und Steingeröll durch die Wellen 
längs des Strandes, woselbst sich dadurch hohe Geröll- und Sanddämme bilden, 
hinter denen sich das von den Bergen rieselnde Wasser sammelt und stagnirt, 
da es keinen oder zu geringen Abflufs hat. Diese Dämme fallen im Gegeusatz 
zu der meist vorherrschenden Ivorallengesteinküsto als ein einladender, mit 
Baumwuchs gekrönter Strand zunächst angenehm in die Augen. Sie sind aber 
ein fast ganz sicheres Anzeichen von dahinter gelegenem Sumpfland. Dasselbe 
hat gewöhnlich indefs nur eine geringe Breite, und jenseits stöfst man oft auf 
gutes Kulturland. 
Einen sehr auffallenden Gegensatz zu einem grofsen Theil der gebirgigen 
Inseln des malayischen Archipels und Australiens bildet die dichte Vegetation, 
mit welcher diese Küste Neu Guineas bekleidet ist. Man sieht kahle Gebirge, 
Felsen oder vegetationsloses Land hier fast gar nicht. Entweder sind die 
Berge, so weit und so hoch als man sie mit dem Auge zu verfolgen vermag, 
mit Bäumen und Sträuchern oder mit Gras bedeckt, welches letztere, zu be 
stimmter Jahreszeit gelbe Färbung annehmend, resp. von den Eingeborenen 
abgebrannt, dann allerdings wenig einladend aussieht. Die durchschnittlich 
überaus grofse Ueppigkeit der Vegetation läfst sich nur durch die schon früher 
hervorgehobene, im Mittel sehr hohe Feuchtigkeit des Klimas erklären.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.