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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Segelanweisung für die Nordost-Küste von Kaiser Wilhelms-Land. 
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Regenwetter bringt. Orkane kommen nach den bisherigen Erfahrungen gar 
nicht vor, und wirkliche Stürme sind nicht blofs höchst selten, sondern auch 
nicht annähernd von der Heftigkeit, welche sie weiter südlich und in allen 
anderen Meeren besitzen. 
Navigirung. 
Dio Navigirung längs der Küste dos Kaiser Wilhelms-Landes bietet 
weder für Dampfer noch für Segelschiffe Gefahren oder besondere Schwierig 
keiten; man ist jetzt, wo die Küste mehr oder weniger genau aufgenommen ist, 
sogar berechtigt zu sagen, dafs es kaum irgendwo eine so leichte und gefahr 
lose Navigirung giebt als die längs dieser Küste. Es gründet sich diese That- 
sache auf verschiedene Umstände. Wie vorstehend bereits bemerkt, kommen 
schwerere Stürme und eigentliches schlechtes Wetter hier kaum vor. Riffe sind 
im eigentlichen Fahrwasser nirgends vorhanden, und die wenigen Küstenriffe 
reichen so wenig weit nach Seo hinaus, dafs sie auch in der Nacht leicht zu 
vermeiden sind, weil man selbst bei gröfster Dunkelheit die fast überall sein- 
hohe Küste wahrnehmen wird, bevor man einem Küstenriff zu nahe kommt. 
Wo die Küste aber weniger hoch ist, findet sich Lothungsgrund. Im Allgemeinen 
kann man sich überall, wo in der Karte nicht weiter ausspringende Küstenriffe 
eingetragen sind, bis auf eine halbe Seemeile der Küste, ohne irgendwelche 
Gefahr nähern, an den Steilküsten und bei den in der Karte nicht mit Küsten- 
riflfen versehenen vorspringenden Huken, namentlich auch wenn Flüsse auf ihnen 
münden, kann man auf Entfernung einer Kabellänge, meist sogar auf zwei 
Schiffslängen passiren. Die Meeresströmungen setzen nirgends direkt auf die 
Küste, sondern längs derselben, sind im Allgemeinen auch nicht stark. Nur wo 
die Strömung eingeengt wird, wie zwischen Kap König Wilhelm und /¿ooMnsol 
bezw. zwischen letzterer und der Westspitze von Neu-Pommern, ist sie zuweilen 
stärker, bis zu 2 und 2,5 Sm per Stunde. In den Strafsen zwischen den Inseln 
Dampier und Vulkan und dem Festlande konnte starke Strömung indefs nicht 
bemerkt werden, obwohl dort zuweilen sogenannte Stromkabbelungen und 
Stromstreifen bemerkbar sind. Im Allgemeinen setzt die Strömung nordwestlich, 
namentlich während des Südostpassates. Dicht unter der Küste setzt gewöhnlich 
eine schwache Gegenströmung. Die Gezeiten treten an der ganzen Küste nur 
unbedeutend auf, indem die Springfluthhöhen unter einem Meter bleiben, und 
infolge dessen sind auch die Gezeitenstiömungen nur wenig bemerkbar. Soweit 
festgestellt werden konnte, scheinen die Zeiten von Ebbe und Fluth an der 
ganzen Küste wenig von einander zu differiren. Genauere Beobachtungen darüber 
liegen bis jetzt nur für Finschhafen vor, wo ein selbst registrirender Fluth- 
messer aufgestellt ist, dessen Registrirungen in Bearbeitung begriffen sind. 
Vor der Hand läfst sich darüber nur sagen, dafs je nach der Mondphase ein 
drei- bis viermaliges tägliches Anschwellen des Wassers stattfindet mit einem 
Maximum zur Zeit von Neu- und Vollmond um 3 Uhr Morgens, während bei 
Viertelmond das Maximum auf 7 Uhr Nachmittags fällt. 
Die vorangeführten Verhältnisse sind alle dazu angethan, die Navigirung 
zu erleichtern, und es kann für Dampfer, die zwischen der Ostasiatischen Küste 
und der Ost- oder Südküste Australiens fahren, die Route längs Kaiser Wilhelms- 
Land, welche auch die kürzeste ist, nur empfohlen werden, um so mehr, da 
auch der weitere Weg nach Süden, wenn er zwischeu Trobriand und Jurien- 
Insel hindurch au der Ostseite von Normanby-Insel entlang genommen wird, 
keinerlei Gefahren birgt. Doch auch für Segelschiffe bietet diese Route den 
Vortheil vor einer mehr östlichen, dafs bei konträren Winden die nächtliche 
Landbriese unter der Küste Kaiser Wilhelms-Landes zum Vorwärtskommen 
benutzt werden kann. Natürlich sollte von Segelschiffen der Weg südwärts 
nur zur Zeit des Nordwestmonsuns und nordwärts nur während des Südost 
passates genommen werden. 
Küsten- und Häfenbeschreibung. 
Allgemeines. Wenn auch der geologische Aufbau eines Gebirgslandes 
den Konturen desselben, wie sie uns beim Sichten einer Küste eDtgegentreten,
	        
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