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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Regelanweisung für die Nordost-Küste von Kaiser Wilhelms-Land. 
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Ursache hierfür ist darin zu suchen, dafs einmal der Südostpassat und die 
nordwestlich setzende Passatströmung die Küste streifen und abkühlen, sodann 
aber in der bedeutenden Höhenlage des gröfsten Theiles der grofsen Insel. 
Noch vor dem südlichsten Stande der Soune im Monat Dezember ist daher 
Australien in höherem Grade erwärmt als Neu-Guinea, und es beginnen bereits 
im Oktober einige Tage hindurch frische Nordwestwinde den Südostwind zu 
verdrängen, obwohl die südlichen Winde in diesem Monat ebenso wie im 
November noch vorherrschend sind. Zuweilen gewinnt dann im Dezember, 
eventuell aber auch erst im Januar, der Nord west die Oberhand und weht bis 
in den April hinein, wenn auch bereits im März ab und zu von südlichen 
Winden unterbrochen. Erst im Mai haben die südlichen Winde wieder voll 
kommen die Herrschaft erlangt und behalten diese bis Oktober. Im Allgemeinen 
kann man hiernach für die Dauer von 8 Monaten, nämlich von Mai bis inkl. 
Dezember, dio südlichen, auf die Dauer von 4 Monaten, nämlich von Januar 
bis April inkl., die nördlichen Winde als vorherrschend ansehen. In den 
Monaten März bis Mai und Oktober bis Dezember kommen sehr viel Wind 
stillen und Flauten vor. Der Nordwestwind, welcher kürzere Zeit al3 der 
Südost weht, wiegt dieses Zurückstehen übrigens durch gröfsere Intensität auf. 
Diese beiden Winde unterscheiden sich — wenigstens in Finschhafen — auch 
darin von einander, dafs der Nordwind gewöhnlich Mittags oder Nachmittags erst 
einsetzt resp. um diese Zeit sehr frisch und stetig weht, ohne indefs böig zu 
sein, und um 8 oder 9 Uhr Abends abflaut, während der Südwind zwischen SE 
und SW und in Stärke hin und her schwankend, und von häufigen Regenböen 
begleitet, bereits Morgens und Vormittags weht, Nachts gewöhnlich nach SW 
laufend. Die zweite Ursache, welche für die Witterung mafsgebend ist, trägt 
einen lokalen Charakter und tritt auch mehr in den Niederschlägen al3 in den 
Winden in die Erscheinung. Sie gründet sich auf die Richtung der Küste und 
die orographische Gestaltung des Landes, und ihre Wirkung ist daher in der 
Nähe des letzteren wahrnehmbarer als ferner von demselben auf hoher See. 
Abgesehen von der bekannten Erscheinung, dafs während der Nacht in der 
Nähe der Küste der herrschende Wind von einer Landbriese verdrängt wird, 
die aber meist sehr flau ist, schmiegt sich ersterer, wenn die Küste nicht quer 
zu ihm liegt, dieser an, so dafs z. B. zwischen Kap Cretin und Kap König 
Wilhelm meist südliche und nördliche statt südöstliche und nordwestliche, und 
an der Küste zwischen Kap König Wilhelm und Constanlinhafen nie südliche 
(abgesehen natürlich von den nächtlichen Landwinden) und selten westliche 
Winde wehen. Die Folge hiervon ist unter Anderem, dafs man mit flauen 
Winden und Stillen von Hatzfeldthafen oder Constantinhafen kommend, bei Kap 
König Wilhelm zu gewissen Jahreszeiten einen schweren Südwind mit hoher 
See antrifft, gegen den mit dem Dampfer mitunter schwer anzukommen ist. 
Temperatur, Luftdruck und Niederschläge stehen zu den Winden in 
Wechselwirkung'. Erstere, im Allgemeinen zwischen 24° und 32° C. schwankend, 
ist von Juni bis August am niedrigsten und von Januar bis März gewöhnlich am 
höchsten. Die Schwankungen der Extreme im ganzen Jahre betragen aber 
nur wenig über 10°, so dafs das Klima ein selten gleichmäfsiges genannt 
werden kann. 
Der mittlere Luftdruck, sich meist zwischen 75ß und 765 mm haltend, 
nimmt äquatorwärts ab und bewegt sich im Allgemeinen den Temperaturen 
genau entgegengesetzt. Mit abnehmendem Barometerstand gewinnt der Nordwest 
die Ueberhand über den Südost. Wie überall in den Tropen sind einerseits 
die täglichen Schwankungsperioden stark ausgeprägt und regelmäfsig, während 
das Barometer andererseits wenig nutzbar ist für das Ziehen von Schlufs- 
folgerungen auf das kommende Wetter. Gehorchen Temperatur und Luftdruck 
in ihren Bewegungen hervorragend den allgemeinen Gesetzen, so ist dies 
hinsichtlich der Niederschläge weniger der Fall, indem gerade sie von der 
lokalen Landformation wesentlich beeinflufst werden. Die Nordwestküste von 
Neu-Guinea bietet im Allgemeinen die für reichliche Niederschläge unerläfslichen 
Grundbedingungen. Sowohl der Südost, wie der Nordwest sind Winde, die 
sich viele Hunderte von Meilen über den Ocean bewegt haben, bevor sie auf 
das Land stofsen. Gesättigt mit Feuchtigkeit, zwingen die meist hohen Gebirge 
die Luft zur Abkühlung durch Aufwärtssteigen und dadurch zur Koudensirung
	        
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