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Die neuen amerikanischen Seekarten in gnomonischer oder Centralprojektion.
ergab sich durch Nachmessung aus tg 45° = 223 mm. Die Karte erstreckt
sich von 65° N- bis 33° S-Breitc und von 104° 0- durch 180° bis zu 104° W-
Länge von Greenwich. Als Berührungspunkt und zugleich Mitte des Kompasses
ist ein Punkt auf 30° N-Breite und 180° Länge gewählt. Die Hülfsskala für
Distanzmessungen geht in dieser Karte von 30° N- bis 28° S-Breite, wobei
also die Null-Linie mit dem Aequator zusammenfällt.
Das Kartenbeispiel ist hier, Kurs und Distanz von A nach B zu finden,
wenn A auf 6° 35' N-Breite und 136° 0' W-Länge liegt, B auf 13° 30' S-Breite
und 172° 38' O-Länge. Nach der Ausführung in der Karte ist als Resultat
der anfängliche Kurs S 68‘/2°W und die Distanz 3286' angegeben. Die trigono
metrische Rechnung im sphärischen Dreieck giebt S 68° 21'W und 54° 49' =
3289' Distanz. Benutzt man zur Distanzmessung nicht die Hülfsskala, sondern
einen von den beiden Meridianen auf 135° W- oder 135° O-Länge, welche auf
3974° N-Breite den Kreis berühren, der mit der Entfernung MC als Radius
um den Mittelpunkt M des Kompasses beschrieben wäre, wo M C senkrecht zu
AB ist, so lassen sich beide Stücke AC und BC hier nicht nach verschiedenen
Seiten von C auf einem und demselben Meridian messen, weil die Messung von
AC über den Rand der Karte hinausfiele; aber man kann die beiden Stücke
CA und CB ebenso gut nach einer und derselben Seite von C messen und sie
dann Zusammenlegen. Es ergiebt sich CB = 24° 15' und das übrige Stück
AC = 31° 0', so dafs die Summe AB = 55° 15' = 3315' wird, also 26'
gröfser als die Rechnung, entsprechend etwa 2 bis 3 mm.
Andere Nachmessungen von grofsen Entfernungen auf derselben Karte
betreffend, z. B. von der Mitte des Kompasses nach einem Punkte des Aequators
auf 120° W- oder O-Länge, welche 64° 20' nach der Rechnung entfernt liegen
müfste und zufolge des Kugelradius (223 mm) einer Distanz von 464,0 mm ent
sprechen würde, so ergab die Nachmessung 467,5 mm oder nur 3,5 mm zu grofs,
korrespondirend zu 10' in Breite und 10' in Länge, also innerhalb der nächsten
Theilpunkte, die hier von 15 zu 15' angegeben sind. In einem anderen Falle,
von 30° N-Breite und 180° W-Länge nach einem Orte auf 20° S-Breite und
130° W-Länge, wird die berechnete Entfernung 69° 24' = 593,4 mm, und die
Nachmessung gab 598 mm, mithin 4,6 mm zu grofs, oder etwa 5' in Breite und
6' in Länge, also verhältnifsmäfsig sehr wenig Unterschied bei so grofsen Ent
fernungen.
Als bemerkenswerth ist auch die hier allgemeiner gefafste Aufgabe über
Fahrten nach Oertern jenseits der Grenzen der Karte anzuführen (Tracks to
points beyond the limits of the chart), z. B. für die beinahe über den halben
Erdumfang sich erstreckende Reise von Yokohama nach Iquique. Die Breite
und Länge dieser Oerter nach dem Abfahrtspunkte in der Karte zu 34° 45' N
und 139° 42' 0 nebst 20° 12' S und 70° 10' W angenommen, giebt den im
sphärischen Dreieck berechneten anfänglichen Kurs N 68° 55' 0 und für die
Länge des Punktes, wo an der Grenze der Karte 15° N-Breite auf der Fahrt
im gröfsten Kreise zu schneiden wäre, 114° 53' W-Länge. Als Resultat der
Konstruktion auf der Karte ist dafür 114° 45' W-Länge angegeben, also nur
eine Differenz von 0° 8' in Länge vorhanden. Die Hauptsache ist aber das
zweckmäfsige Konstruktionsverfahren, welches aus dem sphärischen Dreieck zu
entnehmen ist. Die Oerter Yokohama und Iquique liegen vom Nordpol 55° 15'
und 110° 12' entfernt mit einem Längenunterschied von 150° 8'. Verlängert
man die Kreisbögen bis zum Südpol und bis zum Antipodenpunkte (Y') von
Yokohama, so entsteht das kleine Ergänzungsdreieck mit den Seiten 69° 48'
und 55° 15' nebst dem eingeschlossenen Winkel 29° 52' als Supplement des
Längenunterschiedes, worin der spitze Winkel an Y' der gesuchte Kurswinkel
ist. Dasselbe Dreieck liefse sich an den Abfahrtsort Yokohama antragen und
würde dort die Gröfse des gesuchten anfänglichen Kurses zeigen, indessen zur
weiteren Konstruktion auf der Karte nicht in der gewünschten Lage sich be
finden. Es wird daher vorgezogen, dasselbe Ergänzungsdreieck an irgend einen
beliebigen Meridian im östlichen Theil der Karte anzulegen, nur um die Frage
zu beantworten, wieviel sich wohl die Breite ändern würde, wenn der Längen
unterschied sich um eine beliebige Gröfse, sagen wir 70°, veränderte. Das
läfst sich in der Karte durch Annahme zweier Punkte M (20° 12'N und 130° O'W)
und N (34° 45' N und 159° 52' W) leicht ausführen, wenn man MN verlängert