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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Die neuen amerikanischen Seekarten in gnomonischer oder Centralprojektion. 
wurde noch eine weitere Prüfung der Karte vorgenommen. Aus der Nach 
messung der Tangente von 30° = 255 mm ergab sich die Gröfse des Kugel 
radius = 441,7 mm. Ein weit von der Mitte des Kompasses (dem Bei’ührungs- 
punkte) entlegener Ort mit 30° Breitenunterschied und 40° Längenunterschied 
müfste hiernach die Entfernung 48° 26' oder 498,4 mm haben. Die Messung 
auf der Karte gab dafür 507,0 m, also 8,6 mm zu grofs, welches an dieser 
äufseren Grenze der Karte so viel wie 20' in Breite und 20' in Länge betragen 
würde. Hiermit schien denn auch die vorher gefundene Differenz erklärt, 
welche aber für die praktischen Zwecke der Karte von keiner wesentlichen 
Bedeutung ist. Bei der Abmessung wurde das in der Karte empfohlene Ver 
fahren der Anlegung eines Bogens Papier (oder eines Mafsstabes) benutzt, 
wodurch das öftere Durchstechen der Karte mit den Zirkelspitzen und somit 
ihre baldige Abnutzung vermieden wird. 
Diese erste Karte enthält auch eine interessante Auflösung der Aufgabe, 
den Punkt zu finden, wo der gröfste Kreisbogen A B den Aequator schneidet, 
wenn B schon aufserhalb der Karte liegt, z. B. für die Fahrt von Barbadoes 
nach St. Helena, Zu dem Zweck nehme man St. Helena so, als wenn es auf 
N-Breite läge, und bemerke auf dem Aequator die Länge beider Oerter (mn); 
dann verbinde man diese vier Punkte durch die Diagonalen (Barbadoes — m 
und St. Helena — n), welche sich in einem Punkte (p) schneiden, dessen Länge 
die gesuchte Länge des Schnittpunktes auf dem Aequator ist. Der Beweis zu 
dieser Konstruktion ergiebt sich aus der Vergleichung der sphärischen Dreiecke 
auf der Kugel, deren Seiten in der Karte durch gerade Linien dargestellt 
werden, indem solche Dreiecke sich symmetrisch zu beiden Seiten des Aequators 
legen lassen, wonach der gesuchte Schnittpunkt des Aequators und der Kreuzungs 
punkt der Diagonalen in demselben Meridian liegen müssen. 
II. Great Circle Sailing Chart of the South Atlantic Ocean. Published 
Febr. 1887 at the Hydrographie Office, Navy Department, Washington, D. C. — 
J. R. Bartlett, Commander, U. S. N., Hydrographer to the Bureau of Navigation. 
Edition of March 1888. Devised by Gustave Herrle, Chief Draughtsman. Price 
50 cents. 
Diese Karte hat dieselbe Gröfse wie die vorige. Auch der zu Grunde 
liegende Kugelradius ist damit übereinstimmend; die Nachmessung aus der 
tg30° ergab den Kugelradius = 440 mm. Der Aequator bildet hier den oberen 
Rand der Karte, und der Berührungspunkt, zugleich die Mitte des Kompasses, 
liegt auf 30° S-Breite und 20° W-Länge von Greenwich. Die Karte erstreckt 
sich vom Aequator bis zu 48° S-Breite und in Länge an den äufsersten Grenzen 
von 84° W- bis 46° O-Länge. Die Anweisungen zur Messung von Kurs und 
Distanz sind gleichlautend mit dem Texte auf der vorigen Karte, nur ist 
das Perpendikel von der Mitte des Kompasses auf die Distanz jetzt südwärts 
abzutragen, um die Breite für die Hülfsskala zu finden, wo die „messende Linie“ 
wieder parallel zum Aequator gelegt wird. Diese Hülfsskalen zu den Distanz 
messungen sind für 30° bis 60° S-Breite angelegt und werden somit für allo 
Breiten genügen. In der Gegend von 30° ist bei der Hülfsskala noch sehr 
wenig Unterschied mit den benachbarten Breiten; desto gröfser werden diese 
Unterschiede auf höheren Breiten. Aber man kommt doch auch hier zu der 
Ansicht, dafs die Hülfsskala überhaupt entbehrlich ist, indem einfacher auf 
dem entsprechenden Meridian die Distanzen als Breitenunterschiedo gemessen 
werden können, was aufserdem auch dem gewöhnlichen Verfahren der Messung 
auf den Mercator’schen Karten sich besser anschliefst, während die Messung 
der Distanz als Längenunterschied etwas Ungewohntes mit sich bringt. 
Das Beispiel zur Erläuterung auf dieser Karte ist so gewählt, dafs Kurs 
und Distanz gesucht wird von einem Orte A auf 33° 27' S-Breite und 16° 0' Ost- 
Länge, nach B auf 6° 30' S-Breite und 34° 15' W-Länge. Die Berechnung 
des sphärischen Dreiecks giebt dafür N71° 30'W und 3220' Distanz. Als 
Resultat der Messung, in vorgeschriebener Weise ausgeführt, ist N71V2°W 
und 3214' auf der Karte angegeben. Für die Nachmessung der gesuchten 
kürzesten Distanz AB ergab sich, dafs dazu einer der beiden Meridiane benutzt 
werden könnte, welche vom mittleren Meridian (20° W) um 4° 45' in Länge 
entfernt sind, weil sie in 30° 50' S-Breite senkrecht zu der Linie MC stehen, 
die von der Mitte (M) des Kompasses auf A B perpendikulär gezogen und
	        
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