Die neuen amerikanischen Seekarten in gnomonischer oder Centralprojektion.
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also Nachmessungen daran vorgenommen haben wird. Sehr schön ausgefiihrt
und in handlicher Gröfse, als Quadrate von 10 Zoll Seitenlange, sind die „Six
inaps of tlie Stars, published under the superintendence of the Society for the
diffusion of useful knowludge“, London 1883. 1 ) Aehnliche sechs geographische
Karten, welche also in Würfelform den Erdglobus umschliefsen, waren schon
vorher von derselben Gesellschaft veranstaltet worden. Deutsche geographische
Karten dieser Art auf sechs Blättern erschienen bereits 1803 in Weimar von
E. G. Reichard. Sie hätten offenbar schon damals nützliche Verwendung
für die Schiffahrt im gröfsten Kreise gewähren können, aber eine Abweichung
von den gewohnten Schiffswegen war in älterer Zeit bedenklich, weil eine dabei
etwa vorgekommene Havarie den Assekuranzen Anlafs zu Einreden geben konnte,
indem das Schiff sich nicht auf dem üblichen bewährten Wege befunden, sondern
ungewohnte Bahnen eingeschlagen habe. Es ist früher auch vorgekommen, dafs
von einer Assekuranz ganz unverhältnifsmäfsige Prämien angesetzt wurden,
indem man auf einer Mercator’schen Weltkarte die Wegeslängen der Reisen
mit einem unveränderlichen Mafsstabe gemessen hatte. Sehr irrthümlich wäre
natürlich auch ein solches Messen auf einer gnomonischen Karte.
Von eigentlichen Seekarten in gnomonischer Projektion war zwar der
folgende Titel einer solchen Karte vorhanden: „E. R. Knorr, Gnomonic Chart
of the North Atlantic Ocean, showing the direct Course (on the Great Circle)
between any two points as also the prevailing winds at each season and the
currents. Washington, Hydrographie Office, 1869“, — aber diese Karte selbst
war bald nachher nirgends mehr aufzutreiben, weder in Amerika noch in Europa.
Erst nach vielen Bemühungen, zuletzt durch höhere Vermittelung, gelang es
dem Direktor der Marine-Akademie in Kiel, General Liebe, im Jahre 1875 für
die Bibliothek wenigstens eine Kopie der ursprünglichen Skizze dieser Karte
zu erlangen. Dieselbe ist auf Pausleinwand gezeichnet und mit deutschem Text
versehen. Die Ueberschrift lautet: „Skizze einer Karte des Nord-Atlantischen
Oceans in der gnomonischen Projektion, für practisches Segeln im gröfsten
Kreise (Great Circle Sailing).“ Am Rande steht die „Erklärung der Einrichtung
und des Gebrauchs der vorgeschlagenen Karte: die Karte ist gnomonisch pro-
jicirt, und zwar ist der Durchschnittspunkt des 30. Grades nördlicher Breite
und des 40. Längengrades westlich von Greenwich als die Erdoberfläche be
rührend angenommen. Das Auge, in den Mittelpunkt der Erde versetzt, sieht,
und die Karte repräsentirt alle gröfsten Kreise, also die kürzesten Entfernungen
zwischen irgend zwei Oertern in gerader Linie.“ Da die Meridiane und Breiten
parallele nur von 5 zu 5 Grad ausgezogen waren, so dienten zwei trapezförmige
Hülfsskalen am Rande zur genaueren Bestimmung eines jeden Punktes der Karte
nach Breite und Länge, üm den anfänglichen Kurs von einem gegebenen Oi-te
zu anderen zu finden, waren kleine Korrektionstabellen an verschiedenen Stellen
der Karte hinzugefügt, wo sich die Länge und Breite um 10 Grad verändert
hatten. In dem oben angegebenen Berührungspunkte der Projektionsebene der
Karte mit der Kugel steht daher die Bemerkung: „Keine Kurskorrektion“.
Auf allgemeine Distanzmessungen zwischen entfernten Punkten wurde noch
gänzlich verzichtet und dafür auf die trigonometrische Rechnung verwiesen.
Die Angaben der vorherrschenden Winde in den verschiedenen Gegenden sind
nach Maury’s Untersuchungen über den Nordatlantischen Ocean, für die vier
Jahreszeiten, mit Dezember beginnend, angesetzt. Die Erklärungen auf der
Karte schliefsen mit der Bemerkung: „Die vorliegende Skizze, eine Kopie, macht
in Bezug auf die Konfiguration des Landes etc. keinen Anspruch auf Genauig
keit; solche wird der auszuführenden Karte Vorbehalten. Gez, E. K. Knorr.
Washington am 1. Oktober 1867.“
Diese Kartenskizze kann also als Ursprung und Vorarbeit angesehen
werden, woraus die später veröffentlichten und die jetzigen Karten vollkommener
entstanden sind. Die Skizze war auch nach einem sehr grofsen Mafsstabe an
gelegt, indem der Durchmesser des Erdglobus, zu dem die Karte als Berührungs
ebene dient, beinahe 4 Fufs betrug, oder genauer' ergab sich der Kugelradius
l) Bei diesen mit aller Feinheit konstruirten Karten zeigte sich eine starke Ungleichheit
in der Zusammenziehung des Papiers, besonders in der Karte für die Nordpolar-Projektion, wo der
eine Kreisdurchmesser (0 h bis 12 h ) 254mm lang ist, der andere (6 h bis 18 h ) nur 248mm, also der
hier ziemlich bedeutende Unterschied von 6 mm oder */40 des Ganzen = 2'/2 pCt. sich ergiebt.
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