Bathe, J.: Zur Geschichte der Tafeln der Meridionalteile, . 431
Berechnung der Strichtafeln benutzt und dann mit Hilfe dieser beiden Mittel die
nautischen Rechnungen auszuführen gelehrt. Der erste, welcher die Tafel der
Meridionalteile unmittelbar für nautische Rechnungen benutzte, scheint R. Handson
gewesen zu sein, von welchem J. Wilson (S. XIV) sagt: „However, in-1614, Mr.
Raphe Handson, among his nautical questions, subjoined to a translation of
Pitiscus’ Trigonometry, solved very distinctly every case of navigation, by
applying arithmetical calculations to Wrights table of latitudes, or of meridional
parts, as it has since been called.‘
Schon etwas früher .behandelt der Niederländer Simon Stevin (+ 1620)
die hierher gehörigen Fragen im 4. Buch seiner „Wiscondige Gedachtnissen‘“ (Leyden
1605/8), das der Geographie gewidmet ist!®). Dieses Werk ist gleichzeitig vom jugend-
lichen Will. Snellius ins Lateinische übersetzt unter dem Titel „HAypomnemata
Mathematica‘ 1), bestimmt für den Prinzen Moritz von. Nassau. Es ist zugleich
das Werk, in welchem Snellius (1605) zuerst die griechischen Ausdrücke Orthodrome
und Loxodrome für die beiden Richtungslinien auf der Kugel einführt®). Sowohl
die niederländische als die lateinische Ausgabe ist selten. Ihr Inhalt ist bekannter
geworden durch dievon A. Girard 1634 veranstaltete Übersetzung ins Französische?®).
An besagter Stelle?) übernimmt Stevin von Wright das Verfahren zur Berechnung
der Strichtafeln und versucht Wright einen Fehler in der seinigen nachzuweisen.
Auch gibt Stevin eine Tafel der Meridionalteile, ohne zu sagen, woher sie stammt.
Er bringt die Meridionalteile von zehn zu zehn Minuten in Zehnteln der Äquator-
minute. In einer etwas heftigen Erwiderung verteidigt sich Wright in der zweiten
Auflage seiner Schrift Certain Errors (p. 453) gegen die Stevinschen Angriffe und
sagt, daß die Tafel von ihm herrühre. Eine, Vergleichung zeigt, daß dem so ist. Die
Stevinsche Tabula collectarum secantium bzw. Table de la somme des secantes
stimmt mit Wrights Table of Latitudes völlig überein. |
Obwohl sehon bald vollkommenere Tafeln berechnet wurden, ist doch die
Tafel von Wright noch lange Zeit hindurch gebraucht und in nautischen Büchern
abgedruckt worden. So enthält die Trigonometrie von R. Norwood?®) diese Tafel,
und zwar die Meridionalteile in ganzen Minuten für jede sechste Minute der Breite.
Norwood erwähnt (S. 140) eine Tafel von Gunter, die in ähnlicher Weise eine Ab-
kürzung der Wrightschen sei. Auch das nautische Werk von Henry Wilson,
das im 18. Jahrhundert in vielen Auflagen erschien??®), bringt noch die Tafel von
Wright, und zwar werden die Meridionalteile in ganzen Minuten für jede Minute
der Breite mitgeteilt. ;
5. Der Name der Tafeln. «
Es scheint angebracht, an dieser Stelle unserer Betrachtungen auf die Bezeich-
nungen einzugehen, welche die Tafeln der vergrößerten Breiten im Laufe der Zeit
bei den verschiedenen seefahrenden Nationen gefunden haben.
Da Edward Wright, der eine solche zuerst berechnet hat, damit vor allem
die bisherige Plattkarte durch eine für die Nautik zweckmäßigere Karte ersetzen
wollte, so ist verständlich, daß er auch bei der Bezeichnung seiner Tafel an ihre prak-
tische Verwertung erinnert. Er nennt sie in der ersten Auflage seines Werkes „Certain
Errors... detected and corrected‘“ von 1599 „A Table for the true dividing of the
Meridians in the Sea chart“. Aber schon in der zweiten Auflage von 1610 sagt er:
This table may not unfitly be called „A Table of Latitudes‘. Dort billigt er auch die
Bezeichnung, die mehr das theoretische Wesen der Tafel kennzeichnet und schon
1605 von Simon Stevin angewandt wird. „A name*‘, sagter, „I confesse not unfitly
13) Diese Originalausgabe stand mir nicht zur Verfügung,
1) Hypomnemata Mathematica a Simone Stevino conscripta et e Belgico in Latinum a Wik
Sn. conversa. Lugd. Bat. 1605—8. (Universitäts-Bibliothek Göttingen.) .
16) Vgl. darüber H. Wagner in Ann. d. Hydr. usw. 1915, S. 302. .
16) Les veuvres mathematiques de Simon Stevin de Bruges. Le tout reveu, corrige et augmente
par Albert Girard. A Leyde, 1634, (Göttingen, Berlin.) ;
1) Lat. Ausgabe, II., 1605, Lib. IV. de Histiodromia. p. 85 ff. — Franz. Ausgabe, 1634, IL,
IV. Livre, p. 147 ff. {
18) Richard Norwood, Trigonometry; 8. edition, London 1685. (Seefahrtschule Bremen.)
19) Navigation new modelled... by Henry Wilson. London, 1.. ed. 1715; .7. ed. 1752.
{(Universitäts-Bibliothek Göttingen.)