Kleine Notizen.
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Kleine Notizen. 1 )
1. (D.S.) Mittheilungen aus dem meteorologischen Journal der
Deutschen Bark „Wega“, Kapt. A. Leopold.
a) Aufsergewöhnliches Meerleuchten. Auf unserer Reise von Cardiff nach
Singapore sahen wir am Abend des 7. Oktober 1888 auf etwa 4,4° N-Br und
18,4° W-Lg im Nordatlantischen Ocean ein auffällig starkes Meerleuchten.
Dicht unter der Meeresoberfläche zeigten sich stark leuchtende Flächen von der
Gröfse eines Schiffes, von denen einige Aehnlichkeit mit Kometen hatten. Die
Westseiten derselben waren am hellsten und scharf begrenzt, während sie nach
Osten matter leuchteten und der Rand ausgefasert erschien. Als wir durch
einen solchen Streifen hindurchsegelten, verbreitete derselbe ein solch starkes
Licht, dass man eine Zeitung von gewöhnlichem Druck, in die richtige Lage
gebracht, lesen konnte. Wir schlugen eine Pütze voll Wasser auf und fanden,
dass die darin treibenden leuchtenden Körper Aehnlichkeit mit Fischlaich hatten.
Es wehte zur Zeit eine leichte südliche Briese bei einer Lufttemperatur
von 25,2° C und einer Wassertemperatur von 26,5° C. Der Himmel war schwach
bewölkt und die See leicht bewegt.
h) Bemerkung zur Reise von Singapore nach Bangkok. In der Zeit des
NE-Monsuns ist die Apt-Passage nicht zu empfehlen. Meiner Ansicht nach ist
es besser, zwischen den Wafwnas-Inseln hindurch zu steuern und dann im Osten
der Untiefen von Luconia aufzuarbeiten.
c) Der Bau von Leuchtthürmen am Stanton-Kanal (Banka-Straße) ist
schon seit 15 bis 20 Jahren im Plane, allein erst jetzt scheint derselbe endlich
zur Ausführung zu gelangen. Als wir am 2. April 1888, durch die Banka-
Strafse segelnd, Pulo Besar passirten, sahen wir hier das Fundament eines
Feuerthurmes legen, auch war eine Verbindung zwischen dieser Insel und der
BaM&a-Küste durch einen Damm hergestellt, der wohl zur Beförderung des Bau
materials diente. 2 )
2. Strömungen an der Küste von Dalmatien und Montenegro.
Adriatisches Meer. (Hydrographische Nachricht 7/48. Pola 1890.) Nach
einem Berichte des Kommandanten des österreichisch - ungarischen Schiffes
„Narenta“, Linienschiffs-Lieutenant August Schweisgut, sind die Strömungen,
welche unter der Küste der Bocche di Cattaro 3 ) verzeichnet sind, noch in der
angegebenen Richtung und Stärke bis auf 15 bis 20 Sm vom Lande fühlbar.
Die Strömungen in der Bocche di Cattaro selbst sind vorwiegend Fluth
und Ebbeströmungen; nach heftigen Regengüssen finden sich noch einzelne
Stromarme vor, die von den sich in das Meer ergiefsenden Bächen herrühren
uud manchmal mit beträchtlicher Stärke aus ihrer Mündung strömen.
In Melinje ist die Strömung aus dem Zelenica-Bache öfter sehr bemerkbar
und mufs dieselbe beim Untersegelgehen in Betracht gezogen werden.
Vor der Mündung des Bo/awa-Flusses ist zuweilen die Flussströmung in
hohem Mafse fühlbar; da3 Schiff kann durch dieselbe stündlich über 1 Sm
weit seewärts versetzt werden.
Die starke Oberfiächenströmung beeinfiufst das Steuern des Schiffes noch
bis auf 4 bis 5 Sm vom Lande, und scheint sich die ganze Strömung an der
Mündung dieses Flusses in zwei Arme zu theilen, von welchen der eine gegen
SO und der andere gegen WSW setzt.
3. Hafenbauten zu Korfu. Insel Korfu. Ionischeinsein. (Kund
machung für Seefahrer 7/159. Pola 1890.) Nach einem Berichte des Kommandanten
t) Die mit (D. S.) bezeiehneten Notizen sind von der Deutschen Seewarle eingesendef.
2 ) S. Nachr. f. Seefahrer 1889 No. 548 u. 1353. Diesen zufolge ist das erwähnte Feuer
am 9. Juni 1889 angezündet worden, ebenso das auf der Insel Datum und das auf der Insel Dapur.
3) Mediterranean Pilot, Vol. III, 1880, pag. 234.