156 Vierteljahrs-Wetter-Ruadschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
noch Ostwinde beobachtet wurden, blieb „Gerd Heye“ erheblich gegen den Mit
segler „Emil Julius“ zurück. Am 9. Februar Mittags batte sich dieses Schiff
in 30,1° N-Br und 45,2° W-Lg, jenes in 29,4° N-Br und 47,2° W-Lg befunden.
Bis zum 14. Februar blieben darauf beide Schiffe in geringer Entfernung von
einander, nach dieser Zeit erzielte der „Emil Julius“ aber einen weit besseren
Fortgang. Er segelte bis zum 18. Februar nach 37,3° N-Br in 44,5° W-Lg,
während „Gerd Heye“ nur bis 35,3° N-Br in 44,1° W-Lg vorrücken konnte.
Yor dem Kanal, wohin dies Schiff entsprechend später als „Emil Julius“ ge
langte, wurde „Gerd Heye“ noch durch stürmischen Ostwind zurückgehalten,
und durch all diese Umstände wurde schliefslich bewirkt, dafs er erst neun
Tage später, als der eiserne Mitsegler den Kanal erreichte, im Hafen von
Queenstown ankern konnte.
„ Ventilia“ und „Terpsichore“, die beiden letzten Schiffe der Tabelle,
überschritten den Aequator im Februar. Sie wurden nördlich von demselben
verkältnifsmäfsig lange durch Stille und leisen Zug aufgehalten. Am längsten
die westlicher stehende „ Terpsichore“, welche vier Tage zwischen der Linie und
2° N-Br zubrachte, etwas weniger, aber immer noch gegen Erwarten lange,
die von Lagos herkommende „ Ventilia“. Auch der Passat wurde von beiden
Schiffen nur in wenig befriedigender Weise angetroffen. Derselbe endete schon,
als er „ Ventilia“ nach 24,4° N-Br in 41° W-Lg und „Terpsichore“ nach 20,7°
N-Br in 39,1° W-Lg geführt hatte. Nachdem die beiden Schiffe sein Gebiet
aber verlassen hatten, wurden sie für längere Zeit vom Winde sehr begünstigt.
Derselbe hielt sich fast ununterbrochen im westlichen Halbkreise und nahm
erst wieder östliche Richtung an, als die Mitsegler dem Kanal schon ziemlich
nahe waren. Dieser Ostwind trat bei „Terpsichore“ stürmisch auf, wehte, als
sich dieses Schiff am 17. März bei 45° N-Br in 31° W-Lg befand, sogar als
heftiger, von einem niedrigsten Luftdruck von 727,4 mm begleiteter Sturm. Da
gegen erreichte er bei der gleichzeitig nicht weit von der Kanalmündung befind
lichen „ Ventilia“ nur die Stärke einer frischen Briese. Dieses Schiff gelangte
nach Lizard am 18. März, während jenes am 24. März im Hafen von Queens
town ankerte.
Von den beiden nach New-York bestimmten Schiffen „Anna Thormann“
und „Columbus“ legte das erstere den Weg zwischen Aequator und Bestimmungs
platz in 48, das letztere in 25 Tagen zurück. Der grofse Unterschied in der
Dauer dieser beiden Reisen war eine Folge des von „Anna Thormann“ an
getroffenen schlechten Passats und der auf dem letzten Reiseab3chnitt herrschen
den stürmischen Gegenwinde. Während der ersten in nördlicher Breite zu
gebrachten Zeit fand „Anna Thormann“ ganz günstige Verhältnisse. Der
Uebergang zum Gebiete des Nordostpassats erfolgte ohne Schwierigkeit und in
ihm fand das Schiff anfänglich auch einen befriedigend frischen Wind. Nach
dem 13° N-Br überschritten worden war, sank der Passat jedoch zur leichten
Briese herab und unweit von 22° N-Br in 54° W-Lg endete derselbe am
13. Januar in Stille und Mallung. Nachdem das Schiff später noch durch die
nördlich von 30° N-Br angetroffenen Nord weststürme zurückgehalten worden
war, gelang es am 9. Februar den Hafen von New-York zu erreichen. Der
Mitsegler „Columbus“ fand günstigeren Passat, als „Anna Thormann“. Derselbe
führte das Schiff bis zum 5. Februar nach 21,5° N-Br in 63,5° W-Lg; dort
ging der Wind in Stille über. Auf diese folgte jedoch schon nach einem Tage
wieder ein frischer Ostwind, der sogar am 9. Februar die Stärke eines mäfsigen
Sturmes erreichte und nach kurzer Unterbrechung durch westliche Winde das
Schiff zum 16. Februar nach dem Hafen von New-York führte.
(Schlufs folgt.)