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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Bundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86. 
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3. Reisen von Nord nach Süd. 
Von den 22 Schiffen der vorstehenden Tabelle, die während der zu be 
sprechenden Zeit Reisen nach der Linie oder zum Golf von Guinea ausführten, 
segelten 19 von Nordeuropa ab, zwei traten von dorther Reisen nach Lagos 
an, und ein Schiff vollendete eine Reise von New-York zum Aequator. Die 
mittlere Dauer der Reisen der ersteren Gruppe betrug 30 Tage, für die nach 
Lagos segelnden Schiffe war der entsprechende Betrag 41 Tage, das von New- 
York abgegangene Schiff schnitt die Linie nach 30tägiger Fahrt. Unter den 
Reisen der Schiffe, die von Lizard abgegangen waren, ragt die nur 15 Tage in 
Anspruch nehmende Fahrt des „Erwin Rickmers“ durch ihre, so weit bekannt, 
nie vorher erreichte Kürze hervor. Dagegen waren für mehrere andere 42 Tage 
zur Zurücklegung derselben Strecke erforderlich. 
Von den angeführten Schiffen traten die fünf ersten: „Schiller“, „Hermann“, 
„Martha“, „Van den Bergh“ und „Germania“ noch im November ihre Reise an. 
Von ihnen vollendete „Schiller“ die Fahrt in der befriedigend kurzen Zeit von 
27 Tagen, während die übrigen vier Mitsegler meist über 40 Tage für die 
Strecke gebrauchten. Der Aufenthalt entstand auf dem ersten, nördlich von 
30° N-Br gelegenen Reiseabschnitt, wo Ende November fast ununterbrochen 
südwestliche Stürme wehten und auch im Dezember die Verhältnisse noch wenig 
günstiger waren. Den Grund zeigt uns Karte I in der Lage des Hochdruck 
gebietes, sowie in dem dort verzeichneten Tiefdruckgebiete, welches sich im 
östlichen Theile des Atlantik vom 6. bis zum 9. Dezember nach Süden bewegte. 
Besonders aber war es das Tiefdruckgebiet, welches sich laut Karte II während 
der zweiten Hälfte des Dezember auf höchst unregelmäfsiger verschlungener 
Bahn in der Nähe der Azoren bewegte. Die durch dasselbe verursachten an 
haltenden Südwestwinde wehten am heftigsten am 16. Dezember, an welchem 
Tage Mittags sich „Hermann“ in 30,7° N-Br und 18,8° W-Lg, „Martha“ in 
32,2° N-Br und 20° W-Lg, „Van den Bergh“ in 30,8° N-Br und 19,4° W-Lg 
und „Germania“ in 34,1° N-Br und 19,8° W-Lg befand. Der Mitseglor „Schiller“, 
welcher nur vier Tage vor den nächsten drei in der Liste folgenden Schiffen 
50° N-Br verlassen hatte, war von dem stürmischen, so überaus lange an 
haltenden Südwestwinde verschont geblieben, hatte am 27. November unweit 
28° N-Br und 20,5° W-Lg den Nordostpassat angetroffen und befand sich am 
16. Dezember schon in 5° S-Br und 31° W-Lg; ein Beweis, von welch grofser 
Wichtigkeit einige Tage Unterschied im Reiseantritt manchmal sein können. 
Nachdem sich jener Sturm vom 16. Dezember gemäfsigt hatte, stellte sich drei 
Tage später, nahezu gleichzeitig bei allen vier Mitseglern, der Nordostpassat 
ein. Bei „Hermann“ geschah es in 28,1° N-Br und 19,2° W-Lg, bei „Martha“ 
in 29,3° N-Br und 20,4° W-Lg, bei „Van den Bergh“ in 28,5° N-Br und 
18,6° W-Lg und bei „Germania“ in 31,4° N-Br und 18,6° W-Lg. Begünstigt 
von diesem Winde, nahmen alle Reisen dann endlich für längere Zeit einen 
befriedigenden Verlauf. Nachdem das Passatgebiet durchsegelt worden war, 
konnte auch der Stillengürtel leicht überschritten werden. Von „Germania“ 
wurde ein solcher überhaupt garnicht angetroffen, und alle zusammen gingen 
schliefslich an demselben Tage, am 1. Januar, zwischen 8 bis 12 Uhr Morgens 
von nördlicher in südliche Breite über. 
Die nächste Gruppe von Schiffen, welche ihre Reise vom Kanal zur Linie 
antrat, besteht aus „Johann Hinrich“, „Rose“ und „Willy Rickmers“. Von ihnen 
vollendeten das erste und das letzte ihre Fahrt in 25 Tagen, während „Rose“ 
deren für dieselbe Strecke 33 benöthigte. „Johann Hinrich“ wurde, nachdem 
er den Kanal am 7. Dezember verlassen hatte, von einem stürmischen Ostwinde 
rasch südwärts geführt. Letzterer wehte an der Nordseite desselben Tiefdruck 
gebietes der Karte I, dessen auf seiner südlichen Hälfte herrschender Südwest 
wind dem Fortgange jener vier Schiffe so sehr hinderlich gewesen war. Mit 
dem Vorrücken des Schiffes nach Süden wurde die Windrichtung eine südlichere, 
und als „Johann Hinrich“ sich am 14. Dezember bei 36° N-Br und 22° W-Lg 
befand, wurde die Fahrt durch frische Südwestwinde, die verursacht wurden 
durch das ebenfalls schon anderweit erwähnte Tiefdruckgebiet der Karte II, 
gehindert. Von jetzt an verlief die Reise gleich der von „Hermann“, „Martha“, 
„ Van den Bergh“ und „Germania“. Den Sturm vom 16. Dezember überstand
	        
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