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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
mündung, und zwei Tage später gelangte auch „Republik“ bei Sturm aus Süd
west dahin.
Ende Januar bezw. Anfang Februar gingen „Mozart“, „George Washington“
und „Olbers“ von New-York oder Philadelphia aus in See, um nach dem Kanal
zu segeln. Von ihnen vollendete das erstere Schiff die Fahrt über den Ocean
in 32 Tagen, während die anderen beiden Mitsegler mit 44 Tagen die längsten
der vorliegenden Fahrten ausführten. Die von diesen drei Schiffen auf See zu
erst angetroffenen Winde waren nicht gerade günstige. Es zogen damals, wie
die Karten VII und VIII e3 zeigen, längs der Küste auf hoch nördlicher Bahn
Tiefdruckgebiete, deren an ihrer Nordseite wehende Winde dem Fortgang der
Reisen ungünstig waren. Immerhin konnten die Schiffe zunächst noch in ziemlich
befriedigender Weise vorrücken. Erst nachdem sie die Länge der Azoren
erreicht hatten, fanden „George Washington“ und „Olbers“ die hauptsächliche
Verzögerung ihrer Reise durch lang anhaltende, nicht selten stürmisch wehende
Ostwinde. „Mozart“, der schon 22° W-Lg überschritten hatte, als der Wind
östliche Richtung annahm, und der den Gegenwind auch nicht von ähnlicher
Dauer hatte, konnte den Kanal in bedeutend kürzerer Zeit erreichen. Diese
von allen drei Schiffen beobachteten Ostwinde wurden hervorgerufen durch die
Thatsache, dafs vom 23. bis zum 26. Februar mehrere Tiefdruckgebiete sich
südlich von ihnen nach Osten bewegten. (Siehe Karte X.) Am 26. Februar
stellte sich bei „Mozart“ wieder südwestlicher Wind ein, der das Schiff rasch
zum Kanal führte. „George Washington“ und „Olbers“ dagegen wurden noch
längere Zeit durch Ostwind zurückgehalten, derselbe wehte auch noch im März
und trat dann sogar an mehreren Tagen als heftiger Sturm auf. Sie gelangten
nach Lizard erst am 19. März, während „Mozart“ diesen Punkt schon am 2. März
erreicht hatte.
Die beiden letzten Schiffe der Liste sind „J. F. Pust“ und „Marie“.
Das erstere trat die Reise von Doboy aus, das andere von dem im Golf von
Mexiko gelegenen Hafen Laguna aus an. Die Reise des „J. F. Pust“ nahm,
wegen angetroffener Ostwinde, anfänglich ebenfalls keinen befriedigenden Ver
lauf. Nachdem die Windrichtung jedoch am 11. Februar eine südliche, bald
darauf eine südwestliche geworden war, konnte man in befriedigend rascher
Weise nach Osten hin vorrücken. Indem „J. F. Pust“ sich südlicher hielt als
die beiden Mitsegler „George Washington“ und „Olbers“, blieb er mehrfach im
Bereiche der Westwinde des Tiefdruckgebietes, an dessen Nordseite jene
Schiffe durch Ostwinde zurückgehalten wurden. Am auffallendsten zeigte sich
dies am 24. Februar, an welchem Tage Mittags „Olbers“ in 47° N-Br und
30,3° W-Lg frischen Südostwind, „J. F. Pust“ in 41,2° N-Br und 41,4° W-Lg
dagegen stürmischen Nordwestwind hatte. (Siehe Karte X.) Während der
letzten beiden Tage im Februar und am 1. März wiederholte sich dieser
Vorgang. An diesen Tagen konnte der bei frischem Südwestwinde segelndo
„./. F. Pust“ 400 Sm zurücklegen, während der durch Ostwind gehinderte
„Olbers“ einen nennenswerthen Fortschritt nach Osten überhaupt nicht gut
machen konnte. Infolge dieser Verschiedenheit der herrschenden Winde erreichte
„J. F. Pust“ den Meridian von 10° West zwei Tage eher, als „Olbers“ es that.
Erfahrungsgemäfs ist eine ähnliche Wetterlage im Winter nicht selten vorhanden,
und wird dadurch die hergebrachte Meinung, dafs es im Winter vortheilhafter
ist, nicht zu früh Kanalbreite auzusteuern, als richtig bestätigt.
Die Brigg „Marie“, welche am 9. Februar von Laguna aus in See ge
gangen war, erreichte den offenen Ocean erst am 22. Februar. Sie überstand
dort wenige Tage später einen heftigen Nordwmststurm, welcher verursacht
wurde durch jenes Tiefdruckgebiet der Karte X, das an diesem Tage, vom
nördlichen Theile der Union herkommend, den Ocean erreichte. Da der Wind
später für „Marie“ fast ununterbrochen günstig blieb, konnte ein befriedigend
rascher Fortgang nach Osten erzielt werden. Durch Stürme wurde die Fahrt
auch kaum beunruhigt, und am 19. März erreichte die Brigg die Kanalmündung.
Die Fahrt über den Ocean, von 75° W-Lg her, hatte nur 21 Tage in Anspruch
genommen.