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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau  der  Deutschen  Seewarte,  Winter  1885—86.

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Reise  sehr  häußg  von  Stürmen  beunruhigt.  Da  diese  indessen  noch  meistens
aus  westlicher  Richtung  wehten,  war  der  Fortgang  der  Schiffe  nach  Osten  hin
ein  befriedigender.  Als  „J.  W.  Wendt“  aber  am  7.  Dezember  nach  47,7°  N-Br
und  19,5°  W-Lg  vorgerückt  war,  gerieth  er  in  schwere  Nordoststürme,  die
unverhältnifsmäfsig  lange  anhielten  und  nach  denen,  selbst  als  sie  sich  gemäfsigt
hatten,  die  Windrichtung  noch  lange  eine  östliche  blieb.  Diese  Stürme  wurden
verursacht  durch  jenes  Tiefdruckgebiet,  dessen  nach  Osten  und  Süden  gerichtete
Bahn  auf  Karte  I  dargostellt  ist  und  dessen  Mittelpunkt  südlich  vom  Schiff
passirte.  „Cleopatra“,  welche  sich  am  7.  Dezember  noch  in  43,7°  N-Br  und
40,2°  W-Lg  befand,  blieb  von  jenen  Stürmen  sowohl,  wie  dem  nachfolgenden
Ostwinde  verschont  und  konnte  sich  daher  dem  Mitsegler  um  ein  Beträchtliches
nähern.  Am  Mittag  des  12.  Dezember,  an  welchem  Tage  die  Windrichtung
beim  „J.  W.  Wendt“  wieder  eine  westliche  wurde,  war  „Cleopatra“  nach  47,7°
N-Br  in  28,8°  W-Lg  vorgerückt.  Das  erstere  Schiff  segelte  darauf  bis  zum
15.  Dezember  zur  Kanalmündung,  während  das  letztere  Lizard  am  22.  Dezember
erreichte.
Yon  den  beiden  Schiffen  „Amelia“  und  „Palme“,  welche  im  zweiten
Drittel  des  Dezember  ihre  Reise  antraten,  war  nur  das  erstere  zum  Kanal,  das
andere  dagegen  zum  Mittelmeer  bestimmt.  Die  Reise  des  einen  wie  des  anderen
wurde  durch  lang  anhaltenden  Ostwind  bedeutend  verlängert,  auch  hatten  beide
gleichzeitig  am  22.  Dezember  einen  ganz  ungewöhnlich  heftigen  Sturm  zu  überstehen. ­
  Derselbe  begann  bei  „Amelia“  in  42°  N-Br  und  50,4°  W-Lg  aus  südöstlicher, ­
  bei  „Palme“  in  39,7°  N-Br  und  56,4°  W-Lg  aus  südlicher  Richtung
und  erreichte,  nachdem  der  Wind  nach  West  umgelaufen  war,  die  Stärke  eines
vollen  Orkans.  Der  Luftdruck  nahm  dabei  bis  zum  niedrigsten  Stande  von
748,0  mm  ab.  Dieser  Sturm  kam  mit  dem  Tiefdruckgebiet,  dessen  kurze  Bahn
sich  unweit  der  Neufundland-Banken  auf  Karte  III  verfolgen  läfst.  Einige
Tage,  nachdem  sich  der  Sturm  gemäfsigt  hatte,  nahm  der  Wind  unter  dem
Einflufs  des  flachen  Tiefdruckgebietes,  welches  Karte  III  auf  der  Mitte  des
Oceans  zwischen  30°  und  40°  W-Lg  zeigt,  bei  beiden  Schiffen  für  längere  Zeit
östliche  Richtung  an.  Oestlich  von  30°  W-Lg,  wohin  „Palme“  am  11.  Januar
gelangte,  traf  dies,  wegen  der  Lago  seines  Bestimmungshafens  sich  südlicher
als  der  Mitsegler  haltende  Schiff  später  auf  jene  anhaltenden  Nordostwinde,  die
eine  Folge  der  Lage  des  Hochdruckgebietes  der  Karte  V  waren.  Erst  nachdem ­
  die  Wetterlage  am  16.  Januar  eine  ganz  veränderte  geworden  war,  stellten
sich  wieder  günstige  Winde  ein,  welche  „Palme“  bis  zum  20.  Januar  zur  Strafse
von  Gibraltar  führten.  Noch  ungünstiger  als  bei  diesem  Schiffe  war  die  zweite
Hälfte  von  „Amelia’s“  Reise  durch  Ostwinde  beeinflufst  worden.  Unter  den
20  Tagen,  welche  dies  Schiff  östlich  von  44°  W-Lg  zubrachte,  waren  15,  an
denen  der  Wind  östliche  Richtung  hatte.  „Amelia“  gelangte  am  13.  Januar
zur  Mündung  des  Kanals.
Die  Reisen  von  „Hedwig“  und  von  „Republik“,  welche  mit  wenigen
Tagen  Unterschied  in  der  Abfahrt  begonnen  wurden,  konnten  in  etwas  kürzerer
Zeit  als  die  eben  erwähnten  vollendet  werden,  obgleich  auch  während  ihrer
Dauer  längere  Zeit  anhaltende  Ostwinde  beobachtet  wrnrden.  Durch  nennenswerthe
  Stürme  wurden  sie  nicht  beunruhigt.  „Hedwig“  wurde  schon  wenige
Tage  nach  der  Abreise  durch  einen  mehrere  Tage  lang  anhaltenden  Ostwind
zurückgehalten,  der  eine  Folge  der  Lage  jenes  Hochdruckgebietes  der  Karte  IV
gewesen  zu  sein  scheint,  welches  sich  vom  1.  bis  zum  4.  Januar  über  den  nordöstlichen ­
  Theil  von  Nordamerika  ausdehnte.  Auch  „Republik“  blieb  von  diesem
Winde  nicht  ganz  verschont,  doch  traf  dies  Schiff  ihn  nur  schwach  und  unbeständig. ­
  Nachdem  derselbe  geendet  hatte,  trat  eine  längere  Periode  westlicher ­
  und  südlicher  Winde  ein,  bei  denen  die  Reisen  beider  Schiffe  einen
befriedigend  raschen  Verlauf  nahmen.  Jene  waren  eine  Folge  der  Lage  der
Hochdruckgebiete  (siehe  Karte  V),  in  deren  Bereich  das  Barometer  bei  beiden
Schiffen  für  kurze  Zeit  einen  höchsten  Stand  von  780  mm  erreichte.  Nicht  weit
vom  Kanal  wurden  beide  Mitsegler  aber  noch  wieder  für  längere  Zeit  durch
östliche  Winde  zurückgehalten.  Letztere  wurden  geschaffen  durch  jene  Tiefdruckgebiete ­
  der  Karte  VI,  welche  sich  im  letzten  Drittel  des  Monats  Januar
in  unregelmäfsiger  Bahn  in  der  Nähe  von  und  über  der  Bai  von  Biscaya  bewegten. ­
  Ein  frischer  Südostwind  führte  „Hedwig“  am  28.  Januar  zur  Kanal-4*

            
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