146
Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
auf welcher Reiseroute es sich diesem Hafen näherte, zurückgehalten haben.
Andererseits sind wenige Tage Unterschied im Reiseantritt oft von grofsem Ein-
flufs auf die Reisedauer. Am 20. Januar, also zwei Tage früher, als „Magdalena“
den Kanal verliefs, wehten nach Ausweis der Wetterkarte dieses Tages von der
Südwestspitze Irlands bis zur Strafse von Gibraltar kräftige Nordwestwinde, bei
denen ein vom Kanal ausgehendes Schiff gar nicht anders hätte handeln können,
als nach Südwesten hin abzuhalten. Dagegen waren die Verhältnisse am 23. und
24. Januar ganz andere geworden. Was hier für den östlichen Theil des
Atlantik gesagt wird, gilt in demselben Mafse auch für den westlichen Theil,
Nach den Wetterkarten waren dort die herrschenden Winde vom 10. bis zum
20. Februar für die Fahrt von 30° N-Br nach New-York verhältnifsmäfsig
günstig, während nach dem 26. Februar die anhaltenden Nordweststürme wehten.
Die Reisen von „Andromeda“ und „Ehe“, der beiden letzten der an
geführten Schiffe, nahmen einen günstigeren Verlauf, als die eben behandelte.
Sie wurden auf direkter Route im Mittel von 38 Tagen ausgeführt, wobei die
Schiffe sich meist in geringer Entfernung von einander befanden. Nachdem
„Andromeda“ am 7. Februar den Kanal verlassen hatte, wurde sie anfänglich
für längere Zeit durch leichte Westwinde zurückgehalten. Wie Karte VIII
zeigt, befand sich der betreffende östliche Theil des Atlantik damals an der
Nordseite eines sieh weithin über Europa erstreckenden Hochdruckgebietes.
Als „Else“ vier Tage später den Ocean betrat, waren die Verhältnisse kaum
günstiger geworden; erst am 14. Februar, als Ostwind, der verursacht wurde
durch ein flaches, sich von Norden her zur Bai von Biscaya bewegendes Tiefdruck
gebiet, die Mitsegler erreichte, konnte ein rascherer Fortgang erzielt werden.
(Siehe Karte IX.) Die meistens nahe bei einander befindlichen Schiffe legten
dann den Weg über den Ocean auf direkter Route zurück. Die dort an
getroffenen Verhältnisse waren mäfsig günstige, auch waren ziemlich häufig
Stürme zu überstehen. Den schwersten, fast orkanartig wehenden beobachteten
die beiden Mitsegler am 19. Februar, an welchem Tage sich „Andromeda“ in
46,5° N-Br und 29° W-Lg und „Else“ in 48° N-Br und 30° W-Lg befand. Bei
dem letzteren, dem nördlicher stehenden Schiffe, begann der Sturm aus Ost,
während „Else“ nur Weststurm beobachtete. Der Luftdruck erreichte bei
„Andromeda“ einen tiefsten Stand von 728 mm. Das diesen Sturm bewirkende
Tiefdruckgebiet bewegte sich, wie Karte IX zeigt, mit grofser Schnelligkeit
nach Nordosten. Recht günstig erwiesen sich dem Fortgange der Reise jene
stürmischen, vom 24. bis zum 26. Februar wehenden Ostwinde, welche die Folge
des Auftretens eines auf Karte X angegebenen, südwärts vom Schiffe nach Osten
ziehenden Tiefdruckgebietes waren. Der übrige Theil der Reise wurde bei
veränderlichen, meist westlichen Winden zurückgelegt, ohne dafs darüber etwas
Besonderes zu erwähnen wäre. Am 18. März Mittags befand sich „Andromeda“
in 40,2° N-Br und 71,2° W-Lg, „Else“ in 39,6° N-Br und 69,5° W-Lg. Von
hier aus erreichte jenes Schiff den Hafen von New-York schon nach einem
Tage, während für den Mitsegler noch vier Tage erforderlich waren, ehe er
ans Ziel gelangte.
2. Reisen von West nach Ost.
Während des vorliegenden Winters vollendeten elf mit der Seewarte
in Verbindung stehende Schiffe Reisen nach östlicher Richtung über den
Atlantischen Ocean. Acht wurden zwischen nördlich gelegenen Häfen der
Union und Nordeuropa zurückgelegt, eine Reise führte zum Mittelmeer und je
eine begann von Doboy und von Laguna aus. Die mittlere Reisedauer ersterer
acht Reisen war 34 Tage, die kürzeste derselben wurde in 26 Tagen vollendet,
die beiden längsten nahmen je 44 Tage in Anspruch. Die beiden ersten Schiffe
der Liste, der „J. W. Wendt“ und die „Cleopatra“, traten ihre Reise von Phila
delphia aus noch im Monat November an, und zwar nur mit einem Tage Unter
schied in der Abfahrt. Das erstere Schiff eilte dem Mitsegler anfänglich be
deutend voraus, so dafs dessen Schiffsort am 1. Dezember in 42,3° N-Br und
39,2° W-Lg, gegen den gleichzeitigen der „Cleopatra“ in 39,7° N-Br und 56°
W-Lg war. Bei beiden Schiffen wehte an diesem Tage ein stürmischer Südwest
wind, der durch ein sich damals unweit 40° N-Br nach Osten bewegendes Tief
druckgebiet geschaffen wurde. (Siehe Karte I.) Nach dieser Zeit wurde ihre