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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86. 
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dem letzten, im Winter ja oft so schwierig zurückzulegenden Reiseabsehnitt 
wurden die Mitsegler durch die dort angetroffenen Winde ziemlich begünstigt, 
wenngleich „Deutschland“ und „Marie Louise 11 an mehreren Tagen heftige West 
stürme zu überstehen hatten. Am 4. Februar, an welchem Tage „Castine“ in 
26,5° N-Br und 66,8° W-Lg, „Deutschland“ in 31,6° N-Br und 71° W-Lg, 
„Marie Louise“ in 36,4° N-Br und 67,5° W-Lg und „Doris“ in 19,6° N-Br und 
53,2° W-Lg stand, wehte bei „Marie Louise“ ein Sturm aus Südwest, welcher 
anscheinend der heftigste war, den eins dieser vier Schiffe während seiner Reise 
beobachtete. Derselbe wurde bewirkt durch das Tiefdruckgebiet der Karte VIII, 
welches sich vom 3. bis zum 6. Februar, vom Süden der Vereinigten Staaten 
herkommend, mit grofser Schnelligkeit längs der Ostküste des Kontinents nach 
Nordosten bewegte. „Marie Louise“ wurde nach dieser Zeit am längsten von 
Gegenwinden zurückgehalten, während die anderen Mitsegler öfter durch Ost 
winde begünstigt wurden. Der Hafen von New-York wurde erreicht von 
„Castine“ am 16. Februar, von „Deutschland“ und „Marie Louise“ am 13. Februar 
und von „Doris“ am 17. Februar. 
Eine in Anbetracht der grofsen Segeltüchtigkeit des Schiffes besonders 
lange Reise machte die im letzten Drittel des Februar ihre Reise antretende 
„Magdalene“. Als dieses Schiff am 22. Januar den Kanal verliefs, lagerte in 
der Breite des Golfs von Biscaya ein Tiefdruckgebiet, wodurch vor der Kanal 
mündung kräftige Ostwinde geschaffen wurden. Der Führer der „Magdalene“ 
benutzte dieselben, indem er bei ihnen wohlüberlegt einen gut westlichen Kurs 
verfolgte. Das Schiff rückte bei dem sich später nach Nord west verändernden 
und schliefslich zur Stille herabsinkenden Winde in 4 Tagen nach 43,5° N-Br 
in 23,8° W-Lg vor. Hier, wo sich „Magdalene“ unter dem Einflüsse des Tief 
druckgebietes der Karte VII befand, welches sich damals auf der Mitte des 
Oceans zwischen 30° und 35° W-Lg nach Süden bewegte, verursachten heftige 
Südwestwinde eine mehrtägige Verzögerung, und dasselbe geschah durch eine 
darauf folgende, vier Tage lang anhaltende Windstille. Nachdem aber das 
Hochdruckgebiet die auf Karte VIII dargestellte Form angenommen hatte, kam 
bei der unweit von 38,8° N-Br in 21,7° W-Lg stehenden „Magdalene“ ein leiser 
Ostwind durch, der langsam auffrischte und dann für lange Zeit wehte. Das 
allmählich nach Süden abbiegende Schiff konnte nun für längere Zeit in be 
friedigender Weise nach Westen hin vorrücken. Einen Aufenthalt von mehreren 
Tagen verursachte in der Nähe von 27° N-Br und 38° W-Lg ein nur schwaches, 
auf Karte VIII verzeichnetes Tiefdruckgebiet. Als dieses verschwunden war, 
stellte sich bald wieder kräftiger Ostwind ein, und die Reise nahm bis zum 
26. Februar aufs Neue einen ganz befriedigenden Verlauf. An diesem Tage 
aber, an welchem sich „Magdalene“ bei 32,5° N-Br und 71,5° W-Lg befand, 
veränderte sich der Wind durch Süd nach Nordwest, und es folgte nun eine 
solch lange Zeit heftig stürmender Gegenwinde, dafs jeder Fortschritt unmöglich 
gemacht wurde. In neun Etmalen konnte man kaum 50 Sm gut machen, und 
erst am 15. März, nach 52tägiger Reise, gelang es, den Hafen von New-York 
zu erreichen. Kapt. Meyer bemerkt am Schlüsse der Reise, dafs andere den 
Kanal nahezu gleichzeitig mit ihm verlassende Schiffe, die im offenen Ocean 
gleich einen hoch südlichen Kux-s einschlugen, kürzere Reisen als er machten, 
und glaubt, dafs, wenn er ebenso gehandelt hätte, er sein Ziel auch würde 
fi-üher ei'reicht haben. Es ist der Seewarte nicht möglich, diese Ansicht weder 
zu bestätigen, noch zu widerlegen, denn Reisen von Mitseglern der „Magdalene“ 
besitzt die Seewarte nicht. Aus den Wetterkarten des Atlantik für den 23. und 
24. Januar zeigt es sich aber, dafs der Mittelpunkt des Tiefdruckgebietes, 
welches, als „Magdalene“ den Kanal verliefs, vor demselben jene heftigen Ost 
winde schuf, nur in geringer Entfernung südwäi’ts lag, und dafs ein damals 
südlich steuerndes Schiff bald in südwestliche Winde hineingelaufen sein würde. 
Im Uebrigen war „Magdalene''s“ Fahrt über den Ocean, bis in verhältnifsmäfsig 
gei’inge Entfernung vom Bestimmungshafen, keineswegs eine unbefi’iedigende. 
Von 32,5° N-Br in 71,5° W-Lg, dem am'26. Februar nach 34tägiger Fahrt ab 
Kanal erreichten Schiffsorte, hätte „Magdalene“ recht gut in weniger als einer 
Woche ihr Ziel erreichen können, und würde sie damit eine gute Reise vollendet 
haben. Die schweren Nordweststürme, durch welche die Reise nach dieser Zeit 
verlängert wurde, würden jedes nach New-York bestimmte Schiff, ganz gleich 
Ann. d. Hydr. etc., 1890, Heft IV. 4
	        
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