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Vierteljahrs-Wetter-Rundsehau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
17. Januar seinen Bestimmungshafen erreichte, waren „Der Nordpol“ nach
17° N-Br in 47° W-Lg und „Maryland“ nach 23° N-Br in 61° W-Lg vorgerückt.
Dies letztere Schilf, welches auf dem letzten ßeiseabschnitt von Stürmen wenig
belästigt wurde, passirte Kap Henry am 29. Januar, während „Der Nordpol“
einen Tag vorher im Hafen von St. Thomas den Anker hatte fallen lassen.
Die drei Mitsegler „Anna“, „Marie“ und „Johanne“ verliefsen am 24. und
25. Dezember den Kanal. Auch sie wurden während der ersten Tage ihrer
Reise noch von den durch jenes wiederholt erwähnte, vom Golf von Biscaya
ausgehende Tiefdruckgebiet geschaffenen Ostwinden begünstigt. Dieselben
endeten in diesem Falle jedoch schon nach kurzer Zeit, und es folgten auf sie
umlaufende, aus südlicher Richtung vorherrschende Winde von mäfsiger Stärke,
welche eine Folge der Lage der östlichen Hochdruckgebiete der Karten IV und V
waren. „Marie“ und „Johanne“ verfolgten bei denselben einen südlichen, zum
Passate führenden Kurs, während „Anna“ die direkte Route einhielt. Sie fand
auf derselben ungünstigere Verhältnisse, als „Marie“ sie antraf; als „Anna“
sich am 6. Januar Mittags in 40,6° N-Br und 29° W-Lg befand, hatte „Marie“
auch schon nach 25,2° N-Br und 32° W-Lg vorrücken können. „Johanne“ war
freilich noch nicht weiter als nach 34,5° N-Br in 18,8° W-Lg gekommen. Nach
dieser Zeit wurde „Anna“ jedoch durch die angetroffenen Winde sehr begünstigt.
Zunächst nordöstliche, später, als man sich dem westlichen Rande des vom
6. bis zum 12. Januar herrschenden Hochdruckgebietes der Karte V näherte,
südöstliche Winde ermöglichten einen derartig raschen Fortgang des Schiffes
nach Westen, dafs das nun auch nach Süden abweichende Schiff bis zum
14. Januar nach 35° N-Br in 58° W-Lg segeln konnte. Die beiden Mitsegler,
denen dies Hochdruckgebiet einen beständigen Passat gebracht hatte, gelangten
gleichzeitig „Marie“ nach 19° N-Br in 53,3° W-Lg und „Johanne“ nach 23,4°
N-Br und 37,6° W-Lg. Nach dieser Zeit fand bei „Anna“ und „Marie“ eine
Verzögerung der Reise statt, während die vom Passat begünstigt bleibende
„Johanne“ ungestört weiter nach Westen hin vorrücken konnte. Bei „Marie“
stellte sich der Passat bald wieder ein, dagegen hatte „Anna“ noch für längere
Zeit mit Gegenwinden zu kämpfen. Am 17. und 18. Januar nahmen dieselben
bei ihr sogar bis zum heftigen, kurze Zeit andauernden Sturme zu. Derselbe
war ein Begleiter jenes sich vom 14. bis zum 18. Januar im westlichen Theile
des Atlantik, zwischen den beiden Hochdruckgebieten der Karte VI nach Norden
bewegenden Tiefdruckgebietes. Der Luftdruck sank an Bord von „Anna“ bis
auf 747,4 mm. Am Tage nach dem Sturme stieg derselbe innerhalb 24 Stunden
um 13 mm. Den letzten Reiseabschnitt legten „Anna“ wie „Marie“ unter ver-
hältnifsmäfsig recht günstigen Verhältnissen zurück. „Johanne“ traf später
noch für längere Zeit Gegenwinde, die indessen auch nicht stürmisch waren, an.
Am 31. Januar erreichten „Anna“ wie „Marie“ nach einer sehr befriedigenden
Fahrt von 38 Tagen ihren Bestimmungsplatz, und am 7. Februar geschah dies
auch von „Johanne“.
Recht günstig, nach durchschnittlicher Reise von 37 Tagen, legte auch
die erste Gruppe von Schiffen, welche im Januar den Kanal verliefe, die Reise
über den Ocean zurück. Diese Gruppe bestand aus den nach New-York be
stimmten Schiffen „Castine“, „Deutschland„Marie Louise“ und „Doris“. Von
ihnen suchten das erstere und das letztere das Passatgebiet auf, während
„Marie Louise“ und „Deutschland“ sich zwar auch während ihrer Fahrt über
den Ocean südlich von der direkten Route hielten, dabei jedoch das eigentliche
Passatgebiet nicht betraten. Alle vier Reisen wurden von Stürmen kaum be
unruhigt. Die Verhältnisse waren den in der zweiten Woche des Januar den
Kanal verlassenden Schiffen sehr günstig. Im östlichen Theile des Atlantik
wehten damals, verursacht durch das Hochdruckgebiet der Karte V, kräftige
Nordwinde, die bei den ersten drei Schiffen sich bald nach Nordost veränderten
und ihnen eine sehr günstige Gelegenheit gewährten, nach Südwesten hin vor
zurücken. Bis zum 19. Januar, an welchem Tage der Ostwind bei „Deutschland“
und „Marie Louise“ eine kurze Unterbrechung erlitt, segelte „Castine“ nach
29,6° N-Br in 33,5° W-Lg, „Deutschland“ nach 31° N-Br in 39,6° W-Lg, „Marie
Louise“ nach 32,8° N-Br in 35° W-Lg und „Doris“ nach 31,6° N-Br in 25° W-Lg.
Nachdem sich bei jenen beiden Schiffen auch wieder günstige Winde eingestellt
hatten, nahmen alle vier Reisen abermals einen befriedigenden Verlauf Auf